Seit August 2023 sind die Kleinseilbahnen der Zentralschweiz offiziell in der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz aufgeführt. Rund 20 Prozent der Alpen sind nur mit diesen Kleinseilbahnen erschlossen.
Zunehmend ziehen sie auch Touristen an, die das authentische Bergerlebnis suchen. Von den rund 250 kantonal bewilligten Kleinseilbahnen in der Schweiz sind etwa die Hälfte öffentlich zugänglich.
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Bild 1 von 6. Die Kleinluftseilbahn Fell-Spis ist Teil eines Systems und führt weiter zur Spis-Sinsgäu-Bahn. Es gibt sie seit 1932. Ursprünglich wurde sie mit Wasser angetrieben. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 2 von 6. Die Luftseilbahn Spis-Sinsgäu in der Gemeinde Wolfenschiessen NW. Der bekannte Seilbahnhersteller Niederberger baute diese Luftseilbahn im Jahr 1945. Seit dem Umbau 1979 sind auch die aktuellen Schiffli unterwegs. Es handelt sich um die längste Luftseilbahn der Schweiz mit Niederberger Schiffli. Bildquelle: Keystone/.
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Bild 3 von 6. Rund 10 Kälber und Kühe werden 2018 mit der umgerüsteten Kleinseilbahn Emmetten-Niederbauen auf die Alp von Niederbauen NW transportiert. Es sind um die 40 Fahrten mit Kühen nötig, um die Tiere zu schonen, denen der lange Marsch des Alpaufzuges zu anstrengend wäre. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 4 von 6. Mit dem Musenalp-Bähnli auf direktem Weg ab Niederrickenbach auf die Musenalp. Eine abenteuerliche Fahrt, hoch über den Baumspitzen. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 5 von 6. Wer eine Seilbahn besitzt, steckt viel Geld und Arbeit in die Bahn. Der Seilbahnbesitzer Ueli Schmitter bei einer Kontrolle der 4er-Luftseilbahn Wolfenschiessen-Brändlen 2018. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 6 von 6. Ende der Sommersaison bei der Luftseilbahn Lungern-Schönbüel 1969. Trag- und Zugseile werden auf rostige Stellen kontrolliert und frisch geschmiert. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Johannes Bruell.
Gegenüber den grossen Seilbahnen mit definierten Betriebszeiten haben die kleinen einen Vorteil: Es gibt in der Regel keinen Fahrplan, sagt André Wolfensberger, Leiter Unternehmensentwicklung bei Engelberg Tourismus: «Wer den Sonnenuntergang auf dem Berg geniessen will, nimmt an der Talstation einfach den Hörer in die Hand.»
Die Zentralschweiz, insbesondere Nidwalden, gilt als Wiege des Seilbahnbaus und weist die weltweit grösste Dichte an Kleinseilbahnen auf.
Zwischen Nostalgie und Nervenkitzel
Die ersten Bahnen wurden vor über 100 Jahren als reine Transportmittel gebaut. Anfangs sogar mit Wasserantrieb, sagt André Wolfensberger. Die gebe es für den reinen Warentransport heute noch.
Besonders abenteuerlich sind die sogenannten Dallenwiler Schiffli, bei denen die Kabine fest am Seil fixiert ist und sich mit der Neigung des Seils bewegt.
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Bild 1 von 2. Die Selunbahn verbindet Starkenbach SG mit der Alp Selun auf 1580 Metern über Meer. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. In der Gondel der Selunbahn haben nur vier bis fünf Personen Platz. Gerade ihr nostalgischer Charme macht die über 100 Jahre alte Bahn bei Touristen beliebt. Bildquelle: SRF.
Die Ursprünglichkeit dieser Bahnen macht ihren Reiz aus und ist ein Gegenpol zu den Hightech-Gondeln.
Die verrückteste und die attraktivste Kleinseilbahn
Als «verrückteste» Kleinseilbahn könnte man die über 100 Jahre alte Selunbahn im Toggenburg bezeichnen. Ihre offene Holzkiste, die wackelt und schaukelt, bietet ein echtes Abenteuer und begeistert besonders Kinder.
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Bild 1 von 3. Bis zu vier Personen haben im Kasten der kleinen, altmodischen Selunbahn oberhalb von Starkenbach im Toggenburg Platz. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
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Bild 2 von 3. Die über 100-jährige Selunbahn transportiert nebst Personen auch Milch: 100'000 Liter pro Sommer. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
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Bild 3 von 3. Blick auf das Toggenburg aus der Kabine der Selunbahn. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
Als besonders attraktiv gelten oft Bahnen, die ein einzigartiges Erlebnis oder eine atemberaubende Aussicht bieten. Die Buiräbähnli-Safari in Ob- und Nidwalden ist ein Beispiel für ein solches Erlebnis, bei dem man mehrere Kleinseilbahnen für eine Rundwanderung nutzen und in urchigen Berghütten übernachten kann.
Überlebenskampf und Zukunftsperspektiven
Trotz ihrer kulturellen Bedeutung stehen viele Kleinseilbahnen vor grossen Herausforderungen. Etwa jede zweite Kleinseilbahn in der Schweiz hat finanzielle Probleme.
Die Technik ist oft am Limit und die Beschaffung von Ersatzteilen wird zunehmend schwierig. Hinzu kommen verschärfte Sicherheitsvorschriften, deren Umsetzung für viele Betreiber kaum finanzierbar ist.
Doch es gibt Hoffnung: Die Kantone Nidwalden, Obwalden und Uri haben sich zusammengeschlossen, um ihre Kleinseilbahnen zu erhalten. Zudem werden innovative Lösungen entwickelt, wie eine neuartige Steuerung, die die Kosten für Sanierungen deutlich senken könnte.
Zukunft ungewiss
Trotz ihrer Beliebtheit stehen viele Anlagen unter Druck. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Klimawandel, verändertes Freizeitverhalten und die wirtschaftliche Situation der Bergregionen.
Fachleute gehen davon aus, dass insbesondere kleine, abgelegene Anlagen verschwinden könnten, wenn Investitionen ausbleiben.
Doch Initiativen von Vereinen, Gemeinden und Tourismusorganisationen zeigen: Wo Engagement und Nachfrage zusammenkommen, haben Kleinseilbahnen eine Zukunft – als Verkehrsmittel, Kulturgut und Abenteuer zugleich.