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Im Überlebenskampf Kleinseilbahnen: Kulturgut in luftiger Schieflage

Für Touristen sind die nostalgischen Kleinseilbahnen pures Abenteuer – für Bergbauern oft die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Doch hohe Kosten und strenge Auflagen gefährden ihre Existenz.

Seit August 2023 sind die Kleinseilbahnen der Zentralschweiz offiziell in der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz aufgeführt. Rund 20 Prozent der Alpen sind nur mit diesen Kleinseilbahnen erschlossen.

Zunehmend ziehen sie auch Touristen an, die das authentische Bergerlebnis suchen. Von den rund 250 kantonal bewilligten Kleinseilbahnen in der Schweiz sind etwa die Hälfte öffentlich zugänglich.

Gegenüber den grossen Seilbahnen mit definierten Betriebszeiten haben die kleinen einen Vorteil: Es gibt in der Regel keinen Fahrplan, sagt André Wolfensberger, Leiter Unternehmensentwicklung bei Engelberg Tourismus: «Wer den Sonnenuntergang auf dem Berg geniessen will, nimmt an der Talstation einfach den Hörer in die Hand.»

Die Zentralschweiz, insbesondere Nidwalden, gilt als Wiege des Seilbahnbaus und weist die weltweit grösste Dichte an Kleinseilbahnen auf.

Zwischen Nostalgie und Nervenkitzel

Die ersten Bahnen wurden vor über 100 Jahren als reine Transportmittel gebaut. Anfangs sogar mit Wasserantrieb, sagt André Wolfensberger. Die gebe es für den reinen Warentransport heute noch.

Besonders abenteuerlich sind die sogenannten Dallenwiler Schiffli, bei denen die Kabine fest am Seil fixiert ist und sich mit der Neigung des Seils bewegt.

Die Ursprünglichkeit dieser Bahnen macht ihren Reiz aus und ist ein Gegenpol zu den Hightech-Gondeln.

Die verrückteste und die attraktivste Kleinseilbahn

Als «verrückteste» Kleinseilbahn könnte man die über 100 Jahre alte Selunbahn im Toggenburg bezeichnen. Ihre offene Holzkiste, die wackelt und schaukelt, bietet ein echtes Abenteuer und begeistert besonders Kinder.

Als besonders attraktiv gelten oft Bahnen, die ein einzigartiges Erlebnis oder eine atemberaubende Aussicht bieten. Die Buiräbähnli-Safari in Ob- und Nidwalden ist ein Beispiel für ein solches Erlebnis, bei dem man mehrere Kleinseilbahnen für eine Rundwanderung nutzen und in urchigen Berghütten übernachten kann.

Überlebenskampf und Zukunftsperspektiven

Trotz ihrer kulturellen Bedeutung stehen viele Kleinseilbahnen vor grossen Herausforderungen. Etwa jede zweite Kleinseilbahn in der Schweiz hat finanzielle Probleme.

Die Technik ist oft am Limit und die Beschaffung von Ersatzteilen wird zunehmend schwierig. Hinzu kommen verschärfte Sicherheitsvorschriften, deren Umsetzung für viele Betreiber kaum finanzierbar ist.

Doch es gibt Hoffnung: Die Kantone Nidwalden, Obwalden und Uri haben sich zusammengeschlossen, um ihre Kleinseilbahnen zu erhalten. Zudem werden innovative Lösungen entwickelt, wie eine neuartige Steuerung, die die Kosten für Sanierungen deutlich senken könnte.

Zukunft ungewiss

Trotz ihrer Beliebtheit stehen viele Anlagen unter Druck. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Klimawandel, verändertes Freizeitverhalten und die wirtschaftliche Situation der Bergregionen.

Fachleute gehen davon aus, dass insbesondere kleine, abgelegene Anlagen verschwinden könnten, wenn Investitionen ausbleiben.

Erlebnisplattform «Obsi-Nidsi»

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Die Erhaltung dieser Kleinseilbahnen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb haben die Kantone Obwalden, Nidwalden und Uri zusammen mit Tourismusorganisationen die Plattform «Obsi-Nidsi» ins Leben gerufen.

Mit dem Kooperationsprojekt will man die Kleinseilbahnen fördern, ihre Vielfalt und Dichte zeigen und bekannt machen, dass man sie nutzen kann, sagt André Wolfensberger von Engelberg Tourismus.

Doch Initiativen von Vereinen, Gemeinden und Tourismusorganisationen zeigen: Wo Engagement und Nachfrage zusammenkommen, haben Kleinseilbahnen eine Zukunft – als Verkehrsmittel, Kulturgut und Abenteuer zugleich.

Radio SRF 1, 19.6.2026, 10:00 Uhr

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