Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Mondmission im Gotthard Wie eine Medizinstudentin das Leben auf dem Mond simuliert

Die Gotthardfestung verwandelt sich in eine Mondforschungsstation: Zehn Weltraumforschende simulieren während zwei Wochen das Leben auf einer Mondbasis. Unter dem Team der Mission Asclepios VI ist die Medizinstudentin Marla Lynn Welsch.

Marla Lynn Welsch

Weltraumforscherin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Marla Lynn Welsch studiert Humanmedizin an der Universität zu Köln. Die angehende Ärztin und erfahrene Pflegefachkraft beschäftigt sich mit der Frage, wie weit die Belastbarkeit des menschlichen Körpers auf der Erde – und im All – ausgereizt werden kann.

Neben ihrer Doktorarbeit engagiert sie sich bei der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin sowie dem Österreichischen Weltraumforum. Ihr grosses Ziel ist, als Wissenschaftlerin ins All zu fliegen.

SRF: Wie muss man sich diese Mondbasis vorstellen?

Marla Lynn Welsch: Wir befinden uns in einer Festung, im tiefsten Inneren eines Berges – ohne Sonnenlicht, bei feuchter Luft und Kälte. Neben wissenschaftlichen Räumen für unsere Experimente haben wir ein kleines Schlafquartier, einen Aufenthaltsbereich und natürlich unsere Kommunikationsstation. Dort finden die gesamte Arbeit am Computer und die Zusammenarbeit mit unserem Mission Control statt. Es ist unsere einzige Verbindung zur Aussenwelt.

Lässt sich Schwerelosigkeit überhaupt simulieren?

Ja, das ist aber ziemlich komplex und herausfordernd. Eine Möglichkeit sind Tauchmissionen. Bei denen lebt und arbeitet man in einer kleinen Station unter Wasser. Wir haben als Training stattdessen Parabelflüge absolviert. Das sind spezielle Flugmanöver, bei denen man für kurze Zeit schwerelos ist. So lässt sich dieser Zustand auch für längere Zeit simulieren.

Was ist der Fokus bei der Mondsimulation Asclepios VI?

Bei einer Mondsimulation lässt sich der Fokus meist auf drei Faktoren legen: etwa die Simulation der Schwerelosigkeit, oder des Habitats – also einer Umgebung mit steinigem, anspruchsvollem Terrain, wie man es auf dem Mond erwartet.

Wir ernähren uns von einem gefriergetrockneten, dehydrierten Pulver in einer Tüte, dem wir nur noch Wasser hinzufügen.
Autor: Marla Lynn Welsch Angehende Astronautin

Wir hingegen fokussieren uns auf die Simulation der psychischen Faktoren. Das bedeutet absolute Isolation: Wir sind komplett eingesperrt, haben keinen Kontakt nach draussen und simulieren eins zu eins den durchgetakteten Tagesablauf echter Astronauten. Dabei geht es primär darum, Experimente durchzuführen und Daten darüber zu sammeln, wie sich unser Körper und unsere Leistungsfähigkeit in der Isolation verändern.

Wie bewältigen Sie die ganz alltäglichen Dinge – etwa den Gang zur Toilette?

Für mich startet die Mission mit einer 24-stündigen Simulation des Mondfluges in unserem «Rocketroom». Für diese erste Phase haben wir eine kleine Campingtoilette. In der eigentlichen Mondbasis gibt es dann aber eine richtige Toilette, wie sie auch bei der Artemis-II-Mission eingesetzt wird. Das ist ein echter Fortschritt im Vergleich zu früheren Missionen, über den wir sehr dankbar sind.

Was essen Sie auf dieser Mission?

Wir ernähren uns von Astronautennahrung: Das ist ein gefriergetrocknetes, dehydriertes Pulver in einer Tüte, dem wir nur noch Wasser hinzufügen. Da gibt es verschiedene Sorten, sogar Frühstück und Nachtisch.

Die Mahlzeiten wurden in Absprache mit unseren Medizinern und Er­nährungs­wissen­schaftlern geplant. Was, wann und wie viel wir essen, ist genau berechnet. Der Ernährungsplan ist abgestimmt auf unsere Körpergrösse, das tägliche Sportprogramm und den individuellen Tagesbedarf.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Unser Virtual-Reality-Experiment fasziniert mich besonders. Dabei setzen wir eine Virtual-Reality-Brille auf und tauchen komplett in eine andere Welt ein. In dieser «Simulation der Simulation» üben wir, einen Mondlander zu fliegen und zu landen.

Begleitend dazu füllen wir Fragebögen aus. Damit untersuchen wir, wie sich unsere Leistung und Stimmung vor und nach der Simulation verändern und wie gut wir im Verlauf der Mission abschneiden. Denn einen Mondlander zu steuern, ist gar nicht so einfach – selbst in der virtuellen Realität.

Das Gespräch führte Sven Epiney.

Radio SRF 1, «Morgengast», 13.07.2026, 7 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel