Die Sihl mündet unter dem Hauptbahnhof Zürich in die Limmat. Unter einem der verkehrsreichsten Knotenpunkte Europas, an dem täglich über 400'000 Pendler und Reisende unterwegs sind, deutet nichts mehr auf den ruhigen und mystischen Bergsee in der Region Ybrig im Kanton Schwyz hin, wo die Quelle der Sihl liegt.
Startpunkt ist die Bushaltestelle Ochsenboden auf 929 m ü. M. bei Studen SZ. Von hier aus folgt man dem Wanderweg Richtung Gribschli/Sihlseeli. Das erste Stück führt noch über eine wenig befahrene Strasse mitten durch den Golfplatz Ybrig – ein überraschender Auftakt, bevor die Landschaft dann aber schnell alpiner wird.
Wer genau hinschaut, entdeckt hier auch ein Gelände, das eingezäunt und videoüberwacht ist. Hinter den Gittern geht es vermeintlich ins Nirgendwo, aber der Ochsenboden ist Teil eines Geländes der Rüstungsfirma Rheinmetall Schweiz, die hier Waffen und Munition testet.
-
Bild 1 von 6. Das Sihlseeli liegt auf einer Höhe von 1825 Metern über Meer in einer Mulde unterhalb des Saaspasses und ist von Alpwiesen und Bergwänden umgeben. Der See erhielt seinen Namen, weil hier die Sihl entspringt. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.
-
Bild 2 von 6. Das Sihlseeli hat einen unterirdischen Abfluss, wirkt etwas geheimnisvoll und ist ein beliebter Treffpunkt für Fischer. Im Frühling werden hier jeweils Saiblinge/Rötel ausgesetzt. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.
-
Bild 3 von 6. Durch den Bergwald und auf Wanderwegen geht es rund 1000 Höhenmeter hinauf. Nach knapp drei Stunden geht die Landschaft über zu weiten Alpwiesen, die von kleinen Bächen durchzogen sind. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.
-
Bild 4 von 6. Die Wanderung zum Sihlseeli von Studen/Ochsenboden aus wird als mittel bis schwer eingestuft. Sie erfordert eine gute Kondition und Trittsicherheit. Wanderzeit: 5.5 bis über 6 Stunden. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.
-
Bild 5 von 6. Diese Wanderung verbindet Wasser und eine abwechslungsreiche voralpine Landschaft in der Zentralschweiz. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.
-
Bild 6 von 6. Der Sihlsee ist der flächenmässig grösste Stausee der Schweiz. Der See wurde 1937 durch die SBB gebaut und wird zur Bahnstromgewinnung genutzt. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.
Die Strasse schlängelt sich dem Hang entlang, bald begleitet sie die wilde Sihl, mehrfach queren kleine Seitenbäche den Weg. Im Gribschli beginnt der weiss-blau markierte alpine Wanderweg. Hier wird es markant steiler: Durch schattigen Bergwald geht es rund 300 Höhenmeter zur Alp Fläschen hinauf.
Nach knapp einer Stunde öffnet sich die Landschaft. Sanfte Alpwiesen, kleine Wasserläufe und freie Sicht auf die Berggipfel prägen nun die Szenerie.
Schritt für Schritt nähert sich das idyllische Sihlseeli auf rund 1825 m ü. Meer: Es ist ein kleiner abgeschiedener Bergsee, geheimnisvoll mit einem unterirdischen Abfluss. Hier liegt der Ursprung: die Quelle der Sihl.
Im Frühling setzt der Fischereiverein Einsiedeln Saiblinge aus, und mit einem gültigen Patent ist das Fischen hier erlaubt. Für mich als Wanderer ist es ein perfekter Rastplatz – aussichtsreich, erfrischend und ursprünglich.
Der Rückweg führt nun über einen Bergwanderweg via Untersihl. Beim Stägli wird noch einmal die Sihl überquert, bevor man beim Gribschli wieder auf den bekannten Hinweg trifft. Alternativ bietet sich auch eine Kammüberschreitung ins Wägital an: über den Saaspass Richtung Au mit einem Abstieg zum Wägitalersee im anderen Tal. Eine schöne, aber noch längere Tour in alpinem Gelände.
Gerade alpine Passagen verlangen Trittsicherheit und gute Vorbereitung. Das heisst für mich: Wetter prüfen, Kartenmaterial mitnehmen, genügend Zeit für die Wanderung und einen Schwatz mit dem Alphirten einrechnen. Reist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, gehören auch Ankunfts- und Abfahrtszeiten zur Tourenplanung.
Diese Tour zum Sihlseeli verbindet für mich alpine Ursprünglichkeit, abwechslungsreiche Landschaft und stille Naturerlebnisse – ideal für alle, die eine weniger überlaufene Bergwanderung in der Zentralschweiz suchen.