An acht Tischen wird abgewogen, der nächste Stich geplant, Punkte gezählt. Wer kann, zählt auch die Karten. Es ist laut im Raiffeisen Forum in Bern – nur einen Steinwurf vom Bundeshaus entfernt.
Das ist der beste Anlass des parlamentarischen Jahres.
Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich, entspannt. Hier arbeitet für einmal zusammen, wer das Heu sonst gar nicht auf der selben Bühne hat. Die Politik bleibt am Parlamentsjass grösstenteils aussen vor.
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Bild 1 von 6. 31 Parlamentarierinnen und Parlamentarier nahmen am 15. Parlamentsjass teil. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Gespielt wurden drei Runden mit wechselnden Partnern. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Gespielt wird jeweils der «Schieber». Das Niveau der Spielenden ist dabei recht unterschiedlich. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Laut Hans Bachmann, Veranstalter und Schweizer Meister 2005, gibt es einige sehr gute Jasser und Jasserinnen im Parlament. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Am Parlamentsjass steht jedoch die Geselligkeit im Vordergrund. Viele Teilnehmende schätzen es, die Angehörigen anderer Parteien in einer entspannten Atmosphäre kennenzulernen. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Gespielt wurde mit drei verschiedenen Kartensets. Wenn sich die Jassgruppe nicht auf französische oder Deutschschweizer Karten einigen konnte, kamen spezielle kombinierte Karten zum Zug. Bildquelle: SRF.
Bereits zum 15. Mal
«Das ist der beste Anlass des parlamentarischen Jahres», sagt FDP-Nationalrat Damien Cottier. «Man bekommt verschiedene Partner zugelost und lernt einander mal auf andere Art kennen.»
Seit 10 Jahren wird der Parlamentsjass von Hans Bachmann veranstaltet, insgesamt ist es das 15. Mal. Er selbst war 2005 Schweizer Meister. Besonders freut ihn, dass Bundeskanzler Victor Rossi wieder mit dabei ist: «Er hatte sich vor zwei Jahren kurz nach seiner Wahl bei mir gemeldet und gesagt, er wolle an den Parlamentsjass. Er komme aber nur, wenn er gewinne», erzählt Bachmann.
Für den Sieg reichte es damals nicht. Das scheint der Begeisterung aber nicht geschadet zu haben: Rossi ist auch 2026 wieder dabei.
Aufs Jassen können sich alle verständigen
Insgesamt sind 31 Parlamentarierinnen und Parlamentarier vertreten. Zwar überwiegen die Teilnehmenden aus dem SVP-Lager, sie stellen oft auch den Sieger oder die Siegerin. Doch an den Jasstischen sitzen Politiker aller Coleurs und auch aus allen Sprachregionen.
«Jassen ist ein Traditionssport in der Schweiz – und ein richtiger Schweizer jasst einfach», sagt der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas. Er stellt wie viele andere das verbindende Element des Jassens ins Zentrum.
Auch FDP-Nationalrätin Maja Riniker nutzt die Chancen, die der Abend bietet: «Man lernt die Mitglieder der anderen Parteien als Menschen besser kennen. Darum braucht es solche Anlässe: Damit wir mehr Verständnis füreinander bekommen.»
Jassen ist zu 70 Prozent Glück.
Trotz aller Geselligkeit: Am Ende wird ein Sieger oder eine Siegerin erkoren. Wer nach drei Runden die meisten Punkte hat, gewinnt. Die Paare werden mehrfach neu ausgelost. Man ist also auf Los-und Kartenglück angewiesen.
«Jassen ist zu 70 Prozent Glück», sagt SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, kurz vor der letzten Runde. Sie gewann den Parlamentsjass 2020 als erste Frau. Dieses Jahr sei es ihr nicht gut gelaufen: «Ich hatte katastrophale Karten. Aber dafür ein paar wirklich schöne, elegante Züge.»
Der Ersatzjasser gewinnt
Spontanteilnahmen und Absagen sind beim Parlamentsjass Standard. Darum sind immer einige Ersatzjasser vor Ort. Dieses Jahr war bei 31 regulären Teilnehmer auch einer gefragt. Jürg Brand liess sich nicht zweimal bitten und erjasste sich den ersten Platz.
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Bild 1 von 2. Gewonnen hat SVP-Nationalrat Thomas Stettler vor Parteikollegin Esther Friedli und Mitte-Nationalrat Martin Candinas. Zumindest regulär – am meisten Punkte holte Ersatzjasser Jürg Brand. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Der Wanderpokal geht damit einmal mehr an die SVP. Sie stellt die meisten Jasser und auch die meisten Sieger. Bildquelle: SRF.
Regulär gewann das Turnier SVP-Nationalrat Thomas Stettler vor Parteikollegin und Ständerätin Esther Friedli und Mitte-Politiker Martin Candinas.
Glück reicht nicht
«Ich habe gewonnen, weil ich der Beste bin», meine Stettler rundheraus, beschwichtige aber gleich: «Natürlich hatte ich auch gute Partner und gute Karten.» Jacqueline Badran liess sich die Teilnahme am Siegerinterview nicht nehmen. «Es ist so: Ohne Glück, kann man nicht gewinnen. Aber nur mit Glück gewinnst du auch nicht!»
Da sind sich beide einig. Das kommt selten genug vor. Und genau darin liegt der Wert des Parlamentsjasses.