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Parlamentsjass «Das ist der beste Anlass des parlamentarischen Jahres»

Ob bei Grosi zuhause, in der Stammbeiz oder im Parlament – in der Schweiz wird gejasst! Doch wer gewinnt, wenn SVP-Ständerätin Esther Friedli gegen SP-Nationalrätin Jacqueline Badran und Bundeskanzler Viktor Rossi spielt?

An acht Tischen wird abgewogen, der nächste Stich geplant, Punkte gezählt. Wer kann, zählt auch die Karten. Es ist laut im Raiffeisen Forum in Bern – nur einen Steinwurf vom Bundeshaus entfernt.

Das ist der beste Anlass des parlamentarischen Jahres.
Autor: Damien Cottier Nationalrat FDP

Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich, entspannt. Hier arbeitet für einmal zusammen, wer das Heu sonst gar nicht auf der selben Bühne hat. Die Politik bleibt am Parlamentsjass grösstenteils aussen vor.

Bereits zum 15. Mal

«Das ist der beste Anlass des parlamentarischen Jahres», sagt FDP-Nationalrat Damien Cottier. «Man bekommt verschiedene Partner zugelost und lernt einander mal auf andere Art kennen.»

Die Geschichte des Jassens

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Vermutlich wurde das Jassen durch schweizerische Söldner aus der Niederlanden in die Schweiz gebracht. Der erste Nachweis stammt aus dem Jahr 1796 aus einer Gerichtsakte. In Schaffhausen klagten zwei Pfarrer zwei Bauern an, «die bei einem Spiel, welches man das Jassen nenne, um ein Glas Wein spielten».

Danach entwickelte sich das Spiel weiter. Jede Region entwickelte eine eigene Variante des Spiels, bis 1936 das «Schweizerische Jass-Reglement» in Kraft trat und das Spiel erfolgreich für die gesamte Schweiz vereinheitlicht.

Seit 10 Jahren wird der Parlamentsjass von Hans Bachmann veranstaltet, insgesamt ist es das 15. Mal. Er selbst war 2005 Schweizer Meister. Besonders freut ihn, dass Bundeskanzler Victor Rossi wieder mit dabei ist: «Er hatte sich vor zwei Jahren kurz nach seiner Wahl bei mir gemeldet und gesagt, er wolle an den Parlamentsjass. Er komme aber nur, wenn er gewinne», erzählt Bachmann.

Für den Sieg reichte es damals nicht. Das scheint der Begeisterung aber nicht geschadet zu haben: Rossi ist auch 2026 wieder dabei.

Aufs Jassen können sich alle verständigen

Insgesamt sind 31 Parlamentarierinnen und Parlamentarier vertreten. Zwar überwiegen die Teilnehmenden aus dem SVP-Lager, sie stellen oft auch den Sieger oder die Siegerin. Doch an den Jasstischen sitzen Politiker aller Coleurs und auch aus allen Sprachregionen.

Französische vs. Deutsche Jasskarten

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Jasskarten in der Hand
Legende: SRF

Spielkarten haben ihren Ursprung bereits im 12. Jahrhundert in Asien und gelangten über Handelsrouten im 14. Jahrhundert nach Europa. So stellte eine Basler Papiermanufraktur bereits um 1450 Spielkarten her. Die ältesten bekannten Jasskarten der Deutschschweiz stammen aus dem Jahre 1470.

In dieser Zeit ist wohl auch bereits der Ursprung der Brüning-Napf-Reus-Linie. Diese verläuft mitten durch den Kanton Aargau und teilt das Land, wie der Röstigraben, in zwei Teile: Westlich von der Linie spielt man mit den Französischen Jasskarten, östlich davon mit den Deutschen. Die Ausnahmen sind die Kantonte Graubünden und Thurgau. Weshalb es diese Teilung gibt, ist nicht abschliessend geklärt: Am wahrscheinlichsten ist jedoch ein stärkerer burgundischer Einfluss im Westen und ein alemannischer im Osten.

«Jassen ist ein Traditionssport in der Schweiz – und ein richtiger Schweizer jasst einfach», sagt der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas. Er stellt wie viele andere das verbindende Element des Jassens ins Zentrum.

Auch FDP-Nationalrätin Maja Riniker nutzt die Chancen, die der Abend bietet: «Man lernt die Mitglieder der anderen Parteien als Menschen besser kennen. Darum braucht es solche Anlässe: Damit wir mehr Verständnis füreinander bekommen.»

Jassen ist zu 70 Prozent Glück.
Autor: Jacqueline Badran Nationalrätin SP

Trotz aller Geselligkeit: Am Ende wird ein Sieger oder eine Siegerin erkoren. Wer nach drei Runden die meisten Punkte hat, gewinnt. Die Paare werden mehrfach neu ausgelost. Man ist also auf Los-und Kartenglück angewiesen.

«Jassen ist zu 70 Prozent Glück», sagt SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, kurz vor der letzten Runde. Sie gewann den Parlamentsjass 2020 als erste Frau. Dieses Jahr sei es ihr nicht gut gelaufen: «Ich hatte katastrophale Karten. Aber dafür ein paar wirklich schöne, elegante Züge.»

Der Ersatzjasser gewinnt

Spontanteilnahmen und Absagen sind beim Parlamentsjass Standard. Darum sind immer einige Ersatzjasser vor Ort. Dieses Jahr war bei 31 regulären Teilnehmer auch einer gefragt. Jürg Brand liess sich nicht zweimal bitten und erjasste sich den ersten Platz.

Regulär gewann das Turnier SVP-Nationalrat Thomas Stettler vor Parteikollegin und Ständerätin Esther Friedli und Mitte-Politiker Martin Candinas.

Glück reicht nicht

«Ich habe gewonnen, weil ich der Beste bin», meine Stettler rundheraus, beschwichtige aber gleich: «Natürlich hatte ich auch gute Partner und gute Karten.» Jacqueline Badran liess sich die Teilnahme am Siegerinterview nicht nehmen. «Es ist so: Ohne Glück, kann man nicht gewinnen. Aber nur mit Glück gewinnst du auch nicht!»

Da sind sich beide einig. Das kommt selten genug vor. Und genau darin liegt der Wert des Parlamentsjasses.

Radio SRF 1, 11.3.2026, 10:00 Uhr ; 

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