Zwei Mal in der Woche treffen sich im Weyermannshaus in Bern Frauen und Mädchen zum Eishockeyspielen. Es ist das Frauenteam des EHC Post Bern 96. «Eishockey ist einfach ein cooler Teamsport. Wir sind eine grosse Familie», sagt Stefania Meroni, Captain des Teams.
Die Ausrüstung müssen sich die Spielerinnen selbst kaufen. Nur das «Liibli» kriegen sie vom Club. Der Verein hat eine grosse Nachwuchsabteilung. «Wir haben zwischen 15 und 20 Mädchen, die in unseren Juniorinnenteams spielen», sagt Meroni.
Das Frauenteam des EHC Post Bern 96 im Training
-
Bild 1 von 3. Captain Stefania Meroni gönnt sich im Training eine Pause. Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 3. Das Team des EHC Post Bern 96 erhält Instruktionen. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 3. Die Spielerinnen des EHC Post Bern 96 müssen sich die Eishockeyausrüstung selbst kaufen. Bildquelle: SRF.
Allerdings war das nicht immer so. Bis letztes Jahr war der EHC Post noch ein eigenständiger Verein. Weil der Club keine Juniorinnenteams hatte, konnten keine neuen Spielerinnen akquiriert werden. Daraufhin hat der Club mit dem EHC Bern 96 fusioniert, der bereits ein funktionierendes Nachwuchssystem hatte. Seither gibt es für alle Spielerinnen, egal welchen Alters, einen Platz.
Umdenken ja, aber langsam
Dieses Glück haben nicht alle Fraueneishockeyclubs: An vielen Orten haben die Mädchen nicht einmal eigene Umkleidekabinen. Sie müssen sich auf dem WC umziehen. Ausserdem müssen die Frauen und Mädchen oft zu Randzeiten trainieren, weil die Männerteams Vorrang erhalten. Deshalb wünscht sich Meroni fürs Fraueneishockey: «Dass genügend Platz für interessierte Mädchen geschaffen wird, dass Hockey nicht als Männersport abgestempelt wird und dass Fraueneishockey an Popularität gewinnt.»
Einen grossen Hebel haben die grossen Clubs. Dazu gehören die ZSC Lions in Zürich. Monika Waidacher ist ehemalige Nati-Spielerin und Verantwortliche des Frauenteams. «Fraueneishockey hinkt dem Fussball 10 bis 15 Jahre hinterher. Auch müssen wir teilweise immer noch mit Stereotypen kämpfen. ‹Eine Frau, die Hockey spielt, sieht aus wie ein Mann und hat kurze Haare›, heisst es etwa.» Allerdings habe in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden.
Die Clubs würden langsam den Wert des Sportes erkennen: «Bei den ZSC Lions Frauen dürfen wir seit dieser Saison – wie die Männer – in der Swisslifearena spielen. Ausserdem haben wir einen eigenen Kraftraum. Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.»
Eine Vorreiterrolle im Schweizer Fraueneishockey nimmt der EV Zug ein. Der Club stellt die Spielerinnen zu 40 Prozent ein. So können sie am Nachmittag trainieren und es findet eine Professionalisierung statt. Auch die ZSC Lions möchten sich an diesem Modell orientieren. Allerdings sei das gar nicht so einfach, sagt Waidacher: «Viele Spielerinnen arbeiten zu 100 Prozent, studieren oder sind sonst eingebunden. Dieser Wandel braucht Zeit.»
Augenmerk auf den Nachwuchs
Das Wichtigste sei aber die Investition in den Nachwuchs. «Im Alter zwischen 13 und 15 hören viele Mädchen auf mit dem Sport», sagt Waidacher. In diesem Alter gebe es ein zu kleines Angebot. Der nationale Verband Swiss Ice Hockey hat nun reagiert. Auf die Saison 2026/2027 wird die Junior Women's League U16 für Spielerinnen unter 16 Jahren eingeführt. Aktuell rechne man mit zehn teilnehmenden Teams, heisst es auf Anfrage.
Sowieso hat sich der Verband für die nächsten Jahre hohe Ziele gesteckt. Man wolle zu einer der führenden Frauen-Eishockeyligen Europas werden. In Europa hat derzeit Schweden die beste Liga. Weltweit ist die nordamerikanische PWHL das Nonplusultra.