Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Nachhaltigkeit auf Festivals Paléo: mehr Solarenergie, weniger Rindsburger

Das Paléo ist jetzt auch ein Solarkraftwerk. Ab diesem Sommer produziert das grösste Schweizer Festival die Hälfte seines Strombedarfs mit einer eigenen Solaranlage. Ein löbliches Projekt, das aber noch nicht alle Probleme löst.

Die 261 Solarzellen liegen auf dem Hofdach eines Milchlieferanten neben dem Paléo-Gelände. Photovoltaik auf einer Fläche von zwei Tennisplätzen. Kostenpunkt: 350'000 Franken. Subventionen? Keine. Ihre neue «Solarfarm» sei weit mehr als ein Kraftwerk, so Festivalleiter Mario Fossati.

Dach mit Solarpanelen auf einem Gebäude im ländlichen Bereich.
Legende: Das Dach des Milchlieferanten nebenan: Paléos «Solarfarm» deckt die Hälfte des Strombedarfs einer einzelnen Festivalausgabe. Paléo

Stromkommune und Testlabor

Mit dem jährlich selbst produzierten Solarstrom (100'000 kWh) könnten sie achtmal die Hauptbühne versorgen. Wenn grad kein Festival stattfindet, wird der übrig geblieben Strom via Stromnetz zurück in die Nachbarschaft gespiesen. «Wir sind eine autonome Stromkommune am Stadtrand von Nyon», so Fossati.

Mann steht auf Rasen vor bunter Bühne.
Legende: Mario Fossati engagiert sich seit 1984 fürs Paléo Festival. Im Jahr 2019 wurde er zum Generalsekretär der Association Paléo Arts & Spectacles ernannt und leitet seither das Openair zusammen mit Daniel Rossellat. Paléo

Ihre Anlage produziert Strom für die Hälfte einer Festivalausgabe. Die andere Hälfte wird, wie bei den meisten grossen Schweizer Festivals, mit Netzstrom aus erneuerbaren Quellen abgedeckt. Ihre hofeigene Solaranlage sieht Fossati als «Testlabor und Vorbild für die Schweizer Festivallandschaft.»

Grössere Shows, stabiler Stromverbrauch

Um den Strombedarf für ein Rammstein-Konzert zu decken, musste das Paléo 2005 externe Generatoren anschaffen. Dies sei seither zum Glück nie mehr nötig gewesen. Aber nicht, weil die Shows kleiner würden, erklärt der Paléo-Chef: «Die Shows werden immer grösser und unsere Headliner brauchen mittlerweile gleich viel Leistung wie eine Metallfabrik».

Erstaunlicherweise bleibe der Stromverbrauch unter dem Strich beim Paléo dennoch stabil. Denn die Shows würden zwar immer grösser, aber die Technologien auch immer effizienter. «Wir kompensieren den Mehrbedarf mit energieeffizienteren LED-Leuchten oder Kühlschränken», so Fossati. Fraglich bleibt, wie lange sich das im Gleichgewicht hält.

Mehr ÖV, weniger Rind: Die CO₂-Bilanz liesse sich senken

Da der Strom schon länger «grün» aus dem Netz bezogen wurde, verändere die neue Solarfarm fast nichts an der CO₂-Bilanz des Festivals. Um diese zu beeinflussen, müsse man andere Hebel ansetzen. Die grössten liegen laut Fossati einerseits beim Publikum, das mit dem Auto anreist. Und andererseits beim Konsum von Rindsburgern.

«Wenn alle mit dem ÖV ans Paléo kämen und sich vegan ernähren würden, könnten wir die CO₂-Bilanz um 60 Prozent senken», so der Festivalleiter. Und wieso werden Burger demnach nicht einfach vom Menüplan gestrichen? «Wir wollen nichts vorschreiben oder verurteilen. Stattdessen verbessern wir die Alternativen und vergrössern unser vegetarisches Angebot.»

Das Credo «Nachhaltigkeit empfehlen statt vorschreiben» gilt beim Paléo auch beim Booking von Acts. «Wenn David Guetta aus Hamburg anfliegt und nach der Show weiterdüst nach Ibiza, sind uns die Hände gebunden», so Fossati. Ausser man würde gänzlich auf jettende DJs verzichten.

Zukunftsstrom aus alten Mühlen

Kürzlich wurde das Paléo an den European Festival Awards als bestes Festival Europas ausgezeichnet. Mitunter wegen seiner klaren Nachhaltigkeitsstrategie. «Uns geht es bei der neuen Solaranlage nicht um Imagepolitur, wir denken seit 1999 darüber nach wie wir unser Festival nachhaltiger gestalten könnten», so Fossati.

Punkto Strom stehen laut Fossati auch schon nächste Ideen im Raum: «Durch unser Gelände fliesst ein Fluss, an dem vor langer Zeit Mühlen betrieben wurden. Wir überlegen uns, die alten Mühlen in Stromgeneratoren zu verwandeln. Aber das ist Zukunftsmusik.»

SRF 3, 18.02.2026; 21:30 Uhr

Meistgelesene Artikel