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Zustand der Musikbranche Schweizer Musikszene – «Kein Stein blieb auf dem anderen»

Welche Veränderungen durchlebte die Schweizer Musikszene in den letzten 10 Jahren? Zeit, um mit Branchenkennerinnen und -kennern über den Zustand der Branche zu reden.

Die Schweizer Musikszene pulsiert: Sie ist lebendig, vielfältig und wird immer grösser. Das spürt auch die Redaktion der Schweizer Musiksendung «SRF 3 punkt CH». Sie wird mit Songs und Anfragen von Schweizer Acts überhäuft. Ende Februar feiert sie ihr zehnjähriges Jubiläum. Zeit, der hiesigen Musikbranche auf den Zahn zu fühlen.

Was hat sich in der Szene in den letzten zehn Jahren verändert?

«Es ist kein Stein auf dem anderen geblieben», sagt Nick Werren, Leiter des Fachbereichs Pop/Rock beim Berufsverband der freischaffenden Musiker und Musikerinnen Sonart. Physische Tonträgerverkäufe sind endgültig weggebrochen, Streaming hat alles ersetzt und die Promotion wird von Social Media dominiert.

«Spotify & Co. haben keine Abteilungen in der Schweiz.
Autor: Andreas Ryser Labelmanager beim Schweizer Indie-Label Mouthwatering Records

Fabienne Schmuki, Geschäftsführerin des Vereins Swiss Music Export, sieht zudem, dass die Masse an Schweizer Produktionen zugenommen hat. Mit digitalen Werkzeugen sei es einfacher, Musik zu produzieren. Und sie erkennt auch, dass die ganze Szene in den letzten Jahren professioneller geworden ist.

Womit kämpft die Schweizer Musikszene aktuell?

Wichtiges Stichwort: Sichtbarkeit. Es ist für alle CH-Acts eine Herausforderung, auf den Streamingportalen und auf Social Media wahrgenommen zu werden. «Spotify & Co. haben keine Abteilungen in der Schweiz», sagt Andreas Ryser, Labelmanager beim Schweizer Indie-Label Mouthwatering Records.

Kulturförderung und Politik müssen einschreiten. Es braucht mehr Geld.
Autor: Nick Werren Fachbereichsleiter bei Sonart

Ihre Playlists werden nicht lokal kuratiert, der Schweizer Lokalkolorit fehlt vollends. Man kämpft gegen die Taylor Swifts dieser Welt. Andreas Ryser vergleicht die Schweizer Benachteiligung so: «Als ob alle in der Schweiz Radio BBC hören würden anstatt Radio SRF. Wir hätten dann noch einen Schweizer Song pro Jahr im Programm.»

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Schlüsselthemen der Zukunft sind klar: Einerseits die KI-Musik, die auch vor der Schweiz nicht Halt macht. Des weiteren die bereits angesprochene fehlende Sichtbarkeit und auch das Touren im Ausland wird nicht einfacher mit den geopolitischen Unsicherheiten. Und natürlich das liebe Geld. Die von Sonart empfohlenen Gagen pro Musiker pro Konzert bewegen sich zwischen 600 und 800 Franken. Damit solche Gagen möglich sind, fordert Nick Werren: «Kulturförderung und Politik müssen einschreiten. Es braucht mehr Geld.»

Das Thema Mental Health ist ein Riesenthema.
Autor: Geschäftsführerin des Vereins Swiss Music Export

Und es braucht Geduld bis der Durchbruch gelingt. Ryser und Schmuki sagen beide: «Es braucht einen langen Schnauf.» Sie raten den Bands, so viel wie möglich live aufzutreten. Aber was viel Zeit braucht, braucht auch viel Geld und viele Nerven. Deshalb ist auch die Gesundheit ein wichtiger Faktor der Zukunft. «Das Thema Mental Health ist ein Riesenthema bei Musiker und Musikerinnen, die sich professionalisieren wollen», warnt Fabienne Schmuki.

Und wie war das nochmal mit dem Geld?

In der Schweiz von der Musik leben zu können, bleibt weiterhin ein hartes Pflaster. Man erinnert sich an Werner Widmer alias Blues Max, der 1979 im «Ego Blues» getextet hat: «Di ganz Schwyz isch für Musiker ei tödlichi Provinz, chrampfe wie niene, und zahle tüends mit Münz.»

SRF 3, 27.2.2026, 16:15 Uhr

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