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Abofalle Mieterschutz Schweiz Masche mit System: Trittbrettfahrer kassiert weiter ab

Wer aus Versehen beim Mieterschutz Schweiz statt beim Mieterinnen- und Mieterverband landet, zahlt ein Abo für Nichts. Will man kündigen, bekommt man es mit Inkassobriefen und Betreibungsandrohungen zu tun. Die Masche hat seit Jahren System.

Seit bald 20 Jahren verdient der Mieterschutz Schweiz (MSS) beziehungsweise Fabian Strässle, der Verantwortliche dieser Firma, mit einer fragwürdigen Masche viel Geld: Webseite und Aufmachung erwecken den Eindruck, man erhalte dort als Mieterin oder Mieter eine umfassende und seriöse Beratung mit allem Drum und Dran, wie etwa Rechtsberatung, Schreibservice oder Mietzinscheck – plus eine Rund-um-die-Uhr-Helpline. Verschiedene Domains wie etwa «mieterschutzbern.ch» suggerieren, es gebe «Filialen» in verschiedenen Kantonen. Doch in Wahrheit steckt hinter der schönen Verpackung ein Ein-Mann-Betrieb.

Abo verlängert sich automatisch

Der Mann hinter dem Mieterschutz heisst Fabian Strässle. Er hat es auf Leute abgesehen, die online nach dem offiziellen Mieterverband suchen, aus Versehen bei ihm landen und fortan die Jahresgebühr von rund 100 Franken bezahlen. Das Abo verlängert sich automatisch. Strässle wurde schon wegen Irreführung verurteilt, macht aber einfach in ähnlicher Art und Weise weiter.

Hinterhof mit modernen Mehrfamilienhäusern und Gartenbeeten.
Legende: Wer Probleme in den eigenen vier Wänden hat, erkundigt sich in den meisten Fällen erst einmal online. Genau hier schnappt die Falle zu. Keystone/Gaetan Bally

Massiver Druck, wenn jemand nicht zahlen will

Immer wieder melden sich Betroffene bei den SRF-Konsumentenmagazinen «Espresso» und «Kassensturz». Sie habe dringend die Unterstützung des Mieterverbandes gebraucht, erzählt etwa eine Frau aus dem Raum Zürich. Nachdem sie ausgezogen war, wollte ihr die Wohnungsverwaltung nachträglich noch 3000 Franken Reparaturkosten berechnen. Sie habe dringend die Unterstützung des Mieterverbandes gebraucht. Via Onlinesuche sei sie dann aber versehentlich beim Mieterschutz Schweiz gelandet.

«Espresso» ist an Ihrer Meinung interessiert

Box aufklappen Box zuklappen

Als sie kündigen wollte, sei ein Brief mit vielen Paragrafen gekommen, weshalb das nicht möglich sei, sagt die Betroffene. Unter anderem habe es geheissen, dass Online-Verträge nicht stornierbar seien. Doch die Frau sah sich getäuscht und bestritt die Forderung mehrfach. Es folgten teils gehässige E-Mails und Briefe eines Inkassounternehmens. Die Forderung verdreifachte sich, die Frau wurde betrieben und erhob Rechtsvorschlag.

Konsumentenschutz: «absichtliche Täuschung»

Auch bei der Stiftung für Konsumentenschutz melden sich seit Jahren immer wieder Betroffene. Rechtsexpertin Livia Kunz rät: So schnell wie möglich intervenieren und den Vertrag schriftlich anfechten. Onlineverträge seien wohl einzuhalten, aber in diesen Fällen sei der Vertrag ungültig, denn: «Er ist durch absichtliche Täuschung zustande gekommen.»

Kunz rät auch: Rechtsvorschlag erheben, wenn es tatsächlich zu einer Betreibung kommen sollte. Und: Meldung machen beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dieses wird nur aktiv gegen eine Firma, wenn genügend Hinweise vorliegen.

Mieterschutz: Keine Reaktion

Auf die Fragen von SRF reagiert der Mieterschutz nicht. Auch bei der angeblichen 24/7-Helpline nimmt niemand ab.

SRF1, Espresso, 19.5.2026, 8:10 Uhr

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