Ein Mann aus dem Kanton Zürich erhält kürzlich einen Anruf eines angeblichen UBS-Mitarbeiters: Von seinem Konto seien gerade 1700 Franken durch einen «Karl Müller» abgebucht worden. Ob er diesen kenne? Statt in Panik zu geraten, drückt das potenzielle Betrugsopfer geistesgegenwärtig auf den Aufnahme-Knopf seines Handys. Denn er weiss: Am Telefon sind Betrüger – er hat nämlich gar kein Konto bei der UBS.
Perfekt inszeniertes Schauspiel
Die Aufzeichnung enthüllt ein hochprofessionelles Vorgehen. «In der halben Stunde habe ich mit drei verschiedenen Männern gesprochen, die sich nach einem einstudierten Drehbuch immer wieder abwechselten», berichtet der Betroffene. Das Ziel: Zeitdruck und Panik erzeugen.
Einer der Betrüger sagt zum Beispiel: «Für Ihre finanzielle Sicherheit müssen wir sofort eine lokale Sperrung Ihres Onlinebankings machen. Neue Aktionen können die Betrüger nicht durchführen. Aber wir müssen klären, was die Betrüger bereits geschafft haben.»
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SRF legt die Aufnahme einem Experten der Kantonspolizei Zürich vor, welche auch die nationale Plattform cybercrimepolice.ch betreibt. Roger Bonetti sagt, das Vorgehen sei exemplarisch: «Typischerweise rufen angebliche Autoritäten wie Polizei, Staatsanwaltschaft oder Banken an. Das erzeugt Respekt und Glaubwürdigkeit. Dann wird ein dringendes Problem konstruiert, das sofort gelöst werden muss.»
Schweigepflicht und unsichere Kanäle
Besonders perfide: Die Täter verlangen von ihrem Opfer absolute Verschwiegenheit: «Bei Betrugsfällen haben Sie gemäss Bankvertrag eine Schweigepflicht. Die Bank erstattet das Geld nur zurück, wenn Sie diese einhalten, ja?»
Für Polizei-Experte Bonetti ist das Motiv klar: «Die Betrüger versuchen, die Opfer davon abzuhalten, mit jemandem über den Anruf zu sprechen. Eine Drittperson würde den Betrug wahrscheinlich relativ rasch erkennen. Deshalb drängen sie so stark auf die Geheimhaltung.»
Betrüger behauptet: «Doch, Whatsapp ist sicher»
Ebenfalls typisch: Die Täter drängen den Mann kurz darauf, auf das unsichere Whatsapp oder Telegram zu wechseln, denn das sei angeblich «sicherer». Als das Opfer widerspricht, behauptet der Betrüger frech: «Doch, doch, Whatsapp ist verschlüsselt, und es kann keine Schadsoftware installiert werden.» Natürlich eine dreiste Lüge.
Druck und Drohungen
Als die Kriminellen merken, dass der Betroffene nicht so leicht zu täuschen ist, erhöhen sie den Druck: «Ich glaube, Sie verstehen nicht, wie gefährlich und wichtig die Lage ist. Wir versuchen Ihnen gerade zu helfen. Wir haben hier eine Menge zu tun, es sind 20, 25 Fälle gleichzeitig. Sie sind nicht das einzige Opfer dieser Geschichte. Wir müssen sicherstellen, dass das bei Ihnen nicht wieder vorkommt, verstehen Sie das?!»
Der Betroffene hat genug gehört. Er beendet das Gespräch und schickt die Aufnahme an das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso», um andere zu warnen: «Wenn jemand nicht so viele Kenntnisse hat und nur ein bisschen vertrauensseliger ist, dann hätte das schlimm enden können.» Gerade kürzlich berichtete RTS über ein Ehepaar in Genf, das wegen der dreisten UBS-Betrüger um ein Haar seine gesamten Ersparnisse verloren hätte.