Was ist passiert? Seit 2024 erhält das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» regelmässig Beschwerden zur Firma Alpenglas GmbH mit Sitz in Fribourg. Bis im Februar 2025 hiess sie noch MW Service Fensterbau GmbH. Betroffene werfen den Verantwortlichen fragwürdige Geschäftspraktiken vor und berichten von hohen Rechnungen. Die Betroffenen sind oft über Webseiten wie schweizerfenster24.ch, wintergartenspezialist-bern.ch oder glas-haus.ch auf die Alpenglas GmbH gestossen.
Was werfen Betroffene Alpenglas konkret vor? In einem Fall soll Alpenglas gesagt haben, dass es für Aufträge unter 500 Franken keine Offerten gebe. Die Rechnung belief sich dann aber auf fast 2000 Franken – viermal so viel. Andere Betroffene berichten, Alpenglas habe für eine unverbindliche Offert-Besichtigung vorbeikommen wollen. Monate später sei plötzlich eine Rechnung über mehrere tausend Franken dafür eingetroffen. Wieder andere sprechen von schwammig formulierten Kostenvoranschlägen, bei denen die Schlussrechnung doppelt so hoch ausfiel wie mündlich angekündigt. Zudem berichten Betroffene von Fahrspesen von knapp 1000 Franken – weil die Handwerker aus Fribourg anreisten.
Reparatur ohne Auftrag: In einem weiteren Fall sollen Mitarbeitende von Alpenglas bei einer unverbindlichen Offert-Besichtigung ein defektes Objekt ohne Wissen und Zustimmung der Besitzer mitgenommen und repariert haben. Die Firma habe es erst wieder nach der Bezahlung der Rechnung herausrücken wollen, so die Betroffenen. Auch auf der Bewertungsplattform Trustpilot finden sich aktuelle negative Bewertungen, die vor der Alpenglas GmbH warnen.
Einschüchterung und Maulkorb durch Anwalt: Immer wieder erzählen Betroffene: Wenn sie reklamieren und sagen, sie fühlten sich übers Ohr gehauen, dann folge ein Schreiben des Anwalts. Alpenglas drohe darin mit Betreibung oder dem Handwerkerpfandrecht. Viele knicken an diesem Punkt ein und zahlen zähneknirschend. Schon mehrfach wollte das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» über Alpenglas berichten. Doch wer den Mut hat, Alpenglas die Stirn zu bieten, dem wird plötzlich ein Rabatt angeboten. Allerdings nur, wenn die Betroffenen eine Vereinbarung unterzeichnen, die ihnen faktisch einen Maulkorb verpasst. Sie dürfen sich gegenüber Medien nicht mehr äussern.
Was sagt Alpenglas zu den Vorwürfen? Auf konkrete Fragen von SRF antwortet eine Frau namens Katharina Müller, die im Handelsregister als Geschäftsführerin eingetragen ist, mit einem einzigen Satz: «Die Vorwürfe werden bestritten.» Auf erneute Nachfrage kommt keine Antwort mehr.
Was sagt der Branchenverband? Auch beim Schweizerischen Fachverband der Fenster- und Fassadenbranche (FFF) landen gelegentlich ähnliche Fälle. Der Ratschlag von Geschäftsführer Markus Hobi: «Auf keinen Fall zahlen, auch wenn mit rechtlichen Schritten gedroht wird. Und unbedingt die Rechtsschutzversicherung einschalten, sofern vorhanden. Und detaillierte Montagerapporte verlangen.» Gehe es in Richtung Betrug, sollte zudem bei der Polizei Anzeige erstattet werden, rät der Branchenverband.