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Herd, Backofen, Rauchmelder Bei Alarmtönen im Haushalt fehlen Vorschriften

Vor allem Seniorinnen und Senioren hören hohe Alarmtöne oft nicht. Gesetzliche Vorgaben gibt es dazu nicht.

Worum geht es? Ein 72-jähriger Mann aus dem Kanton Solothurn stellt fest, dass er die Alarmtöne von Backofen, Herd oder Mikrowelle nicht mehr hört – im Gegensatz zu seiner Frau. Er ist überzeugt: Solche Signale sind wichtig, wenn etwas anbrennt oder man rasch eingreifen muss. Deshalb fragt er das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: Gibt es Richtlinien, die vorschreiben, dass Alarmtöne für alle Menschen – auch im Alter – hörbar sein müssen?

Wie verbreitet ist das Problem? Sehr verbreitet. Laut Pascal Senn, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Unispital Genf, leidet ein Drittel der Menschen im Pensionsalter an einer Hörstörung – vorwiegend bei hohen Tönen. Ab 80 Jahren ist bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung betroffen. Bei den noch Älteren sind praktisch alle betroffen.

Was hat die Tonhöhe mit dem Alter zu tun? Je höher ein Ton ist, desto höher ist seine Frequenz (gemessen in Kilohertz, kHz). Im Alter verabschiedet sich das Gehör schrittweise von den hohen Frequenzen: Zuerst hört man Töne zwischen sechs und acht Kilohertz nicht mehr, später sinkt diese Grenze auf vier und schliesslich auf zwei kHz. Ein Alarmton mit zwei Kilohertz ist für ältere Menschen also deutlich besser hörbar als ein hoher Ton mit vier kHz.

Gibt es Richtlinien betreffend Signaltöne der Hersteller? Nein. Bei Haushaltsgeräten gibt es keine Vorschriften zur Tonhöhe von Alarmsignalen – die Gestaltung ist den Herstellern überlassen. Eine Nachfrage bei vier grossen Marken zeigt deutliche Unterschiede: Die Töne von Electrolux sind viel höher als jene von V-Zug oder Siemens. Klar ist aber: Neben der Tonhöhe entscheiden auch Lautstärke und Dauer darüber, wie gut ein Alarm hörbar ist.

So hoch piepsen Geräte bekannter Haushaltsgeräte-Hersteller:

Box aufklappen Box zuklappen
Nahaufnahme von Edelstahl-Ofenknöpfen und digitaler Uhranzeige.
Legende: Nicht jeder Backofen piepst gleich hoch Imago
  • Electrolux: Die Signaltöne liegen bei rund vier Kilohertz. Laut Elektrolux ist das bewusst so hoch gewählt, damit sich der Ton gegen normale Umgebungsgeräusche durchsetzt.
  • Siemens: Die Geräte alarmieren bei tieferen zwei kHz.
  • V-Zug: Die Töne liegen in einem tieferen Bereich zwischen knapp einem und maximal 2,4 kHz.
  • Miele: Wollte zu ihren Frequenzen keine Auskunft geben.

Wie sieht es bei Rauchmeldern aus? Auch hier gibt es keine Vorschriften. Laut dem Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen (SES) liegen die Töne bei Brandmeldeanlagen üblicherweise zwischen einem halben und einem Kilohertz. Diese Frequenzen seien für fast alle Menschen hörbar.

Was ist mit Warntönen von Autos? Auch der Verband Auto-Schweiz bestätigt, dass es für die akustischen Warnsignale im Auto keine Vorgaben gibt. Die Gestaltung liegt ganz in den Händen der Autohersteller.

Was kann ich tun, wenn ich hohe Alarmtöne nicht mehr (gut) höre? Als Erstes sollten Betroffene einen Hörtest machen. Je früher ein Hörgerät zum Einsatz kommt, desto besser. Der Dachverband Pro Audito rät, ein Hörgerät vor dem Kauf unbedingt auch im eigenen Alltag zu testen. Dies, um sicherzugehen, dass es die gewünschten Töne auch wirklich verstärkt.

Welche technischen Möglichkeiten gibt es? Wer internetfähige Haushaltsgeräte besitzt, kann sich die Warntöne mittels App auf dem Smartphone anzeigen lassen: Passiert etwas, vibriert oder klingelt das Handy oder zeigt eine entsprechende Meldung auf dem Display. Bei einigen Herstellern (wie zum Beispiel V-Zug bei Backöfen und Steamern) lässt sich ein optischer Alarm einstellen. Dann blinkt etwa das Licht im Backofen ein paar Minuten vor dem Ende der Backzeit.

Radio SRF1, Espresso, 27.7.2026, 8:10 Uhr; herb

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