Günstig-Internet im Test: Das taugen Abos ohne Kabelanschluss

Den TV-Anschluss plombiert, das Festnetz-Telefon entsorgt: Das Internet ist bei vielen noch das einzige Kabel, das in die Wohnung führt. Nun wird auch das unnötig: 4G-Modems machen es möglich. Wer daheim guten Handy-Empfang hat, kommt mit ihnen günstig ins Internet. «Kassensturz» hat sie getestet.

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Billig-Internet im Test: Das taugen Abos ohne Anschlussgebühr

7:35 min, aus Kassensturz vom 8.11.2016

Es gibt gute Gründe, sein Internet weiterhin per Kabel zu beziehen: Es ist zuverlässig, die Geschwindigkeit ist stabil und im Falle von Glasfaser auch schnell.

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«Hotspot»

Auch auf dem Smartphone kann man einen «Hotspot» eröffnen, über den sich andere Geräte ins Internet einwählen können. Die Technologie ist dieselbe, aber etwas umständlicher: Der Handy-Akku leert sich schnell und wenn man beispielsweise kurz mit dem Handy in den Keller geht, muss man die Geräte anschliessend neu verbinden.

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Eine Hand legt eine Sim-Karte in ein Gerät

Für eine Verbindung braucht man lediglich ein Modem und eine Sim-Karte.

Die Vorteile

Es gibt aber ebenso gute Gründe, in Zukunft nur noch via Mobilfunk zu surfen – also je nachdem wo man ist, mit «3G» oder «4G», auch «LTE» genannt.

  • Mobil: Das Modem kann man überallhin mitnehmen. Es gibt sogar solche, die einen Akku haben.
  • Günstig: Verträge gibt's bereits ab 29 Franken im Monat.
  • Bequem: Man schliesst das Gerät einfach am Strom an und kann lossurfen.

Aber ist die Verbindung gut genug, um beispielsweise ein Wochenende lang Filme und Serien zu schauen?

Die Stichprobe

An vier Standorten hat «Kassensturz» während 48 Stunden einen Geschwindigkeitstest durchgeführt: in der Grossstadt (Zürich), auf dem Land (Sevelerberg, SG), in der Kleinstadt (Rapperswil-Jona) und in einem Dorf (Azmoos, SG).

Unser Kriterium: Liegt die Geschwindigkeit über fünf Megabit pro Sekunde (MBit/s)? Diese Geschwindigkeit, sei das Minimum, um im Internet Filme in hoher Auflösung zu schauen, sagen Youtube und Netflix.

Die Daten werden wie bei einem Smartphone mit einer Sim-Karte und einem dazugehörigen Abonnement empfangen. Getestet haben wir folgende Surf-Abos:

  • Salt «Surf Unlimited» für 35 Franken pro Monat
  • Yallo «Go» für 29 Franken pro Monat mit einer Geschwindigkeitslimite von 21 Mbit/s (auch ohne Jahresvertrag für 39 Franken monatlich erhältlich)
  • Swisscom «Data XL» für 89 Franken pro Monat und einer Datenmengenbegrenzung von 20 Gigabyte pro Monat

Die Swisscom sagt dazu aber, ihr Abonnement sei für die mobile Nutzung vorgesehen. Für stationäre Anwendungen empfiehlt sie ihre Kabel-Angebote.

Ein Mann zeigt auf eine Liniengrafik auf einem Bildschirm Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Peter Heinzmann analysiert: Am Abend reicht die Geschwindigkeit zum Filmschauen nicht mehr aus. SRF

Die Hochlastzeiten

Was schnell auffällt: Abends, wenn viele Leute zuhause sind und surfen oder fernsehen, sinkt die Geschwindigkeit deutlich. Vor allem in Städten wie Zürich oder Rapperswil.

«In der Nacht und am Morgen messen wir Geschwindigkeiten bis 50 Mbit/s, aber am Abend sind es nur noch 5 Mbit/s. Und das bei allen drei Anbietern», sagt Peter Heinzmann, Professor für Internet-Technologien, der für «Kassensturz» die Messungen durchführte.

Auf dem Sevelerberg waren keine tagesabhängigen Schwankungen messbar, dafür ein anderes Phänomen: Die Modems verbanden sich manchmal plötzlich mit einer anderen Handy-Antenne. Dadurch erhöhte sich Geschwindigkeit in einigen Fällen von 3 auf 15 Mbit/s. Beeinflussen kann man diese Verbindungen nicht.

Alles hängt vom Standort ab

Ob man bei sich in der Stube oder in der Ferienwohnung eine zufriedenstellende Geschwindigkeit erreicht, sollte man deshalb vor einem Kauf unbedingt testen.

Ein erster Indikator sind die Netz-Abdeckungskarten der Provider Swisscom, Salt und im Fall von Yallo: Sunrise. Diese erwiesen sich in unserem Test aber als wenig zuverlässig. Unser Experte rät deshalb: «Laden Sie einige Freunde zu sich ein und schauen Sie, wer mit welchem Anbieter guten Empfang hat.»

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Alle Tests

Alle Tests

Alle Tests, Degustationen und Testsieger von «Kassensturz» auf «Tests» oder von A bis Z.

Die Geschwindigkeit wird von vielen Faktoren beeinflusst. Je nachdem, wie viele andere Benutzer gerade an einer Funk-Antenne angemeldet sind und wo im Haus man sich befindet, surft man schneller oder langsamer. Wer es genau wissen will, kann mit einer Smartphone-App einen Geschwindigkeitstest durchführen.

Für viele nicht die erste Wahl

Ein Blick auf die Preise zeigt: «Für alle, die das Internet in Kombination mit einem Fernseh- oder Telefon-Anschluss beziehen, lohnt sich ein Wechsel aus finanzieller Sicht in den meisten Fällen nicht», sagt Oliver Zadori von der Vergleichsplattform Dschungelkompass.

Die Messungen zeigen ausserdem: Wer abends und am Wochenende nicht auf eine zuverlässige Geschwindigkeit verzichten möchte, ist mit einem konventionellen Kabel-Internet besser bedient.

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Zweite Sim-Karte

Bei Sunrise und Salt können Kunden zu ihrem Abonnement eine zusätzliche Sim-Karte verlangen. Dies kostet monatlich fünf bzw. zehn Franken. Wer also bereits ein unlimitiertes Abo hat, kann eine zweite Sim-Karte in ein Modem einlegen und über denselben Vertrag im Internet surfen.

Wer aber oft herumreist und auch nicht wütend wird, wenn der Film übers Internet mal etwas länger braucht bis er ruckelfrei abspielt, «für den könnte diese Form von kabellosem Internetzugang eine günstige Alternative sein», bilanziert Zadori.

Vorsicht bei Daten-Limiten

Nach einigen Tagen intensiver Messungen waren die 20 Gigabytes des Swisscom «Data XL» aufgebraucht. Swisscom reduzierte daraufhin die Geschwindigkeit auf 64 kbit/s, «was zum surfen nicht mehr ausreicht», warnt Peter Heinzmann von cnlab: «Diese Datenmenge entspricht acht Stunden Film in hoher Auflösung.» Intensivnutzer sind also gut beraten, wenn sie ein Abonnement mit unlimitierten Daten abschliessen.