Was als Haustraum beginnt, endet in einem Albtraum. Fabienne und Manuel Pink wollten ihr Haus aus den 1970er-Jahren in Neukirch (TG) sanieren. Dach, Fenster, Fassade – alles sollte neu werden.
Sie wählen dafür eine lokale Holzbau-Firma. Die Offerte: rund 80'000 Franken. Das Paar zahlt 50'000 Franken an. Geplant waren drei Monate Sanierungsarbeit. Heute, über ein Jahr später, ist noch immer kein Ende in Sicht.
Was nicht passt, wird passend gemacht
Der geplante Umbau läuft schon beim Fenstertausch völlig aus dem Ruder. Ein Monteur verspricht, kein neues Fenster einzubauen, das nicht passt. Die Monteure arbeiten dann aber eher nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.
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Bild 1 von 3. Hier zeigt sich das Ausmass des Baupfuschs. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Die Firma schnitt einen Teil der Wand weg. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Somit musste die Firma keine neuen Fenster bestellen, sondern konnte die zu gross bestellten Fenster einsetzen. Bildquelle: SRF.
Denn statt neue Fenster zu bestellen, schneiden die Handwerker bei einigen Fenstern kurzerhand Stücke aus den Wänden, damit die zu gross bestellten Fenster passen. «Überall war ich mit diesen Schäden konfrontiert, über Monate», sagt Fabienne Pink.
Schäden am Boden, Streit um Geld
Auch der Natursteinboden wird in Mitleidenschaft gezogen. Schutzfolien reissen beim Entfernen kleine Löcher in die Platten. Als die Familie den Geschäftsführer darauf anspricht, reagiert dieser laut Pinks aggressiv. Eine Lösung? Fehlanzeige.
Wegen des Streits stoppt die Firma ihre Arbeiten. Von den 50'000 Franken will sie nur 12'639 Franken zurückzahlen. Damit ist das Paar aber nicht einverstanden. «Wir haben versucht zu verhandeln. Aber die Firma hat gar nicht reagiert», sagt Manuel Pink.
Nun meldet sich der Anwalt der Firma. Er verweist auf den Rechtsweg. Die Familie nimmt sich ebenfalls einen Anwalt. Der Fall geht vor Gericht. Jetzt heisst es für das Paar: abwarten.
Bauberater spricht von Pfusch
Kassensturz lässt die Fenster-Arbeiten vom unabhängigen Bauberater Othmar Helbling einschätzen. «Wenn ich mir die Menge an Fehlern anschaue, dann kann man das Wort Baupfusch in den Mund nehmen.»
Sein Rat: Niemals eine hohe Anzahlung leisten. «Ich bestelle etwas, ich kontrolliere es – und wenn es richtig ist, zahle ich.» Denn: Wer sich gegen eine Baufirma wehren müsse, brauche viel Zeit, Geld und Energie – mit ungewissem Ausgang.
Der Anwalt dementiert gegenüber Kassensturz die Vorwürfe. Die Kunden seien immer sehr zufrieden. Der Fall sei ein absoluter Ausnahmefall. Die Arbeiten seien wegen der Beendigung der Zusammenarbeit nicht abgeschlossen, und die erbrachten Leistungen seien korrekt abgerechnet worden.
Die Firma sagt, sie hätten die 12'639 Franken nicht zurückzahlen können, weil die Familie die Kontoverbindung nicht mitgeteilt hätte. Sollten Schäden und Mängel gerichtlich bestätiget werden, werde man den rechtlichen Pflichten nachkommen. Für das Ehepaar Pink bleibt jetzt nur noch der Rechtsweg.
Bauen wird stets komplizierter
Fälle von Baupfusch würden laut Bauberater Othmar Helbling immer mehr zunehmen. Grund dafür sei vor allem der Fachkräftemangel. So gäbe es auf dem Bau weniger gut ausgebildete Leute. Gleichzeitig würden aber auch die Anforderungen der Bauherren steigen. Bauen werde ausserdem immer komplizierter und Vorschriften komplexer. Dadurch gehe eine Schere auf, die eben genau zu solchen Problemen führe.
Der Experte rät Bauherren deshalb, keine hohen Anzahlungen zu leisten, um für den Fall von Streitigkeiten ein Pfand in der Hand zu haben. Denn der Rechtsweg in solchen Fällen sei steinig und lang. Das wisse auch die Gegenseite.