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Fragwürdiges Modell Kundinnen und Kunden von Pfando fühlen sich irregeführt

«Besser als ein Autopfandhaus» – so wirbt Pfando. Kunden sagen: mit dieser Firma wollen sie nie mehr zu tun haben.

Die Werbung der Firma Pfando erschien Stefan Tanner wie ein Geschenk des Himmels: «Geld sofort & das Auto weiterfahren» steht zuoberst auf der Pfando-Webseite. «Das ist genau, was ich wollte», erinnert er sich. Er brauchte kurzfristig Geld.

Er fuhr zur Pfando-Filiale in Büsingen bei Schaffhausen in der Überzeugung, dort eine Art Kredit zu bekommen. Doch der Pfando-Agent legte ihm zwei Verträge gleichzeitig vor. Erstens einen «Kaufvertrag»: Laut diesem verkauft Tanner sein Auto an Pfando für 4000 Franken, dies bei einem Eurotax-Händler-Einkaufswert von 8275 Franken.

Der zweite Vertrag ist ein «Mietvertrag»: Jeden Monat muss Stefan Tanner 764 Franken an Pfando bezahlen, dafür, dass er das Auto weiter benutzen darf. Ein vertragliches Rückkaufsrecht hat er nicht. Nach sechs Monaten steht er ohne Auto da und hat mehr an Pfando zurückbezahlt, als er für das Auto bekommen hatte. 

Er räumt ein, er habe nicht alles verstanden, was ihm zur Unterschrift vorgelegt wurde und beteuert: Was in diesen Verträgen steht, habe der Pfando-Mann ganz anders erklärt: «Ich war immer noch der Meinung, das ist eine Art Rückzahlung für einen Kredit. Und irgendwann gehört das Auto wieder mir.» Stefan Tanner fühlt sich irregeführt. 

Kunde von Pfando enttäuscht

Rechtsanwalt Mario Bünter vertritt Stefan Tanner. Er sagt: Wenn Pfando Stefan Tanners Notlage ausgenutzt und gleichzeitig viel zu wenig fürs Auto bezahlt habe, dann sei dieser «übervorteilt» worden, mit der Konsequenz, dass die Verträge ungültig erklärt werden können und das Geschäft rückabgewickelt werden müsse. Sein Rechtsanwalt betont: «Herr Tanner wollte nicht sein Auto verkaufen, sondern er wollte primär Geld.»

«Kassensturz» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Daraus folge bei einer wirtschaftlichen Betrachtung dieses Geschäfts, dass es als Kreditgeschäft gelten könnte. Ein Kreditgeber darf in der Schweiz bei einem Konsumkredit maximal 12 Prozent Zins pro Jahr verlangen. Vergleicht man den Deal von Pfando mit einem Kreditgeschäft, würde Stefan Tanner horrende 228 Prozent Jahreszins zahlen.

2500 Franken für Auto mit 10'640 Franken Eurotax-Wert

Frau K. war auch Kundin bei Pfando in Bern und bekam nur einen Viertel des Eurotax-Händler-Einkaufswerts ausbezahlt. Dies in der festen Überzeugung, eine Art Kredit zu bekommen. Im Vertrag steht: Sie verkauft das Auto. Auch sie wollte ihr Auto bestimmt nicht verkaufen.

«Ich weiss ja, wieviel das Auto wert ist. Ich habe es ja erst kürzlich für mehr als 16'000 Franken gekauft!», sagt sie. Auch sie beteuert, der Pfando-Angestellte habe sie im Glauben gelassen, sie könne den Wagen wieder auslösen. Mehr noch: Sie habe die Verträge bei diesem Treffen gar nicht gesehen. Unterschrieben habe sie auf einem Tablet.

Hubert Stöckli, Professor für Privatrecht, hält fest: «Wenn ich einen Vertrag eingehe, den ich hinten und vorne nicht wollte, dann bin ich in einem Erklärungsirrtum.» Die Folge: Die Verträge seien dann unverbindlich. Im Fall von Frau K. rückabwickelte Pfando den Vertrag, bevor sie Miete bezahlte.

Auch Stefan Tanner konnte mit der Unterstützung seines Anwalts eine Lösung mit Pfando finden. Heute ist er wieder Eigentümer seines Autos. Die 4000 Franken, die er dafür bekam, verrechnet Pfando mit den 4800 Franken, die er in sechs Monaten als Miete und Gebühren bezahlt hat.

Das sagt die Firma Pfando

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Pfando weist alle Vorwürfe zurück. Die Verträge zielten nicht auf Irreführung. Und schreibt sinngemäss, der fürs Auto von Stefan Tanner ausbezahlte Preis habe dem Zustand entsprochen und die Eurotax-Bewertung sei untauglich: «Es handelt sich bei einer (...) Eurotax-Referenz nicht um den Nachweis eines konkret am Stichtag mit diesem konkreten Fahrzeug auf dem relevanten Markt tatsächlich realisierbaren Erlöses.» 

Gegenüber «Kassensturz» verteidigt Pfando sein Geschäftsmodell: «Es ist kein Konsumkreditgeschäft. Es gibt keine darlehenstypische Rückzahlungsverpflichtung; die vereinbarten Mieten sind Nutzungsentgelt und keine Zinsen.» Und weiter: das Modell werde «als Ankauf des Fahrzeugs mit anschliessender Rückvermietung» beschrieben, und ergänzt, man prüfe dennoch, ob man «die Darstellung nochmals klarer und präsenter fassen» könne. 

Pfando bestreitet, bei Tanner auf Druck eingelenkt zu haben und schreibt: «Dies geschah nicht aus Furcht vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung und nicht aufgrund eines rechtlichen Einknickens, sondern ausschliesslich im Wege eines grosszügigen Entgegenkommens in einem besonders gelagerten Einzelfall.» 

Im Fall von Frau K. schreibt Pfando: Man habe «(...) den Einzelfall kurzfristig geprüft und eine für Frau K vollständig entlastende Lösung ermöglicht (...)». 

Die Frage von Kassensturz, warum Pfando Frau K. einen Viertel des Eurotax-Händler-Einkaufswerts als Kaufpreis bezahlt habe, hat Pfando nicht beantwortet. 

Auch auf die Nachfrage, ob es denn aus Sicht von Pfando in Ordnung gewesen sei, dass Frau K. die Verträge vor Ort gar nicht sehen konnte, gibt Pfando keine Antwort. Pfando bestreitet, dass Frau K. der Inhalt der unterzeichneten Unterlagen nicht erläutert worden sei. 

 

SRF 1, Kassensturz, 2.6.2026, 21:10 Uhr

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