Was Elisabeth Lange über den Salt-Store am Berner Bärenplatz erzählt, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Die 92-Jährige besucht letzten Sommer die Salt-Filiale. Sie will ihr bestehendes Internet-Abo zu Salt wechseln und schliesst vor Ort einen Vertrag ab.
Doch dann die böse Überraschung: Salt kann den alten Vertrag bei der Konkurrenz nicht künden und storniert kurzerhand den eigenen Vertrag mit Elisabeth Lange – und verrechnet ihr eine Stornogebühr von 500 Franken.
Verkäufer jubeln schamlos Verträge unter
Und es kommt noch dreister. Die 92-jährige kehrt wegen eines technischen Problems mit ihrem Handy in die Salt-Filiale zurück. Doch statt ihr zu helfen, dreht ihr das Personal weitere vier Handy-Abos, vier Smartphones plus fünf Musikboxen an.
Mindestlaufzeit: zwei Jahre. Kostenpunkt: 200 Franken pro Monat. «Ich hatte nur eine Frage zu meinem Telefon, dann hat er ein paar Formulare hervorgeholt und gesagt, das sei alles das Gleiche und ich müsse einfach unterschreiben», erzählt Elisabeth Lange.
Salt-Kundendienst lässt nicht mit sich reden
Ein Bekannter von ihr interveniert beim Salt-Kundendienst. Doch ohne Erfolg. Salt hält vehement an den Verträgen fest. Eine Auflösung wäre nur gegen eine Gebühr von rund 4200 Franken möglich – wegen vorzeitiger Kündigung.
«Kassensturz» hat Kenntnis eines weiteren Falles: Ein Mitarbeiter derselben Filiale dreht einem 83-jährigen, dementen Mann fünf Abos und fünf Handys an. Seine Tochter wehrt sich vergeblich beim Kundendienst.
Doch auch hier beharrt Salt auf den Verträgen – obwohl die Tochter auf die Demenz ihres Vaters hinweist.
Das Ganze scheint System zu haben: In mehreren Rezensionen zum Salt-Store am Bärenplatz schildern Kunden ähnliche Erfahrungen. Ein Teil des Personals nutzt offensichtlich die Schwäche älterer Menschen aus.
Verleitet Provisions-System zu Missbrauch?
Sara Stalder vom Konsumentenschutz vermutet, dass das Personal auf Provisionsbasis arbeitet – und kritisiert dieses System als falschen Anreiz. «Das heisst, zum Grundlohn gibt es für jedes verkaufte Produkt eine Provision. Da ist es sehr verlockend für das Verkaufspersonal, möglichst viel zu verkaufen.
Und dann stürzen sie sich auch auf Leute, die es nicht so gut verstehen.» Auf Anfrage von SRF bestätigt Salt ein solches «variables Vergütungssystem». Die Telekom-Firma schreibt: «Verkaufsabschlüsse, die nicht am tatsächlichen Bedarf der Kundinnen und Kunden ausgerichtet sind, tolerieren wir nicht.»