Cannabis – Vom Wunderkraut zum Teufelszeug und langsam zurück

Die Ächtung als Droge in den 1950er Jahren klingt bis heute nach: Die Nutzung von Hanf als Heilmittel hat trotz klarem Nutzen einen schweren Stand.

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Cannabis in der Medizin – Nutzen hoch, Hürden höher

19 min, aus Puls vom 17.10.2016

Hanf, lateinisch Cannabis, ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und seit Jahrtausenden als Lieferant von Fasern und Ölprodukten geschätzt. Nicht nur seine berauschende Wirkung ist seit jeher bekannt, auch das medizinische Potenzial der Pflanze ist seit Jahrtausenden aktenkundig: Auf 2700 vor Christus (!) datiert die älteste bekannte Erwähnung in einem chinesischen Heilkundebuch, wo er als Mittel gegen Frauenkrankheiten, Gicht oder Rheumatismus empfohlen wurde.

Auch in der Klostermedizin fand Cannabis vielfältige Nutzung. Zum regelrechten Allheilmittel wurde es aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts hochstilisiert. Bis 1951 waren Hanfextrakte als Medizin in der Schweiz erlaubt und weit verbreitet: Zwischen 1850 und 1950 waren hierzulande über 100 Cannabis-Medikamente im Verkauf.

Erst die synthetische Herstellung von Medikamenten und die Ächtung von Cannabis als Rauschmittel und Einstiegsdroge beendeten den Boom und machten das Wunderkraut in der öffentlichen Wahrnehmung zum Teufelszeug.

Schlüsselsubstanzen: THC und CDB

Beachtung erlangte Cannabis erst 1964 wieder, als der wichtigste Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) erstmals isoliert wurde. Das Cannabinoid verändert einerseits die Wahrnehmung, hat aber auch therapeutische Wirkung: THC verursacht nicht bloss den Rausch, sondern lindert auch entzündungsbedingte Schmerzen und hat sogar hemmende Wirkung auf das Wachstum von Krebszellen.

Cannabinoide greifen über körpereigene Rezeptoren in den Organismus ein. Sie beeinflussen Gedächtnis, Motorik, Schmerzempfinden und das Immunsystem. Sie regen den Appetit an und dämpfen Übelkeit. Die Cannabis-Pflanze enthält neben THC noch mindestens 75 andere Cannabinoide. Das wichtigste ist Cannabidiol (CBD). Es ist zwar mit dem THC verwandt, verursacht aber keinen Rausch und hat eine stärkere medizinische Wirkung.

Komplexes Zusammenspiel

Die Vielzahl seiner Wirkstoffe sorgt dafür, dass Cannabis bei vielen Krankheiten hilft. Das therapeutische Potenzial wurde unter anderem auch in einer vom Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegebene Metastudie belegt. Während man die Wirkung einzelner Cannabionide schon gut kennt, ist das komplexe Gesamtsystem jedoch noch kaum erforscht. Der Erfolg von Cannabnis-Produkten kann deshalb von Patient zu Patient individuell verschieden sein.

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