Kein Handy, ein wildfremder Mensch und eine Kamera, die alles festhält: In der SRF-Sendung «Alone Together» verbringen vier Paare acht Tage allein auf einer kleinen Insel in Schweden. Zusammengestellt wurden sie nicht per Zufall, sondern von zwei Expertinnen. Was soll da schon schiefgehen?
Einiges, wie sich zeigt. Wobei das grösste Hindernis selten das Gegenüber ist – sondern das, was die Singles im eigenen Gepäck mitbringen.
Yasmin und Oliver: zu perfekt, um zu funken
Auf dem Papier sind sie ein Volltreffer. Er: gross, weltgewandt, mit Kinderwunsch. Sie: lebenslustig, ebenfalls mit Kinderwunsch. Beide finden sich sympathisch, beide lachen viel. Das Problem: Es passt fast zu reibungslos. «Die Schmetterlinge fehlen mir», sagt Yasmin.
Obwohl die beiden die Insel «together» verlassen, erzählen sie drei Monate später in der «Reunion», dass sie kein Paar sind. Oliver sei nicht bereit, zu Yasmin nach Bern zu ziehen, und Yasmin will wiederum nicht nach Zürich, weshalb sie insgesamt zu wenig Zeit miteinander verbringen könnten.
Alenka und Noah: Kopf gegen Herz
Hier treffen zwei aufeinander, die sich beide selbst als «verkopft» bezeichnen – und das offen aussprechen. «Meine Macke ist, dass ich oft zu viel nachdenke und im Grübeln stecken bleibe», sagt Noah. Alenka wiederum ringt mit der Nähe und damit, sie selbst zu initiieren: «Im Moment habe ich schon etwas Angst vor Bindung.»
Was daraus wird: Die beiden geben sich nach der Insel ein paar Dates – und landen in der Freundschaft. Alenka ist inzwischen mit jemand anderem zusammen.
Yves und Ursula: Checkliste gegen Bauchgefühl
Yves (37) weiss sehr genau, was er will – inklusive Haarlänge und Körpergrösse. Ursula (38) bringt ihrerseits eine Liste mit zehn Werten mit.
Ursula fehlen die Signale. «Für mich bräuchte es eine kleine Umarmung», sagt sie. Beziehungs-Expertin Esther Bischofberger hatte Yves' Zwiespalt schon früh benannt: «Eine Seite von ihm möchte bemuttert werden. Die andere Seite will eine raffinierte Frau.» Beides zusammenzubringen, gelingt ihm nicht. Zudem spürt Ursula, dass sie vom Aussehen her nicht Yves' Typ ist.
Was daraus wird? Sie verlassen zusammen die Insel, weil sie sich noch eine Chance geben möchten.
Leandra und Filip: Sie sind nicht zu zweit
Der Start ist harmonisch, doch dann holt Leandra (22) ihre Vergangenheit ein. Ein Ex, der trotz zweijähriger Trennung sehr präsent ist. «Ein Teil von mir merkt, dass etwas noch nicht abgeschlossen ist», sagt sie. Dazu setzt sie klare Grenzen, was Filip (28) mehr als einmal trifft – etwa in der Nacht im gemeinsamen Zelt: «Wenn du reinkommst, gehe ich raus.»
Expertin Caroline Fux erkennt das Muster: Leandra sei «mit dem Herzen sehr stark woanders». Dadurch entstehe «sofort ein Gefälle», sodass sich die beiden «nicht auf Augenhöhe begegnen» könnten.
Das Fazit: Verliebt es sich auf einer Insel leichter?
Vier Paare, vier Hürden. Gescheitert sind die meisten nicht aneinander, sondern an etwas Mitgebrachtem: an einer zu glatten Harmonie, an zu viel Kopf, an Ansprüchen, an einem Herzen, das noch woanders ist. Die Insel hat das nicht verursacht, sie hat es nur, ohne Handy und Ablenkung, schneller sichtbar gemacht.
Expertin Esther Bischofberger war überrascht von den Teilnehmenden: «Mir ist nach der Inselwoche aufgefallen, wie hoch die Ansprüche jedes Singles an sich selbst sind – dass alles von Anfang an perfekt sein muss.» Dabei dürfe man ja auch langsam in eine Beziehungsarbeit gehen.