Roboy – die Geburt eines Roboters

Roboy ist einer der ersten humanoiden Roboter weltweit, der sich bewegen soll wie ein Mensch. Er ist Botschafter der aktuellsten Robotikforschung. Initiator Rolf Pfeifer vom AI-Lab der Uni Zürich will ihn in rekordverdächtigen 9 Monaten fertigstellen. «Einstein» hat ihn im 7. Monat besucht.

Grafik: So soll der humaniode Roboter Roboy einmal aussehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein kleiner Roboterjunge erobert die Welt: So soll der humanoide Roboter einmal aussehen. Awtec AG, Zürich

Auf der Homepage des «Roboy»-Projektes wird schnell klar: Hier zählt jeder Rappen. Noch fehlen rund 200‘000 Franken, um den Roboter fertig zu bauen. Crowdfunding heisst das Zauberwort: Wer möchte, kann sich finanziell an dem Projekt beteiligen. Als Gegenleistung kann man Roboy für Anlässe ausleihen und den Namen oder das Firmenlogo auf der Oberfläche eingravieren lassen. Für 5‘000 Franken kommt der Star-Roboter sogar in der Firma vorbei.

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Menschliche Roboter

In unserer alternden Gesellschaft sollen Serviceroboter vermehrt in Spitälern, Altersresidenzen, aber auch zuhause eingesetzt werden. Da sie uns dereinst durch den Alltag begleiten könnten, sollen sie uns in Bewegungen, Interaktion und  Aussehen so ähnlich wie möglich sein. Damit befassen sich Forscher der «Soft Robots», der weichen Roboter.

Die Zeit drängt. Am 9. März 2013 soll Roboy am Weltkongress «Robots on Tour» in Zürich Robotikfans aus der ganzen Welt präsentiert werden. «Wir sind sehr zuversichtlich und positiv überrascht, dass trotz der Wirtschaftslage so viele Firmen in Innovation und Technologie investieren», sagt Rolf Pfeifer, seit 25 Jahren Leiter des Labors für Künstliche Intelligenz der Universität Zürich (AI Lab).

Die Proportionen eines Kindes

Seit dem Startschuss im Juni 2012 arbeiten verschiedene Teams aus Industrie und Forschung am Körper Roboys: Kopf, Armen, Beine, Steuerung – der Technologietransfer ist enorm. Der Oberkörper mitsamt den Armen des 130 cm grossen Roboters ist bereits montiert, zurzeit werden die ersten Bewegungen einprogrammiert. Die kindliche Grösse ist laut Projektleiter Adrian Burri bewusst gewählt: «Wir wollen einen sympathischen Roboter bauen».

Schnüre aus Kunststoff imitieren die Sehnen des menschlichen Körpers. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schnüre aus Kunststoff imitieren die Sehnen des menschlichen Körpers. AI Lab Universität Zürich

Sympathisch soll Roboy auch durch seine Bewegungen werden. Er ist ein sogenannter «soft robot», ein Roboter, der sich fast so weich und elegant bewegen soll wie ein Mensch. Bisher werden die meisten Roboter durch Motoren in ihren Gelenken bewegt, was ihnen die typischen steifen Gesten verleiht. Roboys Gelenke jedoch werden über Kunststoffsehnen gesteuert, welche die Knochen des künstlichen Skeletts miteinander verbinden. Elektromotoren ziehen und verkürzen die Sehnen und imitieren so, zusammen mit elastischen Federelementen, die Muskelbewegung im menschlichen Körper. Später wird Roboy auch mit einer künstlichen Haut überzogen werden.

Vorgänger-Roboter  «ECCE»

Roboter Ecce Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: An Ecce probierte Roboter-Entwickler Rolf Pfeifer die künstlichen Sehnen erstmals aus. AI Lab Universität Zürich

Mit dem Vorläufer-Roboter «Ecce» hat Projektinitiator Rolf Pfeifer das Konzept der künstlichen Sehnen über die letzten Jahre erforscht. Die Quintessenz daraus fliesst nun in den Roboy ein. Sein Ziel ist «eines Tages mehrere Roboys zu bauen und an andere Forschungseinrichtungen zu verteilen. Der Roboy ist der Startschuss für eine längere Forschungsanstrengung in humanoider Robotik», sagt Burri. 

Dafür schicken seine Entwickler Roboy als Botschafter in die Welt. Er soll die breite Öffentlichkeit für die Thematik Robotik sensibilisieren und vor allem die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Robotik aufzeigen. «Open source» ist Teil dieser Öffentlichkeit: Sämtliche Entwicklungsschritte werden laufend im Internet publiziert. Konstruktionsdaten, elektronische und mechanische Komponenten, Steuerungsprogramme sollen nach der «Robots on Tour» publiziert werden. So soll das Know-how weltweit interessierten Personen und Institutionen zugänglich gemacht werden.

Die Projektzeit  von 9 Monaten ist sehr ambitiös und Neuland für alle Beteiligten. Es bleibt spannend, ob die Entwicklungszeit für ein Menschenkind auch für den Roboterjungen reicht. 

Video

Roboter auf dem Vormarsch

4:40 min, vom 15.6.2011

3 Kommentare

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    • , Rüschlikon

      Mittwoch, 19.12.2012, 13:02

      Diese Roboter sehen schon niedlich aus. Es gibt aber, wie immer bei neuen Entwicklungen, das Gegenteil. Schaut euch mal diese Modelle an: http://www.bostondynamics.com/robot_petman.html Da fehlt nicht mehr viel, bis diese mit Waffen ausgerüstet umherlaufen oder Attentate ausführen können.

    • , Dietikon

      Dienstag, 18.12.2012, 19:09

      Völlig falsche Richtung, was hier suggeriert wird.

    • , Kontinentaleuropa

      Montag, 17.12.2012, 19:00

      Solange diese Roboter eingesetzt werden um unterstützungsbedürftigen Menschen das Leben zu erleichtern und nichts fürs Militär ist dies meines Erachtens ein Fortschritt.