Sex-Roboter: Forscher leisten Widerstand

Serienreife Sex-Roboter werden offenbar in Kürze auf den Markt kommen. Schon vor Jahren vorgestellt, provozieren die mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Maschinen jetzt heftigen Widerstand. Ethiker warnen: Humanoide Sex-Roboter gefährden unser Miteinander.

Mann mit Roboter Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Nicht nur Sex-Spielzeug, sondern Gefährtin»: Entwickler Douglas Hines präsentierte seinen Roboter im Januar 2010. Keystone

Sie hat einen Herzschlag. Ihre Haut fühlt. Sie teilt die Interessen ihres Gegenübers – und das Bett mit ihm. Die lebensgrosse Frau ist ein intelligenter Sex-Roboter – entwickelt von der US-amerikanischen Firma True Companion. Ihren ersten öffentlichkeitswirksamen Auftritt hatte der Prototyp bereits vor fünf Jahren auf der Adult Entertainment Expo (AEE) in Las Vegas.

Auf der Website des Herstellers ist die Maschine für Liebesdienste bestellbar und wird mit einer Lieferzeit von zwei bis drei Monaten angegeben. Ob sie bis heute tatsächlich in Haushalten Einzug gehalten hat, ist nicht bekannt.

Inzwischen arbeiten mehrere Unternehmen an solchen Robotern. Dass humanoide Maschinen nicht nur am Arbeitsplatz eine Hilfe sein können, sondern zunehmend im privaten Bereich Bedeutung gewinnen, haben Kinofilme wie «Her» oder «Ex Machina» in den vergangenen Jahren vor Augen geführt. Beide erzählen Geschichten, in denen Menschen Gefühle für Wesen mit künstlicher Intelligenz entwickeln. Zurück bleibt die Frage, ob Bewusstsein tatsächlich urmenschlich ist – und ein ungutes Gefühl.

Konferenz zu Sex-Robotik verboten

Die Sex-Roboter, die laut mehrerer Berichte kurz vor ihrer Serienauslieferung stehen sollen, lösen dieser Tage heftigen Wiederstand aus. Malaysia hat etwa eine Konferenz zum Thema «Love and Robotics» verboten. Das ganze Event sei lächerlich und abnormal, echauffierte sich ein Polizeisprecher an einer Medienkonferenz. Und: «Ich warne die Organisatoren.»

1 Roboter, zwei Menschen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Ex Machina»: Reine Technik und doch attraktiv. Der Film wirft grundsätzliche Fragen um künstliche Intelligenz auf. Universal Pictures Schweiz

Deutlich grundsätzlicher geht nun ein Konsortium um die Robotik-Ethikerin Kathleen Richardson gegen die Bestrebungen der Industrie vor. In einem Papier vom September 2015 zieht die Wissenschaftlerin der De Montfort University in Leicester, England, Parallelen zwischen der Entwicklung von Sex-Robotern und Prostitution.

Noch 2006 hatte David Levy – ein professioneller Schach-Spieler, der sich mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt – in seinem Buch «Sex, Love and Robots» eine Zukunft gezeichnet, in der Maschinen auch in Liebesdingen zu Partnern an unserer Seite werden könnten. Er hatte Sex-Robotern das Potenzial zugeschrieben, Prostitution einzudämmen.

Dagegen erheben Kathleen Richardson und Co. Widerspruch. In ihrem Positionspaper schreiben sie: «Es gibt bereits eine Reihe künstlicher Produkte im Bereich Sex: Sex-Puppen, Vibratoren, Gummi-Puppen usw. Würde ein künstlicher Ersatz den Bedarf an käuflichem Sex verringern, müsste die Prostitution zurückgegangen sein. Ein solcher Zusammenhang ist nicht erkennbar.» Im Gegenteil: Zahlen zeigen, dass nie zuvor mehr Frauen in der Sex-Industrie gearbeitet haben – und ein immer grösser werdender Anteil an Männern für Sex bezahlen.

Empathie geht verloren

Das Konsortium will Informatiker und Ingenieure davon abbringen, derartige Produkte weiterzuentwickeln. Ihre ethischen Bedenken: Ähnlich wie die Prostitution zerstöre Sex mit Robotern ein gesundes Verhältnis zur Sexualität. Eine sexuelle Beziehung zu einem intelligenten Roboter sei fern von einer gesunden Beziehung, die auf Gegenseitigkeit beruhe. Empathie gehe verloren, Abstumpfung sei die Folge.

Japan warnt

Prozessoren, Wärme-Sensoren, Spracherzeugungs-Software, Latex – die neuartigen Gespielinnen sind ein rein technisches Produkt. Sobald sie sich aber auf ihr Gegenüber einstellen können, dazulernen und dem Menschen immer ähnlicher werden, beginnt die Grenze zwischen Objekt und Wesen zu verschwimmen.

Roboter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sexuelle Handlungen verboten – Hersteller Softbank warnt beim Verkauf seines Roboters «Pepper». Keystone

Gerade im Land, das als besonders aufgeschlossen gegenüber Robotern gilt, ist man sich des Potenzials für sexuelle Aktivitäten bewusst geworden – und warnt. Ein japanischer Roboter-Hersteller bringt einen Hinweis an seinem humanoiden Service-Roboter namens «Pepper» an, der auf menschliche Mimik und Gestik reagiert. In der Gebrauchsanweisung heisst es: Nutzer dürften «keine sexuellen Handlungen oder anderes unanständiges Verhalten» mit den Geräten anstellen.

Sendungen zu diesem Artikel

  • SRF 1 15.11.2015 11:00

    Sternstunde Philosophie
    Mensch, Roboter! Wenn Maschinen zu denken beginnen

    15.11.2015 11:00

    Die meisten Roboter beherrschen, was ihr Erfinder ihnen einprogrammiert: Sie machen Fliessbandarbeit, übersetzen Texte, waschen kranke Menschen. Der Roboter Myon hingegen lernt wie ein kleines Kind durch Nachahmen. Barbara Bleisch trifft ihn in der Sternstunde Philosophie.

  • SRF 1 09.11.2015 22:25

    ECO
    Wenn Roboter Menschen ersetzen

    09.11.2015 22:25

    Roboter werden immer effizienter und dringen in immer mehr Bereiche unseres Lebens vor. Dadurch sind auch viele Arbeitsplätze in Gefahr. US-Ökonomen warnen, dass die Mittelklasse besonders davon betroffen ist. «ECO» zeigt, wer von der Automatisierung profitiert und wer auf der Strecke bleibt.