Neu im Kino «Despicable Me 3»: 80er-Revival mit Gru, Dru and nothing to do

Vokuhila-Frisur, Synthesizer-Sound und Neonfarben-Look – der herrlich peinliche Schurke von «Despicable Me 3» verkörpert die 80er wie kein Zweiter. Der Rest des Films ist leider nur halb so groovy.

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Keine 3 Minuten: «Despicable Me 3»

Über die Handlung muss man im Grunde nur drei Dinge wissen. Erstens: Der griesgrämige Glatzkopf Gru hat einen blonden Zwillingsbruder namens Dru. Letzterer will den kahlen Filmhelden dazu animieren, einen Diamanten zu stehlen.

Zweitens: Der Edelstein ist derzeit in Besitz von Bösewicht Balthazar Bratt, der in den 1980er-Jahren mal ein TV-Star war. Mit Schnauz und Schulterpolstern wirkt er inzwischen wie ein Witz. Doch wehe, wer seine Disco-Moves und Kaugummi-Blasen unterschätzt!

Drittens: Die Minions werden Gru untreu und suchen ihr Glück auf eigene Faust. Auf ihrer Odyssee landen die Kopffüssler mal im Knast, mal in einer Casting-Show. Die reinste Beschäftigungstherapie.

Das kryptischste Zitat

Jubelnde Minions. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Minions haben Grund zum Feiern: Ihr Bekanntheitsgrad liegt bei sagenhaften 95 Prozent. Universal

«Bidopata-Milomila-Takatiki-Punética-c’est-pas-la-joie-de-Nidoca-Lanamuné-Macarena!» So beginnt der einäugige Minion Stuart im Film seine Gesangs-Performance bei der Casting-Show Sing. Was der rätselhafte Text wohl bedeuten mag?

Das Esperanto der Minions hat seinen ganz eigenen Reiz, selbst wenn man nur Fetzen versteht. Beim Wort «Macarena» werden zum Beispiel Erinnerungen an den gleichnamigen Sommerhit des spanischen Musikduos Los del Río wach, zu dem in den 90ern die ganze Welt tanzte.

Das Regie-Duo

Das Regie-Duo Kyle Balda & Pierre Coffin posieren auf der Premiere mit einem Minion. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gemeinsam sind wir stark! Die Regisseure Kyle Balda und Pierre Coffin posieren mit dem Minion Stuart. Reuters

Was beim Drehen von Realfilmen immer noch selten vorkommt, ist beim Kreieren von computeranimierten Trickfilmen schon fast Standard: zwei Regisseure. Bei «Despicable Me 3» heissen sie Kyle Balda und Pierre Coffin.

Die beiden haben schon einmal gemeinsam Regie geführt: bei «Minions», dem erfolgreichen Ableger der vermeintlich unverbesserlichen Filmserie. Fast noch bekannter als Coffins inszenatorisches Geschick ist seine Stimme. Der gebürtige Franzose spricht nämlich jeweils den geheimnisvoll vieldeutigen Text der gelben Schwerenöter.

Fakten, die man wissen sollte

Marco Rima im Tonstudio bei der deutschen Synchronisation des Animationsfilms. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Marco Rima gibt bei der deutschen Synchronisation den sympathischen Quoten-Schweizer. Universal

Was den Amerikanern die Deutschen, sind den Deutschen die Schweizer: merkwürdige Aussenseiter mit starkem Akzent. So gibt es in der Originalfassung von «Despicable Me 3» einen Butler namens Fritz, den englischsprachige Zuschauer sofort als Deutschen identifizieren.

Für die deutsche Synchronfassung wurde Fritz kurzerhand von einem Schweizer vertont: dem Komiker Marco Rima. Nach gleichem Muster war man schon bei den «Simpsons» vorgegangen: Der ursprünglich deutsche Austauschschüler Uter mutiert in der Synchronfassung zum urchigen Eidgenossen.

Das Urteil

Miesepeter Gru staunt über die Haarpracht seines blonden Zwillingsbruders Dru. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Miesepeter Gru staunt über die Mähne seines blonden Zwillingsbruders Dru. Universal

Eigentlich geht es in «Despicable Me» ja um Langfinger Gru, der nun im dritten Teil zum ersten Mal auf seinen Zwilling Dru trifft. Aber die Musik – man ahnt es – machen einmal mehr die Minions. Die legen sich erneut ganz schön ins Zeug, auch wenn sie längst nicht mehr die Frischesten sind.

Seit ihrer Kinopremiere vor sieben Jahren ist viel passiert: Unter anderem sind sie inzwischen selbst zu Titelhelden avanciert. In «Despicable Me 3» müssen die Minions dagegen wieder ins zweite Glied zurücktreten. Welch Unterforderung für die rastlosen Racker!

Die Haupthandlung rund um Gru und Dru nimmt derweil nie wirklich Fahrt auf. Zu zahm ist der Bruderkonflikt, zu vorhersehbar seine Entwicklung. Richtig lachen kann man nur, wenn Grus Gegenspieler Bratt das Parkett zum Breakdance-Battle betritt: Böser kann man die 80er kaum durch den Kakao ziehen.

Kinostart: 6. Juli 2017