Im Kino: «The Great Wall» Warum die Chinesische Mauer wirklich gebaut wurde

«The Great Wall»: Das grösste Bauwerk der Welt ist das Story-Fundament für Hollywoods grösste Koproduktion mit China.

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Im Kino: «The Great Wall»

1:58 min, vom 11.1.2017

China im Mittelalter. Ein amerikanischer und ein spanischer Söldner, gespielt von Hollywood-Grösse Matt Damon und Serienstar Pedro Pascal, werden von einer chinesischen Elite-Armee gefangen genommen.

Die Soldaten sind die Wächter der Chinesischen Mauer. Seit 60 Jahren bereiten sie sich darauf vor, das Land vor den fiesen Tao Tie zu schützen. Das sind keine nomadischen Reitervölker, sondern menschenfressende Mini-Godzillas.

Als man sich gerade der ausländischen Schmuddel-Söldner entledigen will, greifen die Tao Tie-Monster unerwartet an. Statt die Männer in den Kerker zu sperren (weil der Wärter gerade den Schlüssel nicht findet), nimmt man sie mit auf die Mauer.

Während des Gefechts erweisen sich die Bleichgesichter mit ihren westlichen Kampf-Tipps und Tricks als grosse Hilfe in der Schlacht gegen die grünen Viecher und man beschliesst die stinkenden Ausländer sogar in die rausgesputzte Edel-Armee aufzunehmen.

    • 1.
      Das beste Zitat
      chinesische Schauspielerin Tian Jing Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Standhaft wie die Mauer selbst. Kommandantin Lin (Tian Jing) Universal

      «Vertrauen». Die Kommandantin der Mauer erklärt einem der Söldner, was zwischen ihnen nicht herrscht.

    • 2.
      Der Regisseur
      Video «Das ist Zhang Yimou» abspielen

      Das ist Zhang Yimou

      1:30 min, vom 11.1.2017

      «The Great Wall» wurde komplett in China gedreht, mit einem Heer von echten Statisten, statt die Meute computeranimiert auf die Leinwand zu pinseln. Für solche aufwendigen Film-Sets braucht es einen Meister der Choreografie. Das ist Starregisseur Zhang Yimou. Er ist sowas wie der Steven Spielberg von China. Bekannt ist er vor allem für seine historischen Fantasy-Spektakel «Hero» oder «House of Flying Daggers». «The Great Wall» trägt deutlich Zhang Yimous Handschrift. Prächtige Kostüme in Verbindung mit ästhetischer Action, sowas gibt es in Hollywood wenig zu sehen.

    • 3.
      Fakten, die man wissen sollte
      Menschen in Kostümen Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Einmal bitte recht skeptisch. Universal

      Mit einem Budget von über 150 Millionen Dollar ist «The Great Wall» das teuerste Zusammenspiel der Kinogrossmächte China und USA. Mit solchen Koproduktionen möchten die Vereinigten Staaten noch mehr Geld aus dem Reich der Mitte schöpfen. Laut dem «Hollywood Reporter» wurden Chinas Kinokassen 2016 zu rund 44% mit Einnahmen aus ausländischen Filmen gefüllt, viele davon aus den USA. Das ehemalige Kaiserreich ist für Hollywood also ein wichtiger Goldesel. Dafür beugen sich die Studios auch gerne mal vor der einen oder anderen Zensurbestimmung, oder ändern Originalgeschichten zum chinesischen Gusto um. Für den Superheldenfilm «Iron Man 3», drehte man extra eine chinesische Fassung mit chinesischen Stars und Produktplatzierungen. Koproduktionen wie «The Great Wall» sollen einen Trend setzen und das Ost und West Publikum gleichermassen ins Kino locken. In China, wo der Film bereits läuft, spielte «The Great Wall» bereits satte 160 Millionen Dollar ein.

    • 4.
      Das Urteil
      Mann mit Pfeil und Bogen Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Ein Film mit Spannung. Universal

      Bricht man die Geschichte auf den Kern herunter, dann geht es um zwei verlorene Gauner, die bei den chinesischen Edel-Kriegern lernen, dass wahrer Reichtum nicht das egoistische Streben nach Geld ist, sondern das selbstlose Handeln zum Wohle einer Gemeinschaft. Eine Story, die mehr nach sozialistischer Propaganda klingt, statt nach kulturübergreifender Toleranz. Aber keine Bange. Auf die Moral kommt es sowieso nicht an. Menschen und grüne Schlabberschleim-Monster jagen und meucheln sich in einem so hohen Tempo durch den gesamten Film, dass die Meinungen und Denkweisen der Figuren so wichtig sind, wie ein Sandkorn in der Wüste. Was dafür umso deutlicher haften bleibt, ist die eindrucksvolle asiatische Action-Kunst. In «The Great Wall» verschmelzen Blockbuster-Struktur mit fernöstlicher Kinokultur. Ein Film für’s Auge - und zum vergessen.

Kinostart: 12.01.2017