Dok-Serie «Geboren am ...» Das war 1954: Krim-Transfer, Putsch in Guatemala und Godzilla

Im Jahre 1954 wird der Zirkusdirektor Franco Knie geboren. Das Jahr ist weltpolitisch unruhig, kulturell auch skurril. Die Übersicht.

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Jahresrückblick 1954 (Tagesschau vom 30.12.1954)

19 min, vom 29.6.2017

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die CIA putscht in Guatemala gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Arbenz. Es ist die erste grosse Aktion der CIA in Lateinamerika. Weitere werden folgen.
  • Die Kernenergie scheint 1954 das Allheilmittel für die Energieversorgung zu sein. Der Film «Godzilla» thematisiert die ungeahnten Gefahren.
  • In der Sowjetunion übergibt die Russische SFSR die Halbinsel Krim an die Ukrainische SSR. Diese Übergabe sorgt 60 Jahre später bei der Annexion der Krim durch die Russische Föderation immer noch für Konflikte.
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«Geboren am ...»

Historische Ereignisse unter einer Lupe

SRF

In der Sommerserie «Geboren am…» erzählen wir Geschichten von Menschen, die eines verbindet: Sie kamen am gleichen Tag zur Welt. Jede Folge zeigt drei Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten. «Geboren am...»:

Ein Putsch fürs Portemonnaie

Die USA unterstützen 1954 einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Guatemals, Jacobo Arbenz Guzmán. Ähnlich wie in Iran ein Jahr zuvor, ist die CIA die treibende Kraft hinter dem Umsturz. Der US-Auslandsgeheimdienst unterstützt die Putschisten um Oberst Carlos Castilo Armas mit Waffen, Geld, Informationen und Training.

Der Grund für den Putsch: Arbenz Guzmán setzt eine Landreform durch, die landlosen Bauern zu Grundbesitz verhilft. Die grossen Verlierer sind die US-Firma United Fruit Company und weitere Grossgrundbesitzer.

US-Aussenminister John Foster Dulles und sein Bruder und CIA-Direktor Allen Dulles arbeiteten früher als Anwälte für die United Fruit Company. Sie überzeugen Präsident Eisenhower davon, dass Guatemala im Begriff ist, in das Lager der Sowjetunion zu wechseln und Arbenz Guzmán gehen muss.

Guatemala bleibt bis 1996 eine Militärdiktatur. In dieser Zeit werden zwischen 140'000 und 250'000 Menschen Opfer des Militärs oder staatlicher Todesschwadronen. Die USA unterstützen die Militärs mit Geheimdienstinformationen, Waffen und politischer Legitimität auf internationaler Ebene.

Atomenergie als Segen – Strahlung als mythische Strafe

Filmstill aus dem Film «Godzilla» aus dem Jahre 1954. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Godzilla, das prähistorische Monster aus den Tiefen des Meeres, legt Tokio in Schutt und Asche. Keystone

Mitte der 1950er-Jahre ist eine Blütezeit des Atomzeitalters: Ende Januar 1954 läuft das erste atombetriebene U-Boot in den USA vom Stapel. Mitte des Jahres geht in Obninsk, circa 100 Kilometer von Moskau entfernt, der erste zivile Atomreaktor ans Netz.

In Japan läuft 1954 ein Film in den Kinos, der das Grauen eines Nuklearkrieges und die unvorhersehbaren Konsequenzen für Mensch und Natur thematisiert: Godzilla. Das Ungeheuer aus der Tiefe wurde durch Nukleartests im Meer gestört und rächt sich dafür an der Menschheit.

Ereignisse 1954 – Ein Jahr in Bildern

Immer Ärger mit der Krim

Das Präsidium des Obersten Sowjets beschliesst 1954 die Übergabe der Krim von der Russisch Föderativen Sozialistischen Sowjetrepublik an die Ukrainisch Sozialistische Sowjetrepublik. Offiziell begründet durch die engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen der Krim und der Ukraine. Die Krim ist 1944 nach den Massendeportationen von etwa 1.1 Millionen Krimtataren mehrheitlich von ethnischen Russen bewohnt.

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Sendungshinweis

Die Folge von «Geboren am…» mit Franco Knie wird am Mittwoch, 9. August um 20:05 auf SRF1 gezeigt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es Unabhängigkeitsbestrebungen im Westen der Ukraine. Mit der Angliederung der Krim an die Ukraine, leben in diesem sowjetischen Teilstaat auf einen Schlag mehr als 750'000 ethnische Russen. Die politische Führungsriege versucht so, die Ukraine wieder näher an Russland zu binden.

Bei der Annexion der Krim 2014 durch Russland, stellt die russische Regierung die Rechtmässigkeit dieser Gebietsübergabe im Jahre 1954 in Frage, obwohl die Russische Föderation die Grenzziehung zwischen Russland und der Ukraine beim Zusammenbruch der Sowjetunion akzeptierte.

Das sind die Oscars 1954

Schauspielerin Audrey Hepburn Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schauspielerin Audrey Hepburn gewinnt an der Oscarverleihung 1954 den Preis als beste Hauptdarstellerin. Keystone

Bei den Oscarverleihungen 1954 räumt das Soldatendrama «Verdammt in alle Ewigkeit» gross ab. Der Film erhält acht Goldstatuen aus 13 Nominierungen. Darunter die Auszeichnung für den besten Film, beste Regie (Fred Zinnemann), beste Nebendarstellerin (Donna Reed) und Frank Sinatra holte sich seinen ersten Oscar als bester Nebendarsteller.

Als beste Hauptdarstellerin wird die damals 24-jährige Audrey Hepburn ausgezeichnet für ihre Rolle in «Ein Herz und eine Krone». Für sie ist 1954 ein unglaubliches Jahr: Neben dem Oscar gewinnt sie den Golden Globe und einen Tony Award für ihre Bühnenarbeit im Stück «Ondine». Im September 1954 heiratet sie ihren ersten Ehemann, den amerikanischen Schauspieler Mel Ferrer, auf dem Bürgenstock in der Innerschweiz.

Die Hitparade von 1954

Vico Torriani mit Schallplatten in den Händen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sänger und Entertainer Vico Torriani steht zu Beginn des Jahres 1954 einen Monat an der Spitze der Hitparade. Keystone

Der Schweizer Sänger und Entertainer Vico Torriani hat anfangs 1954 einen Hit mit dem Song «Granada». Das Original des Songs ist eigentlich für Orchester und einen Tenor geschrieben. Doch einige populäre Entertainer adaptieren den Song, so zum Beispiel auch Frank Sinatra.

Die Adaptation des Goethe-Gedichts «Heideröslein» von Friedel Hensch hielt sich ganze drei Monate an der Spitze. Schlagerhits, die mit Polkarhythmen angereichert sind, erfreuen sich 1954 grosser Beliebtheit: «Wir, wir, wir haben ein Klavier» von «Whiskys und ein Soda» oder der «Wodka-Fox» von Hans-Arno Simon sind Beispiele dafür.

Wohl in keinem Hit des Jahres traf die Furcht vor der atomaren Zerstörung auf Lebenslust und Ironie wie im Hit «Am 30. Mai ist der Weltuntergang» des Polka-Königs Will Glahé:

«  Am 30. Mai ist der Weltuntergang,
wir leben nicht mehr lang.
Doch keiner weiss in welchem Jahr
und das ist wunderbar.
Wir sind vielleicht noch lange hier
und darauf trinken wir. »

«Am 30. Mai ist Weltuntergang»

Der Skandal des Jahres

Schauspielerin Marilyn Monroe während den Dreharbeiten zu «The Seven Year Itch» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Dreharbeiten zum Film «The Seven Year Itch» werden zum Massenspektakel. Imago/ United Archives International

Im September 1954 dreht Marilyn Monroe in New York den Film «Das verflixte siebente Jahr». Die Szene über dem Lüftungsschacht der U-Bahn inszeniert Regisseur Billy Wilder als Massenspektakel mit hunderten Schaulustigen. Er erhofft sich davon Gratis-PR.

Die Rechnung Wilders geht auf, jedoch schreien sich Monroe und ihr damaliger Ehemann, Baseball-Legende Joe DiMaggio, nach dem Dreh in der Hotellobby an. Die Anfang 1954 geschlossene Ehe steht von Beginn an unter einem schlechten Stern. DiMaggio ist kontroll- und eifersüchtig und seine katholische Erziehung kollidiert mit freizügigen Angewohnheiten der Monroe. Im Oktober reicht Marilyn die Scheidung ein.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 09.08.2017 20:05

    Geboren am
    Geboren am 8. September 1954 – mit Franco Knie

    09.08.2017 20:05

    Die 1950er-Jahre. Es gibt Fernsehen, Coca Cola, Sissi und Elvis. Drei Menschen, geboren am 8. September 1954, erzählen ihre Lebensgeschichte. Wie ist es, wenn man in eine Zirkusfamilie hinein geboren wird? Davon erzählt Franco Knie.