Preisregen für Schweizer Kunst und Design

Gleich 29 Werke wurden vom Bundesamt für Kultur mit dem «Swiss Art Award» und dem «Swiss Design Award» prämiert. Beide Awards zählen zu den wichtigsten Preisen der Branche. Die ausgezeichneten Exponate sind derzeit in einer Ausstellung neben der Kunstmesse Art Basel zu sehen.

29 Gewinnerinnen und Gewinner – auf den ersten Blick wirkt das nach Kulturförderung mit der Giesskanne. Doch der Eindruck täuscht. Früher gab es viel mehr Preisträger. Im Bereich Kunst wurden nur neun Preise verliehen, der Rest sind Design-Awards. Beim Design unterscheiden sich die Sparten stark: Produktedesign kann schlecht mit Szenographie verglichen werden, darum gibt es hier 20 verschiedene Preisträgerinnen und Preisträger.

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Schweizer Kunstpreise

Die Arbeiten der Gewinnerinnen und Gewinner sowie der Teilnehmenden der zweiten Runde der Kunst- und Designwettbewerbe sind – parallel zur Art Basel – in den Ausstellungen «Swiss Art Awards 2015» und «Swiss Design Awards 2015» zu sehen, die heute Abend eröffnen.

Sperrige Kunst ist hoch im Kurs

Wer wagt, gewinnt – das gilt für fast alle Werke in der Sparte Kunst. Ganz besonders für das Video der Performerin Julia Geröcs. Darin sind vier Frauen zu sehen, die vom Kulturaustausch berichten und sich dabei in frappanten Widersprüchen verheddern. In einer Szene bringt sie eine komplexe Tanzchoreographie zum Verzweifeln. Überfordert von der interkulturellen Begegnung stirbt ihr Anspruch zuletzt. Scheitern als Performance, von Julia Geröcs klug inszeniert. Zugänglich für all diejenigen, die genügend Zeit und Musse mitbringen.

Vieles ist komplex – im besten Sinne. Nur vorbeischlendern bringt nichts; man muss sich vertiefen in diese Kunst. Das trifft auch auf die Arbeit eines weiteren Preisträgers zu: Gilles Aubry ist mit einer ziemlich komplizierten Sound-Installation vertreten. Eine Recherche über die Archivierung traditioneller Musik in Marokko Ende der 50er Jahre. Gilles Aubry hat in Marokko Musiker von damals getroffen. Durch Aubrys Arbeit erfahren wir, wie deren Musik durchs Archivieren kategorisiert und dabei teilweise falsch interpretiert wurde. Die Aussage ist klar: Archivierung bewahrt nicht nur, sie prägt, was sie vorgibt, objektiv zu bewahren.

Vergoldete Kleiderständer und andere schauderhaft schöne Objekte

Schneller zugänglich sind die prämierten Objekte aus dem Bereich Produktdesign: Die filigranen Schalen von Julie Richoz oder die Schmuckstücke von Pia Farrugia, die billige Elemente in Schmuck verwandelt. Beide Designerinnen gehen mit ihren Arbeiten über die Kategorie Produktdesign hinaus; bei beiden geht es um weit mehr als nur um industrielle Fertigung.

In lebhafter Erinnerung werden auch die schauderhaft schönen Gegenstände von Mélodie Mousset bleiben. Eines ihrer Objekte sieht aus wie ein vergoldeter Kleiderständer, an dem Organe hängen. Ein Bild, das sich einprägt.

Die Gewinner des «Swiss Art Award»

Kunst

Mathis Altmann (1987, lebt und arbeitet in Zürich)
Gilles Aubry (1973, lebt und arbeitet in Berlin)
Andreas Dobler (1963, lebt und arbeitet in Zürich)
Gilles Furtwängler (1982, lebt und arbeitet in Lausanne)
Julia Geröcs (1978, lebt und arbeitet in Zürich)
Tobias Kaspar (1984, lebt und arbeitet in Rom)
Mélodie Mousset (1981, lebt und arbeitet in Los Angeles und Lausanne)
Jessica Pooch (1982, lebt und arbeitet in Berlin und Zürich)
Yves Scherer (1987, lebt und arbeitet in New York und Berlin)
Architektur
Conen Sigl Architekten (Maria Conen, 1979, und Raoul Sigl, 1978, leben und arbeiten in Zürich)
Vermittlung
Nadine Wietlisbach (1982, lebt und arbeitet in Luzern)

Die Gewinner des «Swiss Design Award«

Fotografie
Cyril Porchet (1984, lebt und arbeitet in Lausanne)
Elena Rendina (1985, lebt und arbeitet in London)
Jean-Vincent Simonet (1991, lebt und arbeitet in Lausanne)
Joël Tettamanti (1977, lebt und arbeitet in Lausanne)
Grafikdesign
Giliane Cachin (1990, lebt und arbeitet in Lausanne)
Anna Haas (1982, lebt und arbeitet in Zürich)
Winfried Heininger (1962, lebt und arbeitet in Baden)
Louis Lüthi (1980, lebt und arbeitet in Amsterdam)
Mauro Paolozzi (1975, lebt und arbeitet in Zürich)
Pascal Storz (1980, lebt und arbeitet in Berlin)
Mediation
Nina Paim (1986, lebt und arbeitet in St. Gallen)
Mode- und Textildesign
Sandro Marzo (1986, lebt und arbeitet in Münchenstein)
Isabelle Mayer (1988, lebt und arbeitet in Frick)
Mikael Vilchez (1990, lebt und arbeitet in Aire-la-Ville)
Produkte und Objekte
Pia Farrugia (1984, lebt und arbeitet in Genf)
Julie Richoz (1990, lebt und arbeitet in Paris)
Brynjar Sigurðarson (1986, lebt und arbeitet in Lausanne)
Szenografie
Magda Willi (1978, lebt und arbeitet in Berlin)

Sendung: Kultur Kompakt, 15. Juni 2015, SRF 2 Kultur, 17.10 Uhr