Adolf Muschg – ein grosser Geist erhält den Grand Prix Literatur

Der Schriftsteller Adolf Muschg hat sich nie aufs Schreiben beschränkt. Er sieht es als seine Bürgerpflicht, sich einzumischen. Das tut er mit Leidenschaft. Streitbar ist Muschg gern. Ein Preis für ein reiches Lebenswerk.

Mann im schwarzen Pulli. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Preisträger freut sich, über das «Krönchen» auf seinen «nicht mehr silbernen, sondern schwindenden Haaren». SRF

Mit dem Grand Prix Literatur ehrt der Bund jedes Jahr ein oder mehrere Schweizer Schriftsteller oder Übersetzer mit 40'000 Franken für ihr Lebenswerk. Im Unterschied zum Schweizer Buchpreis wird der Grand Prix Literatur an Literaturschaffende aus allen vier Sprachregionen der Schweiz verliehen.

Für Muschg gibt es kein Gesamtwerk

Die Jury nennt als Grund für die Preisvergabe Adolf Muschgs nationales und internationales Renommée, sein breites Werk und seine Stellung als bedeutender Germanist. Muschg sagt dazu, dass es für ihn ein Lebens- oder Gesamtwerk real nicht gäbe. Jedes Buch, dass man anfange, sei ein neues, man stehe als Anfänger davor, und wenn das Buch einen Sinn habe für einen selbst, dann der, sich überraschen zu lassen.

Eine Krone für das schwindende Haar

Der Preis sei kein Ansporn, denn «bei einem Süchtigen braucht es keinen Ansporn dieser Art. Ich würde auch schreiben, wenn ich nicht gedruckt würde.» Jedoch: « ... mit 81 hat man nicht mehr so viel Zukunft vor sich, man muss die Zeit breit machen, und was noch des eigenen Weges kommt, muss jetzt kommen. Das hat man offenbar in Bern auch so gesehen, und hat auf meine nicht mehr silbernen, sondern schwindenden Haare, ein Krönchen gesetzt.»

Die Freiheit des Menschen

Adolf Muschg ist ein kultur- und gesellschaftspolitisch engagierter Schriftsteller. In der Schweiz wohl der wichtigste nach Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. In seinen Romanen und Erzählungen stellt er immer wieder die Frage: Wie kann sich der einzelne Mensch befreien aus Prägungen durch Herkunft, Kindheit und Gesellschaft? Diese Frage durchzieht unter anderem Muschgs Gesamtwerk – und für ebendieses wird er mit dem Grand Prix Literatur 2015 des BAK ausgezeichnet.

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Adolf Muschgs wichtigste Werke

  • «Kinderhochzeit» (2008)
  • «Der rote Ritter, Eine Geschichte von Parzival» (1993)
  • «Das Licht und der Schlüssel» (1984)
  • «Gottfried Keller» (1977)
  • «Albissers Grund» (1974)
  • «Im Sommer des Hasen» (1965)

Adolf Muschgs literarisches Hauptwerk ist der Parsifal-Roman «Der rote Ritter». Dieser Roman zeigt exemplarisch, wie Muschg den Gegenwartsbezug immer über Umwege herstellt, über historische Stoffe. Ein lebenslanges Thema von Muschg ist auch das Fremde, das er vor allem am Beispiel Japans erlebt und studiert.

Europa und die Schweiz

Neben seiner literarischen Tätigkeit war Adolf Muschg schon immer engagiert als Intellektueller und Citoyen. Ab 1970 lehrte er drei Jahrzehnte lang deutsche Sprache und Literatur an der ETH. Ausserdem stammt die Präambel der heutigen Bundesverfassung von ihm. Muschgs besondere Aufmerksamkeit gilt der Entwicklung Europas, das er sich ohne die Schweiz nicht vorstellen kann.

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7 Kommentare

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    • , 8493 Saland

      Freitag, 20.02.2015, 07:24

      Für mich ist Herr Muschg eher ein Alt68 der linken Ideologien nachhängt, aber sicher kein Freigeist. Ein Freigeist würde sagen! Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. Bei Herr Muschg fühle ich eher das Gegenteil. Das zeigt mir wieder mal, dass sich die Kulturszene gerne selber feiert.

    • , Orpund

      Freitag, 20.02.2015, 07:20

      Adolf Muschg ist vorallem ein links-intellektueller Schriftsteller, der die Schweiz, mit ihrer einmaligen freiheitlichen Direktdemokratie, bei jeder sich bietenden Gelegenheit (Auftritten) kritisiert! Für die "Einen" also ein "Rebell" und für die "Anderen" ein Halbgott der Literaturwelt! Dass (wie schon immer) gerade solche "Dauerkritiker", die sich vor realen Fakten in einer EU (oder früher in einer UdSSR) nicht beeindrucken lassen, den "Grand Prix Literatur" erhalten, ist somit verständlich!

    • , UdonThani

      Freitag, 20.02.2015, 03:01

      Herr Muschg, ein Europa ohne die Schweiz ist tatsächlich nicht vorstellbar - aber eine EU ohne die Schweiz ist ein MUSS. Schauen Sie aus dem Fenster!