«Wasserstadt»: Ein aktueller Jugendroman, inspiriert von Gotthelf

Der Schweizer Schriftsteller Franco Supino hat sein erstes Jugendbuch «Wasserstadt» geschrieben. Drei Teenager verbringen einen Sommer auf der Suche nach ihrem Lebensentwurf. Das Buch dürfte in vielen Schulzimmern landen.

Visualisierung eines neuen Wohngebietes an einer künstlichen Flussschaufe aus der Vogelperspektive. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Visualisierung eines Wohngebiets an einer künstlichen Flussschlaufe: «Wasserstadt» bezieht sich auf dieses Projekt. Wasserstadt Solothurn/Herzog & de Meuron

«Wasserstadt», der Titel des Buches bezieht sich auf ein Bauprojekt im Westen der Stadt Solothurn. An einer neuen, künstlich angelegten Flussschlaufe der Aare soll ein Wohngebiet entstehen. Auf dem Areal der ehemaligen Stadtdeponie, einem der teuersten Sanierungsstandorte der Schweiz.

Für Franco Supinos Jugendroman ist das Areal der geplanten Wasserstadt Schauplatz und Symbol. Symbol für die grundlegende Frage nach Wertvorstellungen der Gesellschaft und jedes einzelnen.

Drei Jugendliche: Ani, Elson und Züsi

Der Solothurner Schriftsteller Franco Supino. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Solothurner Schriftsteller Franco Supino. ZVG

Supino stellt diese Frage anhand der Geschichte dreier Jugendlicher: Ani, Elson und Züsi. Sie kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern. Anis Eltern sind wohlhabend, leben in Trennung – und Ani zieht mit ihrem Vater vorübergehend in ein Wohnhaus, in dem sie Elson kennenlernt. Seine Familie kommt aus Brasilien – er ist ein sensibler, schüchterner Junge. Heimlich beobachtet er Züsi, ein junges Mädchen, das mit seinem Vater auf einer Mülldeponie in der Nähe lebt.

Die drei Teenager kämpfen mit unterschiedlichen Problemen: Ani sehnt sich nach Anerkennung und Zuneigung – ein modernes Mädchen, das auf Facebook und in Chatrooms daheim ist. Elson ist zwischen seiner Heimat Brasilien und der Schweiz hin- und hergerissen – und Züsi lebt schon jetzt, in jungen Jahren, das Leben einer patenten Haus- und Geschäftsfrau.

Ein gemeinsamer Sommer

Als sich die drei kennenlernen, gehen sie zaghaft aufeinander zu – und stellen fest, dass sie einander helfen und unterstützen können. Sei es bei Problemen mit den Eltern, bei Erfahrungen mit der ersten Liebe, bei der Bedrohung von einer Jugendbande, vor allem aber beim Entdecken der eigenen Persönlichkeit.

Ani, Elson und Züsi verbringen einen gemeinsamen Sommer und werden dabei mit grundsätzlichen Fragen konfrontiert: Mögen mich die anderen, auch wenn ich mich verändere? Was ist mir wirklich wichtig? Wie viel hat materieller Besitz damit zu tun? Was gibt mir Rückhalt?

Inspiration von Jugendlichen – und Gotthelf

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Buchhinweis

Franco Supino: «Wasserstadt. Träume, Geld und Wirklichkeit», Kwasi-verlag, 2013. Ab 14 Jahren

Franco Supino erzählt die Geschichte aus der Perspektive der drei Jugendlichen. Das macht den Roman authentisch. Abgesichert hat sich Supino dabei mit Feedbacks von Jugendlichen, die das Manuskript laufend gegengelesen und kommentiert haben. Die Sprache von «Wasserstadt» zeichnet sich aus durch kurze, klare Sätze. Weniger literarisch als direkt aus dem Alltag.

Inspirieren liess sich Supino aber nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von Jeremias Gotthelf und dessen Themen wie Gewinnsucht, Raffgier und Konsum.

Damit ist Franco Supino mit «Wasserstadt» ein Jugendroman gelungen, der aktuelle Themen behandelt, gleichzeitig aber auch Themen aufgreift, die die Menschen schon lange beschäftigen. Ein Buch, das bestimmt in vielen Schulzimmern gelesen werden wird.