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Schweizer Musikpreise Freuden-Jutz von Nadja Räss: Gewinnerin des Grand Prix Musik 2026

Sie jodelt mit grosser Präsenz: Der Grand Prix Musik geht in diesem Jahr nach Einsiedeln im Kanton Schwyz und zum ersten Mal an eine Künstlerin der Schweizer Volksmusik. Mit Nadja Räss wird eine wegweisende Sängerin, Vermittlerin und Pädagogin ausgezeichnet.

«Ein Baum, der tiefe Wurzeln hat, kann auch viele Früchte tragen.» In der Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln, mit der heimischen Musiktradition, findet Nadja Räss ihre Stimme als Musikerin.

Person mit Brille und Schal ruft vor schneebedecktem Berg.
Legende: Der Grand Prix Musik 2026 geht an die Jodel-Professorin Nadja Räss. Für sie hat das Jodeln etwas Verwurzelndes und Verbindendes. Keystone/AP Photo/Michael Probst

Neben traditioneller Volksmusik mit namhaften Musikerinnen und Musikern, wie Markus Flückiger und Willi Valotti, singt Nadja Räss in interkulturellen Projekten – etwa im Trio mit der Finnin Outi Pulkkinen und der Ukrainerin Mariana Sadovska. Oder sie gibt dem Jodeln frischen Drall, auch im Werk «Dorothea», einer Kantate für Solojodel, Männerchor, Orgel und Streichorchester.

«Wenn ich gross bin, werde ich Jodlerin!»

Sie jodelt schon als kleines Kind im Kanton Schwyz und früh steht für sie fest: «Wenn ich gross bin, werde ich Jodlerin!» Nadja Räss studiert klassischen Gesang an der Zürcher Hochschule, auch aus dem Grund, dass es eine Hochschulausbildung in der Volksmusik, im Fach Jodeln, noch nicht gab.

Damals wusste sie noch nicht, dass sie die erste Jodel-Professorin der Schweiz werden würde. Heute leitet sie den Fachbereich Volksmusik an der Hochschule Luzern und ist eine wichtige Vermittlerin dieses Schweizer Kulturguts.

Der erste Grand Prix für die Volksmusik

Preise sind Nadja Räss nicht unbekannt: 2014 gewinnt sie den Prix Walo, 2015 den Kultur-Anerkennungspreis des Kantons Schwyz, 2016 einen der sieben Schweizer Musikpreise und 2025 den Goldenen Violinschlüssel. Nun aber ist sie die erste Gewinnerin des Grand Prix Musik aus der Schweizer Volksmusik. Geht damit Druck oder Verantwortung einher?

«Es ist bestimmt eine gewisse Erwartung da, aber man wird ja auch ausgezeichnet für das, was schon war. Ich sehe den Grand Prix Musik als Ansporn, und gerade die vergangenen paar Jahre sind einige grosse Dinge passiert für den Jodel, zum Beispiel das Labeling als Unesco-Weltkulturerbe.»

Das gebe dem Jodel, der Volksmusik mehr Sichtbarkeit. «Da machen wir weiter und das bin ja nicht nur ich. Ich habe zwar diesen Preis gewonnen, aber da steht eine ganze Szene dahinter.»

Das jodelnde Klassenzimmer

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Eine besondere Herzensangelegenheit für Nadja Räss ist «Das jodelnde Klassenzimmer», das Strukturen sucht, das Jodeln nachhaltig ins Schweizer Bildungssystem zu integrieren. Das Projekt ist im Rahmen des Unesco-Labelings entstanden. «Das ist jetzt noch ein ganz kleines Pflänzchen, aber ich sage bei jeder Gelegenheit: Wenn ich dann mal auf dem Sterbebett liege, hatte jedes Kind während der Schulzeit mal Kontakt zum Jodeln, zu unserer Volkskultur», sagt Nadja Räss.

Wir Menschen brauchen Wurzeln

«Gerade in dieser schnelllebigen Zeit brauchen wir Wurzeln und die kann man in der eigenen Kultur finden. Und ich als Jodlerin muss schon sagen, im Jodel findet man sie besonders gut. Man spürt sich so gut, wenn man singt und es hat was unglaublich Verbindendes.»

Für Nadja Räss ist der Grand Prix Musik eine Ehrung und ein Ansporn, noch tiefer in die eigene Stimme einzutauchen. Mit 47 Jahren gewinnt sie den Preis für ihr Lebenswerk. Was in ihrer Karriere alles noch kommt, weiss sie jetzt noch nicht. «Ich würde herzensgern auch Wirtin sein, vielleicht bin ich irgendwann in ferner Zukunft die jodelnde Wirtin.»

Bodenständig wie sie ist, wird ein Teil des Preisgeldes der 100'000 Schweizer Franken in ihre Altersvorsorge investiert, die meisten Musikerinnen und Musiker seien ja nicht von Anfang ihrer Karriere auf Rosen gebettet. Dann möchte sie sich damit Freiraum zum Üben, Tüfteln, Ausprobieren schaffen. Und gleichzeitig singt, vermittelt und unterrichtet Nadja Räss mit so viel Leidenschaft, dass dieser Preis ganz klar zurück ins Jodeln fliessen wird.

Alle Musikpreis-Ausgezeichneten 2026

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Esther Hoppe: Die 48-jährige Geigerin aus Zug ist eine Teamplayerin: Schon früh gründet sie ein Klaviertrio, spielt viel Kammermusik – neben ihrer Solo-Karriere. Stets reflektiert sie, was die Komponisten in ihren Werken aussagen wollen – und wie sich das auf dem Instrument in Klang umsetzen lässt. Ihr Geigenspiel ist stets klar und ehrlich – und diese Haltung gibt sie als Professorin für Violine am Mozarteum Salzburg an die jüngere Generation weiter. Heute ist sie als künstlerische Leiterin der Camerata Zürich angekommen: als Teamplayerin, als primus inter pares. (Jenny Berg)

Ensemble ö!: In den Bündner Bergen beheimatet, blickt das Ensemble ö! seit nunmehr über 20 Jahren über den musikalischen Tellerrand hinaus. Das Ensemble mit 13 Mitgliedern spezialisiert sich seit seiner Gründung durch David Sontòn Caflisch im Jahr 2002 auf die Aufführung zeitgenössischer Musik. Und auf konsequent kuratierte Programme. Das Ensemble ö! tritt schweiz- und europaweit auf. (Oliver Rutz)

Patricia Draeger: Mit ihrem Instrument, dem Akkordeon, nur Schweizer Volksmusik zu spielen? Das hat Patricia Draeger nie interessiert. Schon früh streckte sie ihre Fühler aus in Richtung anderer Volksmusiken, aber auch in Richtung Jazz und zeitgenössischer Musik. Um sich spätestens mit Ala Fekra, ihrem Austausch-Projekt mit Schweizer und Ägyptischen Musikern, ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu spielen. Dort ist sie seither präsent, mit eigenen Bands und als Begleiterin anderer Grenzgängerinnen und Grenzgänger wie Marcela Arroyo, Albin Brun oder Corin Curschellas. (Jodok Hess)

Ruedi Häusermann: Seit Jahrzehnten erfindet der Lenzburger Regisseur und Klarinettist feingesponnene Musiktheaterabende, unterlegt mit einem ganz eigenen zarten Klanggewebe. Voller Heiterkeit und Poesie bevölkert er seine Szenerien mit skurrilen Figuren. Präzise, zeitlos und immer mit einem Hauch von Nostalgie verzaubert er mit hintersinnig leichtfüssigem Ton das Alltägliche. (Gabrielle Weber)

Louis Schild: «Als grenzenloser Improvisator und Klang- und Raumkünstler verteidigt Louis Schild entschlossen eine andere Art zu leben und zu schaffen.» So begründet die Jury den Schweizer Musikpreis, den sie an Louis Schild vergibt. Musikalisch oder auch allgemein lässt sich der Neuenburger Musiker nicht schubladisieren. Zu finden ist er irgendwo zwischen musikalischer Innovation und der Reflexion gesellschaftlicher Themen. (Oliver Rutz)

Flèche Love: Heilung, Spiritualität und kulturelle Identität sind für Amina Cadelli kreative Triebfedern. Geprägt von ihrer Genfer Kindheit und ihrem algerisch-amazighischen Erbe singt die 36-Jährige mehrsprachig und verarbeitet Einflüsse aus verschiedenen Kulturen. Nach einer Ausbildung in klassischem und barockem Gesang sowie einem Studium der Ethnologie und Religionswissenschaften entwickelt sie mit ihrem Soloprojekt «Flèche Love» eine eigenständige künstlerische Sprache, in der sie Gesang, Tanz und Meditation zu einer multimedialen Erfahrung verwebt. (Annina Salis)

Domi Chansorn: Zwischen spielerischer Hingabe und klanglicher Wucht entfaltet Domi Chansorn eine unverwechselbare musikalische Sprache. Komponierend, produzierend und eine Vielfalt an Instrumenten beherrschend, überschreitet Domi Chansorn mühelos Genregrenzen und arbeitet mit Künstlerinnen und Künstlern wie Sophie Hunger, Bonaparte, Fred Frith und Colin Vallon zusammen. Das Schlagzeug steht dabei im Zentrum des Schaffens von Domi Chansorn und treibt die Suche nach musikalischem Tiefgang und Ausdruckskraft an. (Luca Koch)

Spezialpreise Musik 2026

Café Bar Mokka: Ein Thuner Planet, wo Subkultur ihr Zuhause fand. Wer einmal hier war, wird sie nie vergessen: die unzähligen, gesammelten und liebevoll arrangierten Bilder, Figuren und Kunstobjekte, mit denen der 2016 verstorbene Pädu Anliker (aka MC Anliker) das Mokka Thun gestaltete. Doch auch programmatisch und kulturpolitisch ist das Mokka Thun einzigartig. (Roman Hošek)

Intakt Records: Musikhaus für Jazz und grenzüberschreitende Musik, Zürich (ZH). Das Intakt-Label zählt nicht nur zu den wichtigsten Jazzlabels der Schweiz, sondern vereint auch zahlreiche internationale Acts unter seinem Dach – und das seit 40 Jahren. Voraussetzung dafür sind konsequente Arbeit und ein klares Bekenntnis zum eigenen musikalischen Profil. (Roman Hošek)

La Via Lattea: Die 2004 vom Tessiner Komponisten Mario Pagliarani gegründete musikalische Pilgerreise «La Via Lattea» verbindet Musik mit Theater, Literatur oder Film. Im Dialog mit der Natur und charakteristischer Architektur erstrecken sich die thematischen Klangbegehungen über mehrere Etappen. An immer neuen Orten entstehen so einzigartige Hörerlebnisse im Einklang mit der spezifischen Landschaft. (Gabrielle Weber)

Radio SRF 4, News, 4.6.2026, 11:00 Uhr

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