Die Geschichte ist in den Briefen von Maja, Albert Einsteins jüngerer Schwester, überliefert. Die Familie lebte 1895 in Italien und suchte angesichts des damals in Zeitungen beschriebenen «aussergewöhnlich heissen Sommers» in der Poebene nach Abkühlung.
Einsteins Sommerferien in Airolo (mit dt. Untertiteln)
Airolo bot sich für die Sommerferien an – ein Ort, der nach dem verheerenden Dorfbrand von 1877 dank der neu eröffneten Gotthardbahn und der Einführung der elektrischen Beleuchtung zu neuem Leben erwacht war.
Die alpine Metamorphose
In Airolo geschah im Leben des jungen Albert etwas Unvorhergesehenes. Onkel Jakob Koch, der Bruder von Einsteins Mutter Pauline, bemerkte es sofort: Albert veränderte sich innerhalb weniger Tage. Der schweigsame, introvertierte Junge schien verschwunden. An seiner Stelle stand ein gesprächiger, unbeschwerter 16-Jähriger.
Was war der Grund für diese Wende? Darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht die wiedergefundene Stabilität nach turbulenten Jahren. Vielleicht auch die klare Bergluft und die langen Spaziergänge in der Leventina. Oder alles zusammen. Fakt ist: Wenige Monate später schrieb Einstein an den Ingenieur Galileo Ferraris, um Kontakt zur ETH Zürich aufzunehmen. Damit begann die Reise, die unser aller Bild vom Universum verändern sollte.
Die geheimen Reisen
In den folgenden Jahren überquerte Einstein oft die Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Seine Briefe an seine damalige Kommilitonin und spätere Ehefrau Mileva Marić belegen dies. Zwischen Oktober 1900 und Frühjahr 1901 schrieb er ihr regelmässig aus Italien.
Der jugendliche Einstein (mit dt. Untertiteln)
1900 segelte er auf dem Lago Maggiore. Am 5. Mai 1901 besuchte er Como. In einem Brief entschuldigte er sich bei Mileva, dass er sie nicht in Lugano getroffen hatte – vermutlich wollten sich beide auf halbem Weg zwischen Zürich und Mailand sehen. Das Tessin war für Einstein mehr als eine Durchgangsstation. Es verband sein italienisches Familienleben mit seinem Schweizer Studium.
Das Tessin in den Jahren des Ruhms
Auch später blieb die Verbindung bestehen. 1914 schrieb Einstein, dass seine Frau mit den kranken Kindern im Hotel Beau Rivage in Locarno sei – sie brauchten Sonne. Im selben Brief kritzelte er Formeln: Heilung und Wissenschaft, Familie und Physik, alles vermischt wie im Leben.
1915, mitten im Ersten Weltkrieg, sorgte er sich um die Lage des Tessins, das von Italien umgeben war. 1920 besuchte einer seiner Söhne das Tessin mit seiner Schule. 1925 schliesslich erkannte Einstein die Bedeutung des Vertrags von Locarno für den Frieden in Europa.