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Alternativer Zugang Lerncoaches helfen – doch die Kosten tragen die Familien

Lerncoaches unterstützen Schülerinnen und Schüler mit Herausforderungen. Doch die Kosten bleiben an den Familien hängen.

Charlie (15) erhielt kurz vor Ende der Sekundarschule die Diagnose Legasthenie. Seit einigen Monaten arbeitet er mit Lerncoach Paola Cichellero zusammen. Sie soll ihm dabei helfen, sein Ziel zu erreichen: eine Lehre als Zeichner oder Bauingenieur.

«Ich komme alle zwei Wochen hierher – und es funktioniert», sagt Charlie gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (RSI). «Ich habe gelernt, Mindmaps zu nutzen, mich zu orientieren und meinen Alltag besser zu organisieren.»

Porträt von Coach und Schüler (dt. Untertitel):

Lerncoach Paola Cichellero beschreibt ihre Rolle so: «Wir sind Spezialistinnen und Spezialisten für das Lernen.» Je nach Ausbildung arbeiteten sie mit neurodivergenten Jugendlichen – etwa mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, ADHS oder Hochbegabung.

Ihr Fokus liege nicht auf dem Inhalt des Stoffs, sondern auf dem Zugang dazu: «Wir entwickeln Strategien, die den individuellen Voraussetzungen entsprechen und möglichst viel Autonomie ermöglichen.» Das sei ausdrücklich etwas anderes als herkömmlicher Nachhilfeunterricht.

In der Schweiz ist das Berufsbild noch jung. Entsprechend locker sind Lerncoaches im öffentlichen Bildungswesen eingebunden. Ihre Ausbildungen etwa sind in verschiedenen Kantonen unterschiedlich organisiert. Schulen arbeiten teilweise mit ihnen zusammen, doch ein offizieller Rahmen fehlt. Die Kosten müssen die Familien denn auch selbst tragen.

Das findet Charlies Mutter Chantal Norton problematisch: «Charlie brauchte Instrumente, die wir als Eltern ihm nicht geben können. Solch ein Angebot sollten alle nutzen können, die es brauchen, unabhängig von ihrer finanziellen Lage.»

«Wir haben bislang keine Rechtsgrundlage, um Lerncoaches anzuerkennen, auch wenn wir ihre Arbeit schätzen», sagt Mattia Mengoni, Leiter der Abteilung für Sonderpädagogik beim Kanton Tessin, im Interview mit RSI. Er gibt zu bedenken, dass die bestehenden pädagogischen Dienste einen Teil dessen, was Lerncoaches tun, bereits leisteten. Mengoni schliesst aber nicht aus, dass Lerncoaches künftig stärker integriert werden im Bildungssystem: «Mit mehr Erfahrungen und Daten können wir künftig eine fundierte Bewertung vornehmen.»

Zurück im Büro von Cichellero: Charlie steht am Whiteboard, wo er seine persönliche Checkliste ausfüllt – ein Instrument, das ihm hilft, im Schulalltag den Überblick zu behalten. Heute kennt er sie auswendig. Doch um diese Struktur zu entwickeln, brauchte es Monate der Beobachtung und viel Fachwissen.

«Zum Glück bin ich hierhergekommen», sagt Charlie. «Jetzt weiss ich, wie man lernt. Vorher war ich verloren. Jetzt bin ich organisiert.»

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RSI, «Il Quotidiano», 18.03.2026, 19:00 Uhr

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