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Belästigungsfälle Beleidigungen und Sexismus: Es brodelt in Neuenburgs OP-Sälen

Eine Untersuchung über das Arbeitsklima in den Spitälern des Kantons Neuenburg bringt desolate Zustände ans Licht. Beschimpfungen und sexistische Ausfälle sind an der Tagesordnung.

Schreie, Beschimpfungen, Erniedrigungen und Tränen gehören in den Operationssälen des Neuenburger Spitalnetzwerks (RHNe) offenbar zum Alltag. Dies geht aus einer bisher vertraulichen Untersuchung hervor, die vor über einem Jahr durchgeführt wurde und die jetzt dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) vorliegt.

Zum Bericht gehört auch eine schwarze Liste, die separat an die Führungsorgane des RHNe übermittelt wurde. Darauf befinden sich rund dreissig Namen, unter anderem jene leitender Ärzte, Oberärzte und Klinikchefs.

Alles über den Bericht im Video (mit deutschen Untertiteln)

Die Durchführung der Untersuchung war im Frühling 2025 angekündigt worden, ebenso ein «Programm für Korrekturmassnahmen». Zum Ausmass und zur Art der Probleme gab es damals jedoch keine genaueren Angaben.

Der jetzige Bericht ist ernüchternd: Nach der Anhörung von rund 100 der 300 Angestellten, die den Operationssälen zugeteilt sind, sieht der Bericht «ein schädliches Arbeitsklima, in dem verbale und zwischenmenschliche Gewalt üblich ist». Nur eine Minderheit der Befragten zeigt sich mit dem Arbeitsklima zufrieden.

«Abscheulich», «beleidigend» oder «herabwürdigend»

Am besten ist das Klima noch in La Chaux-de-Fonds – am schlimmsten in Neuenburg, konkreter im Spital Pourtalès. Dort sind drei der bekanntesten Chirurgen des RHNe beschäftigt – und sie stehen auch an der Spitze der schwarzen Liste. Das heisst, ihre Namen wurden von den Befragten am häufigsten genannt im Zusammenhang mit Verhalten, das als belästigend und sexistisch empfunden wurde. Es fallen Beschreibungen wie «abscheulich», «beleidigend» oder «herabwürdigend».

Blick durch ein rundes Fenster auf ein OP-Team in einem Operationssaal.
Legende: Blick in den Operationssaal eines Schweizer Spitals (Symbolbild) KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Beschuldigten scheinen zudem unantastbar zu sein. «Es wird sich nichts ändern, denn sie bringen dem Spital viel Umsatz und stehen der Direktion nahe», sagt eine mit den Verhältnissen betraute Person gegenüber RTS, die anonym bleiben will. Mehrere Beschwerden über das Verhalten von Kadermitgliedern sollen in den vergangenen Jahren ohne Folge geblieben sein. Auch gebe es Angst vor Repression.

Verbale Belästigung an erster Stelle

Gemäss dem Bericht stellen verbale Belästigungen das Hauptproblem dar. Zwischen einigen Kadermitgliedern und den Pflegeteams soll es heftige Spannungen geben. Teilweise grüsse man sich nicht mehr. Es wird von einem «allgemeinen Mangel an Wertschätzung» berichtet. Der Leidensdruck am Arbeitsplatz sei gross, Fälle von Burn-out und Kündigungen seien die Folge davon.

Auch sexuelle Belästigung wird im Bericht immer wieder genannt. 30 Prozent der Befragten sollen davon betroffen sein. Die Bevorzugung von jungen und hübschen Frauen sei Realität. «Wenn Sie etwas mollig und in den Wechseljahren sind, werden Sie beiseitegeschoben und schlecht behandelt», sagte eine Zeugin. Oft werde das weibliche Personal auch mit «cocotte» (Schätzchen) angesprochen. Neuzugänge würden als «Jungfrauen» bezeichnet.

Nur ein Teil der beschuldigten Chirurgen sieht dieses Verhalten als problematisch an. Andere finden, dass «es auch mal erlaubt sein müsse, zu lachen». Die Verantwortung über Leben und Tod am Operationstisch führe zu einer gewissen Abstumpfung.

Was die Spitaldirektion zu den Vorwürfen sagt

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Die Direktion des Spitalnetzwerks Neuenburg (RHNe) hat dem gesamten Personal eine «Verhaltens-Charta» zukommen lassen. Darin wird eine «Nulltoleranz gegenüber jeglicher Form von Belästigung» vorgeschrieben.

Auf Anfrage von RTS präzisiert die Direktion, weitere Massnahmen seien ergriffen worden oder befänden sich in Vorbereitung. «Man kann den Wandel einer so stark verankerten Kultur nicht von heute auf morgen vollziehen», sagt Philippe Eckert, der Präsident des Verwaltungsrats.

Auf den im Untersuchungsbericht erhobenen Vorwurf, die am stärksten beschuldigten Kadermitglieder müssten keine Konsequenzen befürchten, entgegnet Eckert: Es habe sich nicht um eine Disziplinaruntersuchung gehandelt. Aber er habe sich persönlich engagiert, um die Verantwortlichen zurechtzuweisen. «Verbesserungsziele wurden festgelegt und eine Nachverfolgung ist sichergestellt», berichtete Eckert. «Falls nötig werden wir weitere Massnahmen ergreifen.»

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RTS 19h30, 18.6.2026, 19:30 Uhr; herb

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