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Brisantes Datenleck Wenn Radiologen mehr verdienen als ein Bundesrat

Luxusgehälter, Boni, Expansionsdrang: Interne Dokumente geben Einblick ins Geschäftsmodell des grössten Radiologie-Anbieters der Westschweiz, der auch in der Deutschschweiz auf dem Vormarsch ist.

Ende April haben Hacker interne Dokumente der Radiologie-Gruppe 3R gestohlen. Ihr gehören 18 Praxen in der Westschweiz, und sie beschäftigt etwa 60 Ärzte.

Die gestohlenen Dateien sind über eine Drittperson dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) übermittelt worden (vgl. Box). Sie ermöglichen es erstmals, ein sehr rentables Geschäftsmodell von innen heraus zu dokumentieren – und das in einem Bereich, dessen Einnahmen gemäss einem der internen Dokumente zu 90 Prozent aus der obligatorischen Krankenversicherung und zu 10 Prozent aus der Unfallversicherung stammen.

Wieso RTS die gehackten Daten publizierte

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Der Datendiebstahl vom 30. April 2026 bei der Radiologie-Gruppe 3R betraf mehrere zehntausend Dokumente, über 50 Gigabyte an Daten. Die Dateien wurden einige Wochen später im Darknet veröffentlicht und sind nach wie vor online zugänglich.

RTS entschied, diese Dokumente zu analysieren, da sie Informationen von öffentlichem Interesse enthalten. Diese Arbeit wurde im Bemühen durchgeführt, die betroffenen Personen zu schützen. Informationen, die es ermöglichen, Patienten, Mitarbeiterinnen oder kleine Einheiten zu identifizieren, wurden anonymisiert.

Diese Praktiken sind nicht illegal, aber sie werfen eine politisch heikle Frage auf: Bis zu welchem Punkt sollen die obligatorischen Krankenkassenprämien die Bereicherung einer privaten Gruppe und ihrer angestellten Ärzte finanzieren?

35'000 Franken Lohn pro Monat

Die Daten von 3R enthüllen besonders hohe Vergütungsniveaus für die Ärzte der Gruppe. Gemäss diesen Daten erhalten sie zwischen 300'000 und 360'000 Franken brutto pro Jahr. Die Standortleiter erhalten zusätzlich 60'000 Franken, also bis zu 420'000 Franken.

Reaktionen zur Geschäftspraxis von 3R:

Es handelt sich hier nicht um unabhängige Radiologen, die in ihre eigene Praxis investiert haben und ein unternehmerisches Risiko eingegangen sind, sondern um Angestellte eines Unternehmens.

Die Gruppe 3R wollte sich gegenüber RTS zu den konkreten Beträgen nicht äussern. Sie präzisierte aber, dass die Gehälter «im Einklang» stünden mit denen der Branche in der Westschweiz.

Ein Bonussystem, das zur Leistung anregt?

Zu diesen Grundgehältern kommt ein Bonussystem hinzu. Wenn ein Radiologe sein Umsatzziel überschreitet, erhält er 18 Prozent des Überschusses.

Person am Computer mit medizinischen Scans auf dem Bildschirm.
Legende: Gehackte Daten geben Einblick, wie mit Röntgenbildern viel Geld verdient werden kann. RTS

In den internen Dokumenten ist dieser Fall dokumentiert: Ein Arzt rechnete im Jahr 2025 Leistungen im Wert von 3.34 Millionen Franken ab, gut eine Million mehr als sein festgelegtes Ziel von 2.25 Millionen. Zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 420'000 Franken erhielt er somit fast 197'000 Franken Bonus, also insgesamt 617'000 Franken pro Jahr. Eine Vergütung, die deutlich über derjenigen eines Bundesrats liegt (478'000 Franken).

Dieses Bonussystem wirft Fragen auf in einem so sensiblen Bereich wie der Medizin, wo die Indikation für eine Untersuchung ausschliesslich einem klinischen Bedarf entsprechen sollte. Die Gruppe 3R antwortet darauf: «Wir bestreiten entschieden, dass unsere Lohnpolitik die Vervielfachung von Leistungen in unseren Instituten fördert.»

Ein französischer Investmentfonds als neuer Mehrheitsaktionär

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Die Gruppe 3R wurde im Jahr 2000 im Wallis gegründet. Dank guter Geschäftsergebnisse übernahm sie im Verlauf der Jahre zahlreiche Praxen und wurde zum dominierenden Anbieter in der Westschweiz. 2021 gehörten ihr 12 Praxen, heute sind es rund zwanzig.

Die Gruppe befindet sich derzeit in Übernahmeverhandlungen mit zahlreichen weiteren Praxen. Seit zwei Jahren zielt die Geschäftsleitung hauptsächlich auf die Deutschschweiz ab, um sich als Marktführer des Bereichs im ganzen Land zu etablieren.

Um diese Übernahmestrategie breiter abzustützen, hat sich die Gruppe im Juni 2021 mit einem französischen Investmentfonds, Naxicap, zusammengeschlossen. Dieser wurde zum Mehrheitsaktionär.

Die Gruppe 3R ist somit nicht mehr nur ein Dienstleister für Ärzte, die Praxen besitzen. Sie ist auch zu einem Wert für Finanzanlagen geworden, der mehrheitlich von einem ausländischen Investmentfonds gehalten wird. Dieser profitiert von Dividenden, die durch eine fast vollständig durch Schweizer Krankenkassenprämien finanzierte Tätigkeit generiert werden.

Der Entscheid zur Überweisung von Patientinnen und Patienten und über die durchzuführenden Untersuchungen liege allein bei den verschreibenden Ärzten. Gemäss den Dokumenten verfolgt die Gruppe die Aktivität der verschreibenden Ärzte jedoch genau und bezeichnet sie als «Umsatzbringer».

Die Dokumente geben ausserdem Einblick in die Diskussionen im Verwaltungsrat. Da ist die Rede von Wachstum, Akquisitionen und Rentabilität. Als Prioritäten für 2026 werden genannt: «Wertschöpfung für die Aktionäre», Produktivität, Tarifoptimierung.

Die Gruppe bestreitet jede rein finanzielle Lesart ihres Modells und sie erinnert an die «sehr beträchtlichen privaten Investitionen», die nötig seien, «um Radiologie zu praktizieren und sich auf einem hohen Qualitätsniveau zu halten».

Mitarbeit: Michaël Maccabez & Philéas Authier / RTS

Diskutieren Sie mit:

RTS, 19h30, 16.6.2026, 19:30 Uhr;weds

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