Ende April haben Hacker interne Dokumente der Radiologie-Gruppe 3R gestohlen. Ihr gehören 18 Praxen in der Westschweiz, und sie beschäftigt etwa 60 Ärzte.
Die gestohlenen Dateien sind über eine Drittperson dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) übermittelt worden (vgl. Box). Sie ermöglichen es erstmals, ein sehr rentables Geschäftsmodell von innen heraus zu dokumentieren – und das in einem Bereich, dessen Einnahmen gemäss einem der internen Dokumente zu 90 Prozent aus der obligatorischen Krankenversicherung und zu 10 Prozent aus der Unfallversicherung stammen.
Diese Praktiken sind nicht illegal, aber sie werfen eine politisch heikle Frage auf: Bis zu welchem Punkt sollen die obligatorischen Krankenkassenprämien die Bereicherung einer privaten Gruppe und ihrer angestellten Ärzte finanzieren?
35'000 Franken Lohn pro Monat
Die Daten von 3R enthüllen besonders hohe Vergütungsniveaus für die Ärzte der Gruppe. Gemäss diesen Daten erhalten sie zwischen 300'000 und 360'000 Franken brutto pro Jahr. Die Standortleiter erhalten zusätzlich 60'000 Franken, also bis zu 420'000 Franken.
Reaktionen zur Geschäftspraxis von 3R:
Es handelt sich hier nicht um unabhängige Radiologen, die in ihre eigene Praxis investiert haben und ein unternehmerisches Risiko eingegangen sind, sondern um Angestellte eines Unternehmens.
Die Gruppe 3R wollte sich gegenüber RTS zu den konkreten Beträgen nicht äussern. Sie präzisierte aber, dass die Gehälter «im Einklang» stünden mit denen der Branche in der Westschweiz.
Ein Bonussystem, das zur Leistung anregt?
Zu diesen Grundgehältern kommt ein Bonussystem hinzu. Wenn ein Radiologe sein Umsatzziel überschreitet, erhält er 18 Prozent des Überschusses.
In den internen Dokumenten ist dieser Fall dokumentiert: Ein Arzt rechnete im Jahr 2025 Leistungen im Wert von 3.34 Millionen Franken ab, gut eine Million mehr als sein festgelegtes Ziel von 2.25 Millionen. Zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 420'000 Franken erhielt er somit fast 197'000 Franken Bonus, also insgesamt 617'000 Franken pro Jahr. Eine Vergütung, die deutlich über derjenigen eines Bundesrats liegt (478'000 Franken).
Dieses Bonussystem wirft Fragen auf in einem so sensiblen Bereich wie der Medizin, wo die Indikation für eine Untersuchung ausschliesslich einem klinischen Bedarf entsprechen sollte. Die Gruppe 3R antwortet darauf: «Wir bestreiten entschieden, dass unsere Lohnpolitik die Vervielfachung von Leistungen in unseren Instituten fördert.»
Der Entscheid zur Überweisung von Patientinnen und Patienten und über die durchzuführenden Untersuchungen liege allein bei den verschreibenden Ärzten. Gemäss den Dokumenten verfolgt die Gruppe die Aktivität der verschreibenden Ärzte jedoch genau und bezeichnet sie als «Umsatzbringer».
Die Dokumente geben ausserdem Einblick in die Diskussionen im Verwaltungsrat. Da ist die Rede von Wachstum, Akquisitionen und Rentabilität. Als Prioritäten für 2026 werden genannt: «Wertschöpfung für die Aktionäre», Produktivität, Tarifoptimierung.
Die Gruppe bestreitet jede rein finanzielle Lesart ihres Modells und sie erinnert an die «sehr beträchtlichen privaten Investitionen», die nötig seien, «um Radiologie zu praktizieren und sich auf einem hohen Qualitätsniveau zu halten».
Mitarbeit: Michaël Maccabez & Philéas Authier / RTS