Für viele Beizen ist die Situation derzeit anspruchsvoll. Junge Menschen gehen seltener aus, viele Vereine verlieren Mitglieder – und damit fehlt oft die Grundlage, um ein Dorfrestaurant rentabel zu führen.
Auch im Bündner Dorf Sumvitg drohte die letzte Beiz endgültig zu verschwinden. Doch dank Zita und Norbert Bass kam es anders.
36 Jahre lang hatten sie die «Cruna» geführt, bevor sie den Betrieb vor sieben Jahren an eine neue Pächterin übergaben. Als diese Ende des vergangenen Jahres aufhörte und sich niemand fand, der übernehmen wollte, entschieden die beiden kurzerhand, wieder selbst einzuspringen.
Die Beiz, die ein Dorf zusammenhält:
Wenn es nötig ist, öffnen sie sofort die Türen. Für Jassgruppen, die Jugend oder den gemischten Chor – viele im Dorf haben das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Genau das möchten Zita und Norbert den Menschen in Sumvitg bieten.
«Ich hätte nie gedacht, dass ich nach sieben Jahren wieder anfange», sagt Zita Bass gegenüber dem Radio und Fernsehen der Rätoromanischen Schweiz (RTR). «Aber die Beiz einfach schliessen lassen, das wollte ich auch nicht.»
Die Entscheidung, zurückzukehren, sei vor allem von ihr ausgegangen. Zita Bass hat ihr ganzes Leben in der Beiz verbracht. Sie ist in der «Cruna» aufgewachsen, hat erlebt, wie ihre Eltern den Betrieb jahrzehntelang führten, und übernahm später selbst bis zu ihrer Pensionierung die Verantwortung. Mit 73 Jahren steht sie nun wieder hinter dem Tresen.
Es gibt wieder einen Treffpunkt – das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Auch die Bevölkerung von Sumvitg schätzt diesen Einsatz. Eine offene Beiz bedeute für viele im Dorf mehr als nur Essen und Trinken. «Es gibt wieder einen Treffpunkt – das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl», sagt Zita Bass. Für sie ist klar: Sumvitg ohne Beiz ist kaum vorstellbar. «Unser Vater sagte schon vor vielen Jahren, dass ein Dorf ohne Beiz schlimmer sei als eines ohne Kirche.»
Im Moment gibt es keine Lösung für die Zukunft. Wie lange Zita und Norbert Bass weitermachen können, ist offen.