In einem Post auf Instagram nannte die 32-jährige Lea Blattner am Montag die Gründe für ihren Rücktritt. Im April hatte sie sich gegenüber der «Basler Zeitung» zu ihrer Homosexualität bekannt. Seither erhielt sie Hunderte Beleidigungen und Hassnachrichten, offenbar auch aus der eigenen Partei, und letzte Woche sogar eine anonyme Morddrohung.
Die EVP Schweiz verurteilt diese Angriffe. «Es schockiert mich, dass Personen solche Drohbriefe schreiben können. Das ist eine schwere Straftat», betonte François Bachmann, Vizepräsident der EVP, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Bachmann versicherte, die EVP werde ihre internen Verfahren überprüfen, um zu verstehen, wieso ein solches Signal nicht wahrgenommen wurde. Und sollte die Untersuchung ergeben, «dass es wirklich eines unserer Mitglieder war, das diesen Brief geschrieben hat – im Moment ist das nur eine Vermutung –, werden wir eindeutig Disziplinarmassnahmen in Betracht ziehen.»
Der Beitrag von RTS zum Thema (dt. Untertitel):
Lea Blattner sagte gegenüber RTS, am Anfang habe sie gedacht, dass das alles nicht so schlimm sei und sie über der Sache stehe. «Aber mit der Zeit ist es immer belastender geworden. Vor allem wegen der konkreten Drohungen, auch von Personen, die wussten, wo ich wohne. Das hat mir schlicht Angst gemacht, so sehr, dass ich Schlafprobleme bekam.»
Kein isolierter Fall
In der Schweiz ist das kein Einzelfall. Zu Angriffen auf Politikerinnen und Politiker aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gibt es zwar keine offizielle Statistik. Aber mehrere homosexuelle Gewählte berichteten schon von wiederholten Attacken.
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Die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) fordert von den politischen Parteien, insbesondere von der EVP, interne Unterstützungsangebote zu schaffen. «Im Moment eines Coming-outs geht es für eine Partei darum, ihren Mitgliedern Unterstützung zu zeigen und zuzuhören», sagt Muriel Waeger, Co-Präsidentin der LOS. «Und wenn es Hassnachrichten gibt – vor allem Briefe, die an Persönlichkeiten adressiert sind –, sie zu schützen. Bei Lea Blattner scheint das nicht der Fall gewesen zu sein.»