Der Iran ist ein grosser Markt: 90 Millionen gut ausgebildete Menschen, die zweitgrössten Erdgasressourcen der Welt und die Staatskassen gefüllt mit Ölgeld. Seit die Schweiz nach der Revolution der Mullahs 1979 Abkommen um Abkommen mit Teheran aushandelte, war im Hintergrund immer die Hoffnung auf blühende Geschäfte dabei.
Doch dann kamen die Sanktionen. Zuerst 1995 von den USA, 2006 dann von der UNO, später auch von der EU.
Woher kommt die spezielle Beziehung der freiheitsliebenden Schweiz zu diesem Regime, das so andere Werte vertritt als die ihrigen?
Der Iran will Nuklearwaffen bauen. Er will Israel vernichten. Er intervenierte in regionalen Kriegen im Irak, im Libanon, in Jemen, in Syrien. Er lieferte Drohnen an Russland, versorgte die Hamas, die seit 2025 auch in der Schweiz als Terrororganisation gilt.
Und das Mullah-Regime geht auf brutalste Weise gegen die eigene Zivilbevölkerung vor. Die Schweizer Regierung reagiert im Vergleich mit anderen Staaten jeweils zurückhaltend.
Tweet von Aussenminister Cassis aus dem Jahr 2022:
Je isolierter das Regime international wurde, desto wichtiger wurde die Schweiz. Nicht nur für Teheran, sondern auch für den Westen: Die Schweiz baute Brücken, wurde Briefträgerin. Das legitimierte die Partnerschaft mit dem Pariastaat, ohne dass ihr international gleich die Ächtung drohte.
Wie im Fall China oder Russland folgte die Schweiz im Iran jahrzehntelang dem Dogma von «Wandel durch Handel». Man muss erst hereinkommen, um Menschenrechte adressieren zu können. So argumentierte das Schweizer Aussenministerium, wenn im Inland kritische Stimmen laut wurden.
Und die Schweiz verdankt dem Iran und seiner internationalen Ächtung gleich mehrere Schutzmachtmandate. Diese verleihen der kleinen Schweiz auf dem internationalen Parkett Gewicht.
Auch der Iran profitiert: Die Beziehung zur Schweiz normalisierte die Mullahs auf internationaler Ebene und wurde entsprechend gern zur Schau gestellt.
Tweet der iranischen Botschaft in der Schweiz aus dem Jahr 2022:
Die Schweiz half dem Iran zudem aktiv beim Zugang ins Gefüge der Nationen, etwa bei der Welthandelsorganisation WTO. Das rohstoffreiche Land suchte über Jahre verzweifelt den Anschluss an die Weltwirtschaft.
2018 verschärfte US-Präsident Donald Trump die Gangart gegenüber Teheran. Er drohte allen iranischen Handelspartnern: entweder ihr handelt mit dem Iran – oder mit den USA.
Das wirkte noch schlimmer als Sanktionen: Schweizer Banken und die meisten Schweizer Firmen konnten es sich mit den USA nicht verderben.
Als Reaktion darauf schuf die Schweiz ein «Schweizer humanitäres Handelsabkommen». Dieses ermöglichte ab 2020 den Handel in eingeschränkten Segmenten wie Medizin und Lebensmittel, von den USA erlaubt. Nestlé, Novartis, Roche und Syngenta sind dabei. Aber auch hier folgte die Enttäuschung. Für die Erlaubnis der USA waren Vertragsdetails nach Amerika zu senden. Die wenigsten Unternehmen waren dazu bereit.
Tweet des Schweizerischen Aussendepartements aus dem Jahr 2020:
So hatte die Schweiz insgesamt ernüchternd wenig von ihrem zunehmend umstrittenen Iran-Engagement. Der Iran immerhin freute sich aber an der unkomplizierten, wenn auch regelkonformen Visavergabe der Schweiz für die zahlreichen iranischen Beamte, die nach Genf reisen wollen.
Dieser Text ist eine aktualisierte Version eines Swissinfo-Artikels von 2022.