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Handel und Diplomatie Der Iran und die Schweiz: Eine spezielle Beziehung

Der US-israelische Angriff auf den Iran rückt die besondere Rolle der Schweiz in den Fokus. Sie behielt ihren guten Draht zum Mullah-Regime – egal, wie dieses wütete. Doch wirtschaftlich ging das Schweizer Kalkül nicht auf.

Der Iran ist ein grosser Markt: 90 Millionen gut ausgebildete Menschen, die zweitgrössten Erdgasressourcen der Welt und die Staatskassen gefüllt mit Ölgeld. Seit die Schweiz nach der Revolution der Mullahs 1979 Abkommen um Abkommen mit Teheran aushandelte, war im Hintergrund immer die Hoffnung auf blühende Geschäfte dabei.

Männer in Anzügen und Uniformen vor schweizerischer Flagge und Soldatenreihe.
Legende: Der damalige iranische Präsident Rohani wird 2018 vom damaligen Bundespräsidenten Berset empfangen. Keystone

Doch dann kamen die Sanktionen. Zuerst 1995 von den USA, 2006 dann von der UNO, später auch von der EU.

Woher kommt die spezielle Beziehung der freiheitsliebenden Schweiz zu diesem Regime, das so andere Werte vertritt als die ihrigen?

Das iranische Regime

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Die iranische Theokratie hatte sich nach dem Sturz des Schah von Persien 1979 etabliert. Über den Präsidenten wachte der oberste Religionsführer, der am 28. Februar getötete Oberste Führer Ali Chamenei. Diesem zu Diensten stand der Wächterrat, der das Parlament kontrollierte.

Ein Repressionsapparat sorgte für Ruhe im islamischen Gottesstaat. Revolutionsgarden, Sittenpolizei und Sicherheitspolizei dämmten bis Anfang 2026 alle Ausbrüche des Unmuts im Volk brutal ein.

Iran rangierte 2025 auf dem Korruptionsindex von Transparency International auf Rang 153 von 180. Auch auf dem Demokratieindex figuriert das Land weit hinten: auf Rang 154 von 167.

Der Iran will Nuklearwaffen bauen. Er will Israel vernichten. Er intervenierte in regionalen Kriegen im Irak, im Libanon, in Jemen, in Syrien. Er lieferte Drohnen an Russland, versorgte die Hamas, die seit 2025 auch in der Schweiz als Terrororganisation gilt. 

Und das Mullah-Regime geht auf brutalste Weise gegen die eigene Zivilbevölkerung vor. Die Schweizer Regierung reagiert im Vergleich mit anderen Staaten jeweils zurückhaltend.

Tweet von Aussenminister Cassis aus dem Jahr 2022:

Je isolierter das Regime international wurde, desto wichtiger wurde die Schweiz. Nicht nur für Teheran, sondern auch für den Westen: Die Schweiz baute Brücken, wurde Briefträgerin. Das legitimierte die Partnerschaft mit dem Pariastaat, ohne dass ihr international gleich die Ächtung drohte.

Wie im Fall China oder Russland folgte die Schweiz im Iran jahrzehntelang dem Dogma von «Wandel durch Handel». Man muss erst hereinkommen, um Menschenrechte adressieren zu können. So argumentierte das Schweizer Aussenministerium, wenn im Inland kritische Stimmen laut wurden.

Und die Schweiz verdankt dem Iran und seiner internationalen Ächtung gleich mehrere Schutzmachtmandate. Diese verleihen der kleinen Schweiz auf dem internationalen Parkett Gewicht.

Auch der Iran profitiert: Die Beziehung zur Schweiz normalisierte die Mullahs auf internationaler Ebene und wurde entsprechend gern zur Schau gestellt.

Tweet der iranischen Botschaft in der Schweiz aus dem Jahr 2022:

Die Schweiz half dem Iran zudem aktiv beim Zugang ins Gefüge der Nationen, etwa bei der Welthandelsorganisation WTO. Das rohstoffreiche Land suchte über Jahre verzweifelt den Anschluss an die Weltwirtschaft.

«Roadmap» für engere Beziehungen

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Die Schweizer Patenschaft in Sachen WTO ist festgehalten in einer «Roadmap zur weiteren Vertiefung der Beziehungen» von 2016. Die Erklärung umfasst 13 Paragrafen, sie reichen von Politik und Wirtschaft über Nuklearsicherheit und Umwelt bis hin zu Landwirtschaft und Recht.

Paragraf 10 gilt den Menschenrechten. Die Passage bleibt vage. «Die Parteien erklären ihre Absicht, einen Dialog über relevante Menschenrechtsfragen wieder aufzunehmen» steht da, und dass sich Beamte zunächst über die Modalitäten dieses Dialogs unterhalten sollten.

Bekannt ist, dass die Schweiz das Festhalten Irans an der Todesstrafe regelmässig angesprochen hat, insbesondere wenn diese Jugendliche traf. Tatsächlich exekutiert der Iran jährlich Hunderte von Bürgerinnen und Bürger, die meisten durch Erhängung, darunter stets auch Minderjährige.

2025 ist die Zahl der Hinrichtungen laut Human Rights Watch sprunghaft angestiegen, auf 2167 staatlich durchgeführte Tötungen.

 2018 verschärfte US-Präsident Donald Trump die Gangart gegenüber Teheran. Er drohte allen iranischen Handelspartnern: entweder ihr handelt mit dem Iran – oder mit den USA.

Das wirkte noch schlimmer als Sanktionen: Schweizer Banken und die meisten Schweizer Firmen konnten es sich mit den USA nicht verderben.

Als Reaktion darauf schuf die Schweiz ein «Schweizer humanitäres Handelsabkommen». Dieses ermöglichte ab 2020 den Handel in eingeschränkten Segmenten wie Medizin und Lebensmittel, von den USA erlaubt. Nestlé, Novartis, Roche und Syngenta sind dabei. Aber auch hier folgte die Enttäuschung. Für die Erlaubnis der USA waren Vertragsdetails nach Amerika zu senden. Die wenigsten Unternehmen waren dazu bereit.

Tweet des Schweizerischen Aussendepartements aus dem Jahr 2020:

So hatte die Schweiz insgesamt ernüchternd wenig von ihrem zunehmend umstrittenen Iran-Engagement. Der Iran immerhin freute sich aber an der unkomplizierten, wenn auch regelkonformen Visavergabe der Schweiz für die zahlreichen iranischen Beamte, die nach Genf reisen wollen.

Dieser Text ist eine aktualisierte Version eines Swissinfo-Artikels von 2022.

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Echo der Zeit, 2.3.2026, 18 Uhr;liea

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