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Höchster Schweizer Pierre-André Page: «Geduld bis zu Wechsel in den USA»

Angesichts der angespannten Beziehungen zum wichtigen Handelspartner USA schaut sich die Schweiz vermehrt nach Alternativen um. Eine Schweizer Parlamentsdelegation, angeführt von Nationalratspräsident Pierre-André Page (SVP/FR), ist nach Kanada gereist und hat dort Premierminister Mark Carney getroffen. Thema war unter anderem die Aktualisierung des Freihandelsabkommens zwischen den beiden Ländern aus dem Jahr 2009.

«Warten auf einen Wechsel»: Auch Trump war Thema in Kanada

«Angesichts der Probleme, die mit Donald Trump aufgekommen sind, habe ich mir gesagt, dass wir dorthin gehen müssen, um andere Märkte, andere Abkommen und Kontakte jenseits der USA zu finden», sagt Page im Interview mit dem Radio und Fernsehen der Italienischen Schweiz (RSI).

Pierre-André Page, haben Sie bei Ihrem Treffen mit Premierminister Mark Carney am Dienstag bereits etwas erreicht?

Von Carney war mir seine Rede am WEF in Davos in Erinnerung geblieben, als er den Mut hatte zu sagen, was viele dachten: «Wenn du nicht am Verhandlungstisch sitzt, landest du auf der Speisekarte.» Als ich ihn jetzt darauf angesprochen habe, musste er lachen. Er verstand aber auch sofort die Bedeutung dieser Worte für uns. Ich habe ihm erklärt, dass die Schweiz kürzlich zahlreiche Verträge mit Asien unterzeichnet hat und dass wir das Freihandelsabkommen mit Kanada aktualisieren sollten. Ich glaube, wir konnten ihn dafür sensibilisieren. Unsere Botschaft ist angekommen: dass es wichtig ist, auch in der Schweiz zu investieren, und dass Kanada für uns zu einer Priorität werden kann.

Ich glaube nicht, dass es möglich ist, auf stabile Weise mit Trump zu arbeiten.
Autor: Pierre-André Page Nationalratspräsident

Wie muss das Freihandelsabkommen mit Kanada konkret aktualisiert werden?

Angehen müssen wir zum Beispiel die Frage der Doppelbesteuerung. Schwierigkeiten gibt es auch im Bereich der Landwirtschaft. Als Bauer war ich in einer guten Position, um das Thema anzusprechen. Ich habe ihm gesagt, dass wir offen sind für einen Dialog, aber dass auch Kompensationen nötig sind. Weder unsere Landwirtschaft noch die kanadische darf darunter leiden. Jetzt geben wir den Ball an das Staatssekretariat für Wirtschaft und die zuständigen Bundesräte weiter.

Haben Sie sich von Mark Carney beraten lassen, wie man mit Trump umgeht?

Nein, aber ich glaube, in Kanada sieht man das ähnlich: dass man mit ihm sprechen kann, aber zwei Stunden später das genaue Gegenteil von dem erwarten muss, was er gesagt hat. Das haben sie uns bestätigt. Für die Schweiz ist es wichtig, gute Kontakte zu den USA zu pflegen, um neue Zölle zu vermeiden. Aber ich glaube nicht, dass man langfristig auf stabile und vorhersehbare Weise mit Trump arbeiten kann. Man muss versuchen, das bereits Bestehende zu erhalten, ohne ihn zu provozieren. Bis es einen Wechsel im Präsidentenamt gibt. Ich bin vielleicht etwas direkt, aber ich halte Geduld für die wichtigste Tugend in den Beziehungen zu den USA.

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RSI, «Seidisera», 15.4.2026, 18 Uhr;weds

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