Montreal ist die zweitgrösste Stadt Kanadas, die grösste französischsprachige Stadt in Nordamerika und gilt als sportbegeistert. Dass in Montreal trotzdem keine Fussball-WM‑Spiele stattfinden, liegt laut Romain Schué, Journalist bei Radio Canada, an den Bedingungen der Fifa.
«Stadionrenovierungen, Sicherheit und so weiter hätten viel gekostet, wobei alles zulasten der Stadt gegangen wäre», sagt Schué gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Er hat zum Thema recherchiert und herausgefunden, dass die dreizehn WM-Spiele in Kanada ein bis zwei Milliarden kanadische Dollar kosten werden (rund 500 Millionen bis 1 Milliarde Franken).
Das sei ungefähr gleich viel wie bei den letzten Ausgaben der Fussball-WM. Aber die Zahl müsse im Verhältnis gesehen werden: «In Katar oder Brasilien wurden neue Stadien gebaut, in Kanada hingegen die bestehenden Stadien von Toronto und Vancouver nach den Bedingungen der Fifa renoviert.»
Die Kosten werden aufgeteilt zwischen den jeweiligen Städten und Provinzen sowie dem kanadischen Staat. «Es ist also eine extrem happige Rechnung für alle, die Steuern bezahlen», sagt Romain Schué.
Die Fifa übernehme davon nichts, stelle aber Forderungen zur Sicherheit in und um die Stadien und an den Flughäfen, entscheide, welche Gastrounternehmen in der Nähe der Stadien arbeiten dürfen, organisiere die Fanzonen. «Alle Einnahmen durch die Organisation gehören der Fifa», sagt Schué.
Das habe in der Politik, aber auch in der Bevölkerung viele verärgert.
Journalist Romain Schué über die Stimmung in Kanada:
Ein Gegenargument ist, dass die Städte von der Austragung von WM-Spielen profitieren – laut Schué war im Vorfeld die Rede von 3.8 Milliarden kanadischen Dollar (knapp 2 Milliarden Franken) an ausserordentlichen Einnahmen. Allerdings stammte die Studie, die dieser Schätzung zugrunde lag, von der Fifa selbst.
Als es darum ging, diese Zahlen zu überprüfen, «verweigerte man uns den Zugang», so Schué. Dann erklärte die Regierung der Provinz Quebec, dass die Studie jene Touristen, die ohnehin kommen, nicht berücksichtige.
Mit ausschlaggebend für Montreals Absage war laut Schué die Forderung der Fifa, dass die Stadt die vielen Festivals absage, die jeden Sommer im Zentrum von Montreal stattfinden und Hunderttausende Touristen anziehen.
Auch die US-Stadt Chicago hat sich gegen WM-Spiele entschieden, aus ähnlichen Gründen, so Romain Schué.
Die Fifa bestreitet, dass sie solche Anforderungen stellt. «Wir fordern gar nichts», sagte Gianni Infantino zum Journalisten Schué, der ihm an einem Anlass im Vorbeigehen drei Fragen stellen konnte. «Sie fordern es vielleicht nicht», sagt der Journalist Schué. «Aber alle wissen es, es steht im Vertrag.» Personen aus der Fifa hätten ihm dies in informellen Gesprächen bestätigt. Seine offiziellen Interviewanfragen hat die Fifa übrigens alle abgelehnt.
In Toronto und Vancouver, wo die kanadischen WM-Spiele ausgetragen werden, fallen die Kosten laut Romain Schué derweil höher aus als von der Fifa angekündigt. In Toronto seien es derzeit 400 Millionen Dollar für sechs Spiele statt der ursprünglich geplanten 30 bis 45 Millionen Dollar. In Vancouver über 700 Millionen statt 200 Millionen Dollar.
Bezahlt wird diese Rechnung mit Steuergeldern – obwohl die Tickets für den Grossteil der Bevölkerung unerschwinglich bleiben.
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