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Im Schiesskeller Ausflug in eine missverstandene Welt

Wie einfach ist es, legal an eine Waffe zu kommen? Und wer sind die Waffenfans in der Schweiz?

Mein Versuch beginnt im Waffengeschäft «Waffen Grischun» in Chur: Ich möchte eine halbautomatische Pistole vom Typ Glock 19 kaufen. Ganz so einfach ist das nicht: Es braucht einen Waffenerwerbsschein.

Während mein Antrag bei der Kantonspolizei geprüft wird, gehe ich auf die Suche nach den Personen, die diese Pistolen in ihrer Freizeit verwenden.

Der RTR-Reporter unterwegs in der Welt der Waffen

Meine erste Station führt mich nach Disentis zum Pistolenclub Cadi. Der Sportleiter Rico Duff ist einer der besten Pistolenschützen der Schweiz. Für ihn ist das Schiessen pure Meditation: «Ein Sport, um den Stress des Tages abzubauen. Ich bin Pazifist und würde keiner Fliege etwas zuleide tun», sagt er gegenüber dem Rätoromanischen Radio und Fernsehen RTR.

Für Vereinspräsident Herbert Wetzel geht es neben der Faszination für den Schiesssport auch darum, im Notfall sich selbst und die freie Gesellschaft verteidigen zu können.

Zwei Personen in Schutzkleidung mit Waffen in einem Schiessstand.
Legende: Gion Dosch (l.) trainiert ein Mitglied des Combat Club Grischun. RTR

Kurze Zeit später erhalte ich beim Waffenbüro der Kantonspolizei Graubünden meinen Waffenerwerbsschein. Mein Gesuch wurde bewilligt, so wie rund 800 andere im Jahr 2025 – das sind etwa zwei Waffen pro Tag. Es kann allerdings auch eine Person mehrere Gesuche einreichen.

Mit meinem Schein in der Tasche geht es weiter zum Combat Club Grischun. Hier wird dynamisch und aus der Bewegung heraus geschossen, ein bisschen so, wie man es aus Filmen und Games kennt. Die Bilder in den sozialen Medien wirken militärisch.

Aber auch das sei ein anerkannter Sport, sagt mir der Kripo-Chef Aluis Candinas, zumindest «solange alles im streng geregelten Rahmen auf dem Schiessstand stattfindet und sich niemand radikalisiert».

Was treibt diese Leute an, die mit taktischer Ausrüstung und Sturmgewehren im Schiesskeller üben? Sind das Rambos, die Krieg spielen?

Instruktor und Vereinspräsident Gion Dosch verneint vehement und zieht einen überraschenden Vergleich: Es gehe in erster Linie um eine kognitive Herausforderung. Das Training helfe ihm, komplexe Situationen zu analysieren und in Druck- und Stresssituationen ruhig zu bleiben – ähnlich wie in einer Situation mit Familie und kleinen Kindern, die gleichzeitig schreien und verschiedene Dinge brauchen.

Dosch versteht, dass die militärische Anmutung Aussenstehende irritiert: «Man sieht Bilder in den Nachrichten und verknüpft sie falsch. Wir wollen trainieren. Und ja – ein bisschen cool finden wir das natürlich auch. Da sind wir wieder kleine Jungs.»

Ich verlasse den Keller mit einem besseren Verständnis für diesen kognitiv anspruchsvollen Sport – mein neues Hobby wird das trotzdem nicht. Ich brauche auch meinen Kaufschein nicht, die Glock 19 bleibt in der Vitrine.

RTR, Clic, 26.6.2026

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