Vor vier Jahren hatten sich zahlreiche Familien in der Schweiz angeboten, um Ukrainerinnen und Ukrainer aufzunehmen, die vor dem Krieg geflüchtet waren.
Laut dem Bundesrat hat sich diese Unterbringung in mehrfacher Hinsicht als nützlich erwiesen. Sie ermöglichte eine Unterstützung der Flüchtlinge bei alltäglichen Aufgaben und war förderlich für ihre soziale, sprachliche und berufliche Integration. Dies schreibt die Landesregierung in einem Bericht im Auftrag des Nationalrats.
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Sie kommt darin zum Schluss, «dass sich die private Unterbringung auch für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen eignen würde». Das Staatssekretariat für Migration soll nun prüfen, wie dieses Modell gestärkt werden kann.
Der Waadtländer Nationalrat Jean Tschopp (SP) plädiert für Begleitmassnahmen zugunsten der Gastgeber. «Die Aufnahme stellt eine Herausforderung und eine mentale Belastung für die Familien dar», sagte er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Eine Studie der Berner Fachhochschule von 2024 habe aufgezeigt, dass es finanzielle Unterstützung und eine Begleitung der Familien brauche.
Ob sich die Unterbringung bei Privatpersonen auch finanziell für die öffentliche Hand auszahlt, bleibt gemäss dem Bundesrat offen. Der Berner SVP-Nationalrat Manfred Bühler sieht das als die Schwäche des Modells. «Eine bestimmte Anzahl von Familien zu coachen, wird viele Reisen für das Personal verursachen», sagte er gegenüber RTS. «Letztendlich wird das viel weniger effizient sein als ein gut organisiertes System in den Asylzentren.»
2015 in Freiburg eingeführt
Einige Kantone haben bereits ein System zur Aufnahme bei Privatpersonen etabliert. In Freiburg zum Beispiel besteht ein solches seit 2015. Organisiert über den Verein «Osons l'accueil» (Wagen wir die Aufnahme) sind derzeit 103 Personen bei 65 Familien untergebracht.
Laut Jean-Claude Simonet, dem Leiter des Freiburger Amts für Sozialwesen, erweist sich die Massnahme als vorteilhaft für die Integration. Die Gesellschaft sei besser geeignet als der Staat, um zum Beispiel einer Person zu helfen, eine Ausbildung zu beginnen oder eine Stelle anzutreten.
Simonet verschweigt indes nicht, dass das Modell Herausforderungen darstellt. «Diese interkulturelle Begegnung wirft zahlreiche Fragen auf», erläuterte er. «Manchmal sind diese Personen von einem sehr harten Lebensweg geprägt. Es ist unbedingt notwendig, ein offenes Ohr für die Menschen zu haben, die diese Asylsuchenden aufnehmen. Manchmal kann es schwierig sein, das darf man nicht verschweigen. Aber wenn es funktioniert, ist es wirklich ein grosser Erfolg.»