Pfeife, Lupe und charakteristischer Hut: In den vergangenen Tagen war Sherlock Holmes an verschiedenen Orten der Schweiz zu sehen.
Unter anderem war er im Schloss Lucens (VD) zu sehen. Er fuhr auf einem historischen Schiff der Piratenbruderschaft von Ouchy, wo er die Ehrenbürgerschaft des Lausanner Quartiers erhielt, reiste mit einem Belle-Époque‑Zug – und wurde sogar beim Fondue-Essen gesichtet.
So erleben Sherlock-Fans die Schweizreise (mit dt. Untertiteln):
In die Rolle des berühmten Detektivs schlüpfte allerdings kein Ermittler, sondern ein leidenschaftlicher Fan: der Brite Philip Porter, überzeugter «Sherlockian» und Mitglied der Sherlock-Holmes-Society of London. Der Verein wählte die Schweiz erneut als Ort für sein Jubiläum.
Die erste Pilgerreise der Society in die Schweiz habe bereits 1968 stattgefunden, erzählt Porter im Gespräch mit dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). «Ich sah damals einen Bericht darüber auf der BBC. Später, 1978, nahm ich selbst teil – und das hat mein Leben verändert.»
Es folgten fünf weitere Reisen durch die Schweiz. In diesem Jahr wurde für rund 60 Mitglieder eine besonders aufwendige Tour organisiert – ausnahmsweise mit Start in Lausanne.
Auf den Spuren des Detektivs
«In der Erzählung ‹Das Verschwinden der Lady Frances Carfax› schickt Sherlock Holmes Doktor Watson nach Lausanne, den letzten bekannten Aufenthaltsort der Frau», erklärt Vincent Delay, der während der Reise Doktor James Mortimer verkörpert.
«Deshalb begannen wir dort, wo uns auch die Archive der Arthur‑Conan‑Doyle‑Stiftung gezeigt wurden.» Die Teilnehmenden wählen jeweils eine Figur aus den Geschichten und tragen viktorianische Kostüme.
Die historischen Gewänder schaffen auch eine stärkere Verbindung zu Sir Arthur Conan Doyle selbst, der während seines Lebens mehrfach in der Romandie verweilte. Die Verbindung zwischen Sherlock Holmes und Schloss Lucens geht auf Adrian Conan Doyle zurück. Der Sohn des Autors rief dort das Sherlock‑Holmes‑Museum ins Leben. Heute wird das Museum von der Gemeinde getragen.
Meiringen – wo Sherlock Holmes «stirbt» und der Tourismus beginnt
Während einer Vortragsreise entdeckte Arthur Conan Doyle 1893 Meiringen und die Reichenbachfälle im Berner Oberland. Dort spielt seine Erzählung «Das letzte Problem». Darin kommt es zum berühmten Zweikampf zwischen Sherlock Holmes und Moriarty. Beide stürzen dabei in die Tiefe.
Bereits ab 1896 wurden die Schauplätze zu einem beliebten Reiseziel für Fans des Detektivs.
Auch die Mitglieder der Sherlock-Holmes-Society of London beenden ihre Reise traditionell an diesem Ort. Sie stellen dort die berühmte Szene nach. Die Gesellschaft trug 1991 zur Eröffnung des Sherlock‑Holmes‑Museums in Meiringen bei.
Ein Mythos, der weiterlebt
Bekanntlich stirbt Holmes nicht in den Fluten des Reichenbachs: Auf Drängen seiner Fans liess Conan Doyle den Detektiv später wieder auferstehen. Mehr als hundert Jahre später freut sich darüber noch immer eine Teilnehmerin der Reise, Helen Dorey: «So kann unser Spiel für immer weitergehen. Wir können uns vergnügen und uns eine Auszeit vom Alltag nehmen.»
Auch Doktor Watson – im wirklichen Leben Charles Miller – zeigt sich erleichtert: «Es ist ein wunderbares Ende, nach einer langen und traumatischen Zeit für ‹mich›, für ‹uns›. Ich bin sehr bewegt, denn nun warten viele neue Fälle auf uns.»