Am vergangenen Sonntag kam in Genf ein Motorradfahrer bei einem Auffahrunfall ums Leben. Er hatte an einer roten Ampel angehalten. Dann fuhr ein Auto mit grosser Wucht auf sein Motorrad auf.
Nach ersten Ermittlungen waren zwei Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit auf der Strasse unterwegs, die zur Ampel führte. Einer von ihnen prallte ins stehende Motorrad.
Der 1996 geborene Motorradfahrer erlag im Universitätsspital Genf seinen schweren Verletzungen. Der zwei Jahre ältere Autofahrer wurde festgenommen, wie die Genfer Justizbehörden mitteilten. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Dieser Vorfall entfacht in Genf von neuem die Debatte über den Kampf gegen diese tödlichen Rennen. Der Kommandant der Genfer Polizei, Patrick Pulh, gibt dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) einen Einblick in die Verfolgung von Raserdelikten in Genf.
Zunahme der Raserdelikte
Es sei schwierig, die Raserdelikte zu zählen. Pulh sagt jedoch, dass es eine klare Zunahme der aufgezeichneten Fälle von Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt. In der Regel seien es Männer zwischen 18 und 30 Jahren, die mit sehr leistungsstarken Autos an den illegalen Rennen teilnehmen.
Im Jahr 2025 registrierte die Polizei unter anderem eine Geschwindigkeitsüberschreitung von über 120 km/h auf einem Streckenabschnitt mit Tempo 50. Der Fahrer fuhr also etwa 180 km/h im Stadtgebiet.
Das Interview mit dem Kommandanten der Genfer Polizei:
Patrick Pulh erinnert daran, dass das Raserdelikt in der Schweiz eine Straftat ist. Eine Raserin oder ein Raser kann mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft werden. Personen, die vorsätzlich grundlegende Verkehrsregeln verletzen und damit ein hohes Risiko für schwere Unfälle oder Todesopfer eingehen, müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren rechnen. Fahrzeuge, an denen unzulässige Tuning-Umbauten vorgenommen wurden, können zudem beschlagnahmt werden.
Gemäss Pulh sind in den sozialen Netzwerken vermehrt Videos der Rennen auffindbar. Auch die Verbreitung von Aufnahmen, die illegale Strassenrennen zur Schau stellen, kann strafrechtlich verfolgt werden.
Es brauche Prävention, lautet das Fazit des Genfer Polizeichefs. Denn man müsse klar unterscheiden «zwischen dem Videospiel, der etwas romantischen Seite von Filmen wie: ‹ … denn sie wissen nicht, was sie tun›, und der Realität».