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Mündliche Kenntnisse Wie Romands mit Sprachassistenten leichter Deutsch sprechen

Einige Westschweizer Schulen setzen auf Sprachassistentinnen und Sprachassistenten aus Deutschland, um die mündlichen Deutschkenntnisse ihrer Schülerinnen und Schüler zu stärken.

Für viele junge Romands bleibt das Sprechen auf Deutsch eine grosse Herausforderung. Auch die Schulen suchen nach wirksamen Wegen, um die mündlichen Fähigkeiten zu verbessern. Einige Westschweizer Einrichtungen setzen deshalb auf Sprachassistenten aus Deutschland, die das freie Sprechen gezielt fördern.

Im Deutschunterricht rückt die mündliche Ausdrucksfähigkeit zunehmend ins Zentrum. Viele Lernende bewältigen Grammatik und schriftliche Aufgaben problemlos, haben aber Hemmungen, tatsächlich Deutsch zu sprechen.

So soll der Deutschunterricht in der Westschweiz besser werden:

Am interkantonalen Gymnasium Broye (GYB) in Payerne profitieren mehrere Klassen von einem solchen Angebot. Seit September arbeitet dort die 21-jährige Marietta Otto aus Deutschland. Sie begleitet die Klasse einmal pro Woche persönlich im Unterricht.

«Viele Schülerinnen und Schüler haben Mühe, sich auf Deutsch auszudrücken. Ein solches Programm ist sehr hilfreich. Ich bewerte nichts und erteile keine Noten. Wichtig ist: sprechen, sprechen und nochmals sprechen», sagt sie gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.

Ein Schüler ergänzt: «Es tut gut, jemand anderen zu haben als unsere Hauptlehrperson. Sie bringt uns Neues auf eine andere Art bei.»

Entscheide der Kantone

Für GYB-Direktor Nicolas Fragnière ist der Nutzen klar: «Unsere Gesellschaft misst der Mündlichkeit heute einen hohen Wert bei – besonders bei Fremdsprachen. Genau in diesem Bereich erwarten wir Fortschritte.»

In der Romandie ist der Kanton Jura der einzige, der Sprachassistenten vor Ort für ein ganzes Schuljahr einsetzt. Und das nicht nur für Deutsch, sondern auch für Italienisch, Spanisch und Englisch.

Person schaut auf Laptopbildschirm in einem Klassenzimmer.
Legende: Nur einige Westschweizer Schülerinnen und Schüler erhalten eine solche Unterstützung. Das liegt an kantonalen Entscheiden oder an einzelnen Schulen. RTS

Früher boten auch die Kantone Waadt, Freiburg und Neuenburg solche Programme an. Aus Budgetgründen gaben sie diese jedoch wieder auf.

In der Deutschschweiz greifen Gymnasien dagegen regelmässig auf Sprachassistentinnen und Sprachassistenten aus Frankreich zurück, die ein Jahr lang das mündliche Französisch fördern.

Ein Austauschprogramm für die ganze Schweiz?

Warum kommen keine angehenden Lehrpersonen aus der Deutschschweiz in die Romandie – und umgekehrt? Der Grund ist historisch. Das bestehende Austauschprogramm für Studierende und künftige Lehrpersonen im Sekundarbereich II wurde in Zusammenarbeit mit europäischen Ländern und den USA aufgebaut. Ein inner­schweizerisches Pendant existiert nicht.

Olivier Tschopp ist Direktor der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität Movetia. Für ihn wäre ein nationales Programm sinnvoll: «Ein sprachliches Austauschprogramm nach dem Vorbild der Sprachassistenz, aber innerhalb der Schweiz, wäre sehr wertvoll. Es würde genau jene Zielgruppe erreichen, die entscheidend ist: angehende und junge Lehrpersonen.»

Tschopp sieht darin einen wichtigen Hebel: «Wenn wir bei diesen Personen eine echte Austauschkultur stärken, geben sie diese Erfahrung später an ihre Klassen weiter. Damit hätten wir einen Teil der Herausforderung gelöst, den Austausch zwischen den Sprachregionen zu fördern.»

RTS La Matinale, 30.03.2026, 7:25 Uhr;liea

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