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Nach Botschafter-Rückruf Schweizer Botschafter in Rom: «Es darf keine Erpressung geben»

Rom fordert eine gemeinsame Untersuchung und behält den Italien-Botschafter zurück. Der Schweizer Botschafter in Italien ordnet ein.

In Italien nimmt die Kritik an der Walliser Justiz und der Schweiz zu. Ein von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni unterzeichneter Brief bekräftigt, dass der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, erst dann nach Bern zurückkehren werde, wenn eine «gemeinsame Ermittlungsgruppe» eingesetzt sei, um Licht in die Brandkatastrophe von Crans-Montana zu bringen.

«Im Justizverfahren darf es keine Einmischungen geben»

«Es ist für Italien eine sehr ernste Angelegenheit, sich um Mitbürgerinnen und Mitbürger zu kümmern, die im Ausland gestorben sind», erklärt Roberto Balzaretti, Schweizer Botschafter in Italien, im Gespräch mit dem Tessiner Fernsehen RSI.

«Es gibt in Italien eine tiefe Verbundenheit zu den eigenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, besonders wenn es sich um junge Menschen handelt.» Es müsse daher ernst genommen werden, was auf politischer Ebene geschieht.

Das Balzaretti-Interview in voller Länge (mit dt. Untertiteln):

Aber: «Es gibt eine politische Diskussionsebene und die Ebene der Justizverfahren, in der es keine Einmischungen geben kann, das erklären wir auch unseren italienischen Kollegen. Entscheidend ist, glaubwürdig zu zeigen, dass auch wir nach Wahrheit, Fakten, Gerechtigkeit und Sanktionen für die Verantwortlichen suchen.»

Aktuell werde die übrige Zusammenarbeit zwischen Italien und der Schweiz durch den Rückruf des Botschafters nicht beeinträchtigt: «Wir sind zwei Nachbarländer mit sehr engen Beziehungen, auf wirtschaftlicher Ebene, auf sozialer Ebene, auf der Ebene des Verkehrs. Wir sind ein wichtiges Land für den Handel. All dies funktioniert weiterhin.»

«Botschafter-Rückruf vor allem politische Geste»

Balzaretti glaube nicht, dass es sich beim Rückruf des Botschafters um eine Erpressung seitens Rom handle. «Die zuständige Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet und im Rahmen einer internationalen Rechtshilfe um Zusammenarbeit mit der Walliser Staatsanwaltschaft ersucht.»

Falls Italien jedoch daran denke, den Botschafter zurückzuhalten, weil keine Zusammenarbeit stattfinden wird, wäre dies für Balzaretti ein falsches Druckmittel: «Es darf keine Erpressung in Bezug auf die Unabhängigkeit der Justiz geben. Wenn das die Idee der italienischen Behörden ist, denke ich, sie tun etwas, das nicht hilft.»

Es darf keine Erpressung in Bezug auf die Unabhängigkeit der Justiz geben.
Autor: Roberto Balzaretti Schweizer Botschafter in Italien

Der Rückruf des Botschafters sei für Balzaretti aktuell vor allem eine starke politische Geste, die primär dazu diene, zu zeigen, wie ernst die Angelegenheit für die italienische Regierung sei.

«Wir müssen berücksichtigen, dass nicht nur Giorgia Meloni, sondern ein ganzes Land schockiert ist, genau wie wir. Ich wiederhole es immer in Rom: Nicht nur Italien ist schockiert, sondern ganz Europa, wir Schweizerinnen und Schweizer zuallererst», so Balzaretti.

«Sollte die Walliser Staatsanwaltschaft entscheiden, den Anfragen der italienischen Justiz nicht nachzukommen, hätten wir ein rechtliches Problem mit der Justiz, also eine Verweigerung von Rechtshilfe und Zusammenarbeit, und darüber hinaus ein politisches Problem.»

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RSI Telegiornale, 27.1.2026, 20 Uhr ; 

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