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Neuenburger Jura Bauer rechtfertigt Tierquälerei mit «Erschöpfung»

Im Neuenburger Jura sind innert knapp eines Jahres zwei schwere Fälle von Tiermisshandlung auf Bauernhöfen aufgeflogen. Jetzt nimmt einer der betroffenen Bauern dazu Stellung. Er habe sich in einem Zustand der Erschöpfung befunden und sich nicht mehr um sein Vieh kümmern können, behauptet er.

Die jüngste Episode von Tiermisshandlung im Tal von La Brévine ereignete sich vor drei Wochen: Beamte der Veterinärbehörde entdeckten eine Herde von rund 70 Kühen, die sich selbst überlassen waren. Fünf Tiere, darunter vier Kälber, waren bereits tot, zehn weitere mussten eingeschläfert werden.

Bei einem anderen Vorfall im vergangenen Jahr waren in derselben Gegend des Neuenburger Juras 20 Tiere ums Leben gekommen.

Wie der Bauer die Missstände auf seinem Hof rechtfertigt:

Jetzt hat der Bauer, der für den jüngsten Fall verantwortlich ist, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) anonym Stellung bezogen. «Es ist ein Teufelskreis, es sind viele Dinge, die sich anhäufen», sagt er. «Irgendwann wird es zu viel: Es gibt familiäre Gründe, berufliche Gründe ...»

Der Mann räumt ein, sein Vieh vernachlässigt zu haben. «Es wurde gehalten, aber nur halb, nicht wie es sein sollte. Halb reicht nicht aus.» Wasser und Futter hätten die Tiere immer gehabt, betont er. «Es ist wie beim Abwasch: Alles stapelt sich, und innert weniger Tage ist die Katastrophe da.»

Die Milch als Warnsignal

Die Behörden wurden auf den Hof des Bauern aufmerksam, nachdem sich die Qualität der Milch verschlechtert hatte. «Der Milchwert war schlecht», berichtet Pierre-François Gobat, der Leiter des Diensts für Konsum und Veterinärwesen des Kantons Neuenburg. «Da sagten wir uns, dass etwas vor sich geht, zumal er sich sehr schnell verschlechtert hat.»

Nachdem sich im vergangenen Jahr in der Region bereits ein ähnlicher Fall ereignet hatte, standen die Behörden unter Druck. Gobat nimmt für sich und sein Team in Anspruch, die Lehren aus dem damaligen Fall gezogen und dieses Mal schneller reagiert zu haben. «Von dem Moment an, als klar war, dass wir vor Ort gehen mussten, bis wir dort waren, vergingen weniger als zwei Tage», betont er. «Ich bin überzeugt, dass wir mehreren Dutzend Tieren das Leben gerettet haben.»

Dennoch versteht der Landwirt und SVP-Grossrat Loïc Frey nicht, wieso sich ein solcher Fall wiederholen konnte. «Für mich hätten die Tiere nicht sterben dürfen bei all den Kontrollen und dem Druck, dem wir ausgesetzt sind», betont er.

Appell an Bevölkerung zur Mithilfe

Der Kanton Neuenburg hat angekündigt, die Kontrollen zu verstärken. Ausserdem will er die Sozialdienste einbeziehen, um Risikosituationen besser zu erkennen.

Laut Staatsrat Laurent Favre, zuständig für die Landwirtschaft, haben die Behörden rund dreissig Betriebe eruiert, die sich möglicherweise in einer sozialen Notlage befinden. Sie sollen in Bezug auf den Tierschutz genauer überprüft werden. Der Kanton rief Gemeinden und alle, die im Umfeld der Landwirtschaft tätig sind, dazu auf, mögliche Warnzeichen zu melden.

Der Präsident der Neuenburger Landwirtschaftskammer, Stéphane Rosselet, räumt ein: «Wir haben wohl ein Zeichen übersehen. Ich wurde von der Gemeinde informiert. Es waren kleine Zeichen, zum Beispiel der Misthaufen, der etwas überquoll. Ich nahm Kontakt mit dem Bauern auf, und der sagte mir, er werde das wieder in Ordnung bringen.»

Dieser wird sich nun vor der Justiz verantworten müssen. Tiere darf er bis auf Weiteres keine mehr halten. Gegenüber RTS sagt er: «Ich hoffe, ein normales Leben wiederzufinden. Ein Leben als Bauer, wenn möglich mit Tieren.»

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RTS 19h30, 8.2.2026, 19:30 Uhr; wilh

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