Oft hat man eine romantische Vorstellung von der Arbeit einer Schaf- und Ziegenhirtin: eine Tätigkeit in der Natur, im Kontakt mit Tieren, weit weg vom hektischen Stadtleben.
Doch die Tätigkeit der Hirtinnen und Hirten ist anspruchsvoller geworden. Der Kanton Graubünden hat deshalb eine neue Ausbildung am landwirtschaftlichen Zentrum Plantahof in Landquart lanciert.
Jan Boner, Berater für Herdenschutz am Plantahof, zeigt die Realität hinter der Romantik auf: «Mitte Juni müssen Schafhirtinnen und -hirten bereit sein, eine Herde von 600 bis 800 Tieren auf die Alp zu treiben. Oft nur mithilfe ihrer Hunde», erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Wir wollen Mut machen und auch ein bisschen Glanz verleihen.
Die Ausbildung für Hirtinnen und Hirten ist freiwillig und kann, koordiniert über die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea, neben dem Plantahof auch in Visp VS absolviert werden. «Die Anforderungen haben sich grundlegend verändert», sagt Martina Schäfli, Beraterin für Rindviehhaltung am Plantahof. «Früher weideten die Tiere frei auf dem Grossteil der Alpwiesen. Es gab weder Zäune noch Hunde, die Herden bewachten», sagt Schäfli und verweist auf die Herausforderungen durch Grossraubtiere.
Aber auch der Mensch ist stärker präsent. «Auf der Alp begegnet man heute viel mehr Personen», hat Jan Boner festgestellt. Immer mehr Wanderinnen oder Velofahrer wollen die Gegend erkunden. «Man muss aufmerksamer sein und mehr kommunizieren», sagt er.
Als Reaktion darauf startet der Plantahof ab September eine neue Ausbildung für Hirtinnen und Hirten in deutscher Sprache. Einige Module, die bisher an verschiedenen Schulen unterrichtet wurden, finden nun in Landquart statt.
Neu gibt es ein Zertifikat für den Hirtenberuf
Der Kurs hat auch zum Ziel, dem Handwerk eine Perspektive zu geben: «Wir wollen Mut machen, wenn jemand entscheidet, den Sommer auf der Alp zu arbeiten, und auch ein bisschen Glanz verleihen, wenn jemand in der Lage ist, Herden von Hunderten Tieren mit seinen Hunden zu bewirtschaften», sagt Jan Boner.