Nachdem er im März 2020 den Corona-Shutdown ausgerufen hatte, vergab der Bund innert weniger Wochen Nothilfekredite an Unternehmen im Wert von fast 17 Milliarden Franken. 140'000 Unternehmen profitierten davon.
Sechs Jahre später sind über 70 Prozent dieser Kredite zurückbezahlt. Aber für gewisse Branchen wie die Gastronomie sind sie noch immer eine Last. Dort sind fast die Hälfte der Kredite noch nicht zurückgezahlt. Besonders im Fall, dass die Betreiber inzwischen Konkurs gingen, ist das Risiko für eine strafrechtliche Verfolgung hoch.
Denn eine Klausel bei der damaligen Hilfsmassnahme besagt, dass bei Nichteinhaltung der Kreditbedingungen der Unternehmer oder die Unternehmerin persönlich verfolgt und zur Rückzahlung des gesamten Betrags verpflichtet wird.
Dies hat Domenico erfahren. Der 40-jährige Geschäftsführer aus Apulien lieh sich damals 65'000 Franken, um seine beiden Genfer Restaurants zu retten. Wenige Monate später musste er eines der beiden schliessen und Konkurs anmelden.
Drei Wochen danach erhielt er ein erstes Schreiben eines Anwalts: Darin wurde ihm vorgeworfen, die Finanzmittel zweckwidrig verwendet zu haben; gegen ihn werde deswegen wegen Betrug und Veruntreuung ermittelt. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.
Tausende Strafanzeigen
Kein Einzelfall, wie Recherchen des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) zeigen: Bis Ende 2025 wurden schweizweit rund 6000 Strafanzeigen im Zusammenhang mit Covid-Krediten eingereicht.
Im Kanton Genf machen diese Anzeigen inzwischen mehr als 20 Prozent der hängigen Dossiers aus, was wiederum die Bearbeitungsfrist sämtlicher Verfahren verlängert. Die für Finanzdelikte zuständige Ermittlungsbehörde meldet, Fälle im Zusammenhang mit Covid-Krediten hätten seit 2024 um 150 Prozent zugenommen, von 100 auf 250 Dossiers.
Polizeikorps aus anderen Westschweizer Kantonen berichten von ähnlichen Herausforderungen.
Ein Teil der Reportage von RTS mit deutschen Untertiteln:
Schweizweit sind noch rund 4.7 Milliarden Franken an Covid-Krediten offen. Der Betrugsvorwurf gegen den Genfer Restaurantbetreiber Domenico ist inzwischen fallengelassen worden. Das Verfahren wegen Veruntreuung läuft aber weiter.
Es ist nur ein hängiger Fall von insgesamt fast 3000, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) schreibt. In den nächsten Monaten oder Jahren könnte es darum noch zu weiteren Anzeigen kommen.