Sommerzeit ist Wanderzeit. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, auf Wegen und Wiesen Schlangen zu begegnen. Die Angst vieler Menschen vor den Reptilien ist grösser, als es die tatsächliche Gefahr rechtfertigt.
In der Schweiz sind Schlangenbisse selten und verlaufen nur in Ausnahmefällen tödlich. Die Nationale Koordinationsstelle Amphibien (Karch) zählte zwischen 1983 und 1995 insgesamt 103 Fälle, davon 14 mit Komplikationen. Seit 1960 endete nur ein Biss einer einheimischen Giftschlange tödlich.
Harmlos sind Schlangenbisse dennoch nicht. In jedem Fall sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Fortschritte in der Behandlung und eine bessere Sensibilisierung haben die Risiken aber deutlich reduziert. Schwere Symptome treten oft erst Stunden später auf – genug Zeit, um ins Spital zu gehen. Besonders gefährlich sind weniger die Gifte selbst als allergische Reaktionen.
Zwei giftige Arten in der Schweiz
In der Schweiz leben acht Schlangenarten. Giftig sind nur die Aspisviper (Vipera aspis) und die Kreuzotter (Vipera berus). Beide kommen etwa im Tessin oder im Jura vor. Häufig werden sie mit harmlosen, ungiftigen Arten wie der Glattnatter oder der Würfelnatter verwechselt.
«Schlangen sind ängstlich»: Experte Grégoire Meyer im Interview
Ein verbreiteter Irrtum: «Der dreieckige Kopf ist kein zuverlässiges Kriterium», sagt Schlangenexperte Grégoire Meyer. Ein besseres Indiz ist die Pupillenform: vertikal bei Vipern, rund bei ungiftigen Arten – wobei solche Merkmale aus der Distanz oft schwer zu erkennen sind.
Schlangen greifen nicht aktiv an
Schlangen sind scheue Tiere und greifen Menschen nicht von sich aus an. Sie beissen meist nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Der Biologe Marco Nembrini von der Karch betont: «Alle Schlangen in der Schweiz sind gesetzlich geschützt.»
Zudem sind viele Arten gefährdet: Rund 80 Prozent der Reptilien stehen unter Druck, vor allem, weil ihr Lebensraum verschwindet.
Um heikle Situationen mit Schlangen zu vermeiden, empfehlen Fachleute einfache Verhaltensregeln:
- Lärm machen, damit Schlangen durch Vibrationen gewarnt werden
- Tiere nicht berühren oder provozieren
- festes Schuhwerk und lange Hosen tragen
- vorsichtig sein bei Holzstapeln oder Mauern
Die meisten Schlangenbisse verursachen nur leichte Symptome. Dennoch gilt:
- Ruhe bewahren
- Schmuck und enge Kleidung entfernen
- betroffene Stelle ruhigstellen
- Wunde desinfizieren
- möglichst rasch medizinische Hilfe suchen
- im Notfall 144 wählen
- keine Hausmittel wie Abbinden, Aufschneiden, Aussaugen, Eis oder Alkohol