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Start-up für Raumfahrt Ehemaliges Kraftwerk wird zum Testgelände für Raketenantrieb

Es thront oberhalb des Rhonetals und ist von Weitem sichtbar: das ehemalige Wärmekraftwerk von Chavalon. Seit 1999 ist es stillgelegt. Jetzt soll es zum Testgelände werden für die Entwicklung eines Triebwerks für Satelliten.

Das Gerät mit dem Namen Lyoba hat die Form eines Zylinders von 10 Metern Höhe und 3.5 Metern Durchmesser. Dabei handelt es sich gemäss den Herstellern um eine «zusätzliche Raketenstufe», die Satelliten auf eine bestimmte Umlaufbahn bringen kann.

Das Triebwerk muss zünden können, sobald der Satellit von einer Standardrakete wie der europäischen Ariane oder der amerikanischen SpaceX ins All gebracht worden ist. Es soll einen Schub von 4.5 Tonnen haben – das entspricht dem Gewicht, das auf der Erde durch diese Antriebsart angehoben werden könnte.

So sieht es auf dem Testgelände von Chavalon aus:

Entwickelt worden ist das Triebwerk von Pave Space, einem Start-up, das 2024 an der ETH Lausanne gegründet wurde. Das Unternehmen ging aus dem Gruyère Space Program hervor, einer studentischen Initiative, die an einer wiederverwendbaren Rakete forschte. Pave Space mietet jetzt das ehemalige Wärmekraftwerk von Chavalon, das einer Baufirma gehört, und will es zum Testgelände für das neue Triebwerk umfunktionieren.

Es sei der ideale Ort für diese Tests, betont Julie Böhning, Direktorin und Mitgründerin von Pave Space, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS): «Erstens, weil die Grösse der Räumlichkeiten stimmt. Zweitens, weil diese absicherbar sind. Und schliesslich, weil diese Halle weit genug von der Nachbarschaft entfernt ist, damit die Lärmbelästigung minimal ist.»

Und sie betont weiter: «Wenn wir (diesen Ort) nicht gefunden hätten, hätten wir unsere Aktivitäten wahrscheinlich ins Ausland verlegen müssen, mit dem Risiko, einen Teil unserer Teams zu verlieren.»

Tests ab diesem Sommer

Das Ziel ist es, ab diesem Sommer pro Woche einen 30-sekündigen Test des Triebwerks durchzuführen. Gemäss den Berechnungen wird das für die nächsten Nachbarn am Fuss des Berges eine Schallimmission von 65 Dezibel bedeuten, was der eines fahrenden Autos entspricht.

Für Pave Space ist die Einrichtung dieses Testgeländes in Chavalon ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung der Raketenstufe. «Unser System ist einzigartig auf dem Markt», betont Jeremy Marciacq, technischer Direktor und Mitgründer von Pave Space. «Es bringt bewährte technische Elemente zusammen, damit unsere Kundinnen und Kunden die geostationäre Umlaufbahn viel schneller erreichen können, in einem Tag statt wie derzeit in 6 bis 12 Monaten.»

Die geostationäre Umlaufbahn in 36’000 Kilometern Höhe bietet den grossen Vorteil, dass Satelliten immer auf dieselbe Zone der Erdoberfläche ausgerichtet sind. Um diese zu erreichen, nutzen Raumfahrzeuge den «ionischen» (elektrischen) Antrieb. Er ist effizient und sparsam, die Schubzuwächse sind aber viel kleiner. Gelingt es, die Zugangsdauer zu dieser fernen Umlaufbahn zu verkürzen, wäre das ein strategischer Vorteil für den Raumtransport.

«Unser System kann auf jedem Träger installiert werden», schwärmt Marciacq. Ausserdem verspricht das Unternehmen, etwa 40 Prozent günstiger zu sein im Vergleich zu den Lösungen, die derzeit auf dem Markt angeboten werden. Der erste Flug ist für 2029 geplant. Das Start-up hat derzeit rund 40 Beschäftigte.

RTS, 19h30, 28.2.2026, 19:30 Uhr; wilh

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