Es gibt nicht das eine Osterbrot in der Schweiz – stattdessen gibt es eine ganze Reihe an regionalen Festbroten oder Teigen. Das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) hat sich auf die Suche gemacht und dabei eine Vielzahl davon gefunden. Einige sind eng mit dem kirchlichen Kalender verbunden, andere kommen zusammen mit anderen, traditionellen Süssspeisen auf den Tisch.
Wallis – wo Brot auf Ritual trifft
Wenn es eine Region gibt, in der Brot in einer christlichen Tradition besonders lebendig geblieben ist, dann ist es das Wallis. Hier bringt der Ofen nicht nur Nahrung, sondern auch eine gewisse Symbolik hervor.
Eines der bekanntesten Walliser Osterbrote ist das «pain béni», das gesegnete Brot, welches in einigen Orten anlässlich des Osterfests verteilt wird. Es erzählt von Gemeinschaft und dem Teilen und vereint die religiöse Feier und die soziale Geste.
Daneben gibt es auch das «michon des Rameaux», ein kleines, geknotetes Brot, das entfernt an eine Brezel erinnert. In den Tälern von Bagnes und Entremont wurde es oft von den Pfarrern an die Kinder verschenkt und an einen Wacholderzweig gehängt – manchmal auch mit einem Apfel –, ehe es dann in die Kirche gebracht wurde.
Der Brauch des «Michon des Rameaux» in Ormône (ohne Ton)
Zudem gibt es im Wallis auch das «pain du saint Sébastien», das Brot des heiligen Sebastian, oder das Cressin, welche beide nicht direkt zum Osterfest zählen, aber auch eine wichtige, christliche Symbolik darstellen.
Neuenburg und sein echtes Osterbrot
In Neuenburg ist der Bezug hingegen direkter. Hier hat das Ostergebäck einen ganz bestimmten Namen: «pain de Pâques neuchâtelois». Es handelt sich um ein Brioche, dessen Teig dem des Zopfs ähnelt. Es ist jedoch rund und weist einen charakteristischen Schlitz in der Mitte auf.
Die Geschichte des Brotes ist zudem kurios: Es soll in den 1960er-Jahren als Alternative zum Zopf entstanden sein, dessen Herstellung mehr Zeit und Aufwand erfordert.
Nachdem es vergebens versucht wurde, als Sonntagsbrot zu etablieren, wurde es mit der Zeit ausschliesslich als Osterbrot genutzt. Noch heute ist es eine saisonale Spezialität, welche stark mit den Regionen verbunden ist.
Graubünden und das «Bütschella»
Im Bergkanton ist die Verbindung zu Ostern weniger stark ausgeprägt – aber nicht minder interessant. Hier spiegelt etwa das «Bütschella», ein süsses Hefebrot mit Sultaninen, Zucker, Butter, Eiern und Zitronenschale, die Festtagsstimmung besonders gut wider.
Doch das Bütschella gehört nicht nur zu Ostern, sondern auch etwa zu Weihnachten, Neujahr, zu Taufen und Hochzeiten.