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Übergriffsvorwürfe Kontroverse um Superstar Patrick Bruel erreicht die Schweiz

Dutzende Frauen werfen Chanson-Star Patrick Bruel sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung vor. Seit einem Vorfall am Paléo-Festival 2019 ist er dort unerwünscht.

Das grösste Schweizer Musikfestival, das Paléo in Nyon am Genfersee, nimmt den französischen Sänger Patrick Bruel seit 2019 nicht mehr in sein Programm auf. Das hat der Direktor des Festivals am Pfingstmontag im Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) bekanntgegeben.

Grund dafür ist ein Vorfall, der sich 2019 am Paléo-Festival ereignet hatte. Eine Freiwillige, die im Rahmen des Festivals als Masseurin arbeitete, hatte damals Anzeige gegen Patrick Bruel erstattet. Der Vorwurf: Bruel sei während der Massage nackt gewesen und habe von ihr verlangt, ihn im Intimbereich zu massieren.

«Für uns ist die Situation anders»: Paléo-Direktor Rossellat

Das Paléo-Festival ermutigte die Freiwillige damals, Anzeige zu erstatten, und bot ihr juristische und psychologische Unterstützung an. Das Gerichtsverfahren führte 2022 zu einer finanziellen Übereinkunft: Die freiwillige Masseurin zog ihre Anzeige zurück, dafür zahlte der Musikstar mehrere Tausend Euro an eine Hilfsorganisation für Migrantinnen.

Der Vorfall und das Gerichtsverfahren waren bis anhin vertraulich geblieben. Gestern hatte der französische Sender TF1 darüber berichtet. Bruels Anwalt bestätigte diese Vereinbarung gegenüber TF1. Er machte zudem geltend, Bruel habe sich gegenüber der Freiwilligen nicht unangemessen verhalten.

Mann mit Gitarre applaudiert auf der Bühne.
Legende: Bruel bei seinem Auftritt am Paléo-Festival 2019. Seither ist er dort nicht mehr erwünscht. KEYSTONE / Martial Trezzini

Dutzende Vorwürfe, mehrere Verfahren

Um den Chanson-Star Bruel läuft seit mehreren Monaten eine öffentliche Kontroverse. Rund dreissig Frauen werfen ihm Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe vor. Mehrere Untersuchungen sind im Gange. Der Sänger bestreitet jede Form von Gewalt oder Nötigung. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Paléo-Direktor Daniel Rossellat sagt, natürlich gelte bei Anschuldigungen in der Öffentlichkeit, ohne gerichtliche Verurteilung, grundsätzlich die Unschuldsvermutung. «In diesem konkreten Fall hat sich der Vorfall bei uns ereignet, in unseren Garderoben. Es liegt eine Meldung vor und eine Zeugenaussage, die wir aus gutem Grund für glaubwürdig halten und die wir berücksichtigen müssen. Für uns ist die Situation anders.»

Paléo Festival Nyon verleugnet zukünftige Einladung für Patrick Bruel.
Legende: Das Paléo-Festival hat am Wochenende seine Unterstützung für die damalige Betroffene bekräftigt. Instagram

Es sei der erste solche Vorfall in 40 Jahren Paléo-Geschichte gewesen, so der Direktor weiter. Am Wochenende hat das Festival in einem Post in den sozialen Medien seine Unterstützung für die Masseurin bekräftigt. Die Entscheidung des Festivals bezeichnet Direktor Rossellat als «selbstverständlich»: «Wir nehmen keine Künstler ins Programm auf, die nicht unseren Werten entsprechen.»

Bruels Auftritt 2019, bei dem es zu dem Vorfall kam, war der letzte des französischen Stars am Paléo. Und das dürfte also auch künftig so bleiben. Man habe den Fall nicht öffentlich gemacht «aus Respekt gegenüber dem Opfer und zum Schutz seiner Persönlichkeit», so Festivaldirektor Rossellat.

Wie am Dienstag bekannt wurde, hat auch das Freiburger Festival Bellarena das Konzert von Bruel von Ende Juni abgesagt und als Grund die laufenden Untersuchungen gegen den Sänger angegeben. Für die nächstjährige Ausgabe werde man die Lage neu beurteilen.

Das Paléo-Festival betont, man habe seit 2019 mehrere Massnahmen zum Schutz der Freiwilligen ergriffen. Künstler würden vor dem Engagement sorgfältig abgeklärt. Zudem habe man das sogenannte «Angela»-Verfahren eingeführt, das es Opfern oder Zeugen von Übergriffen oder Gewalt ermöglicht, diese zu melden und schnell begleitet zu werden.

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RTS Forum, 25.5.2026, 19 Uhr; wyss

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