Es gibt sie noch, die unsichtbaren Berufe, unter denen man sich kaum etwas vorstellen kann. Der Staumauerwärter gehört dazu. Der Job ist von ständiger Präsenz und dem Blick fürs Detail geprägt. In den Fels gehauene Stollen, unterirdische Bahnen, Luftseilbahnen, die den Berg emporsteigen – es wirkt wie Szenen aus einem Abenteuerroman.
Die Reportage von RSI mit deutschen Untertiteln:
Im oberen Bavonatal arbeiten die Wasserkraftwerke der Maggia, fernab der hiesigen Bevölkerung. Komplexe, verborgene Anlagen, die kontinuierliche Wartung, regelmässige Überprüfungen und eine flächendeckende Überwachung erfordern, um Schäden und unerwartete Unterbrüche zu verhindern.
Genau das sind die Aufgaben von Eros Cauzza, dem Staumauerwärter, der vom Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RS) begleitet wurde. Die Reise beginnt im Nachbartal Piano di Peccia. Zur Zentrale beim Lago di Robièi führt keine Strasse, das Leben hier muss autonom funktionieren. Wenn die Zugänge schneefrei sind, ist die Fortbewegung einfacher – doch in den Bergen ändert sich das Wetter schnell. Um sich davon nicht abhängig zu machen, werden von aussen unsichtbare Wege genutzt. Über sechs Kilometer führen Stollen durch den Berg und werden nur von einem kleinen Zug befahren. Am Ende geht es mit einer Luftseilbahn weiter nach oben.
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Bild 1 von 5. Die Staumauer von Robièi. Bildquelle: RSI.
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Bild 2 von 5. Rund zehn Personen arbeiten in der Zentrale von Robièi. Bildquelle: RSI.
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Bild 3 von 5. Um nicht von den Witterungen abhängig zu sein, wird ein rund sechs Kilometer langer Stollen genutzt. Bildquelle: RSI.
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Bild 4 von 5. In der Luftseilbahn eröffnet sich ein gewaltiges Panorama der Staumauer. Bildquelle: RSI.
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Bild 5 von 5. Ein Blick in die Anlage von Robièi. Bildquelle: RSI.
Eros Cauzza arbeitet hier seit 32 Jahren – und kennt noch immer nicht alles. Das Netz der Anlagen ist derart weitläufig und verworren, dass es einem Spinnennetz gleicht. Der Staumauerwärter erinnert sich hier etwa an 2014, als drei Meter Schnee lagen – in den 70er-Jahren berichtete man sogar von 13 oder 14 Metern. Heute liegt zwar noch Schnee, aber viel weniger als früher. Hier ist der Klimawandel kein abstraktes Thema, sondern lässt sich vor Ort beobachten.
Für Cauzza bleibt während der Arbeit jedoch wenig Zeit fürs Beobachten der Natur. Er muss die Strukturen der Anlagen kontrollieren, die Betonmonoblöcke, die Sperren – oder sonstige minimale Spuren, die Wasser, Druck und die Zeit hinterlassen können. Es dient der Prävention.
Menschliche Komponente
Von diesen Anlagen hier stammt etwa ein Drittel der Energieproduktion der «Officine Idroelettriche della Maggia». In der Zentrale von Robièi arbeiten rund zehn Personen. Während der Reportage von RSI stehen die fünf Turbinen wegen Wartungen still: ein geplanter, notwendiger Stopp, welcher die Kontrollen von Eros Cauzza keineswegs nichtig macht – eher im Gegenteil. Auch in einem hochgradig technologischen System bleibt der Faktor Mensch entscheidend. Deshalb müsse man fähig sein, mögliche Probleme vorauszusehen, insbesondere wenn es um Sicherheit gehe, wie Giovanni Belotti, Sicherheitsassistent von Ofima, gegenüber RSI erklärt.
Die Technik wird vom Kommandoraum aus mit Sensoren und Instrumenten überwacht, ein wesentlicher Teil der Arbeit läuft von hier aus. Trotzdem bleiben regelmässige Inspektionen durch Personal obligatorisch – denn ein Blick vor Ort kann Situationen erfassen, die kein Fernüberwachungssystem bemerkt.