Rouvinez, die wahrscheinlich grösste Walliser Weinkellerei, muss sich von den Behörden vorwerfen lassen, bei der Herstellung ihrer Weine zu viel Zucker verwendet zu haben. Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) wollte diese Information gerade veröffentlichen, als das Unternehmen am Montag dringend eine Medienkonferenz einberief.
Die Fakten stammen aus dem Jahr 2023. Als das Walliser Kantonslabor intervenierte, waren die meisten betroffenen Flaschen – rund 55’000 – bereits verkauft worden. Auf Anordnung des Kantons wurden die verbleibenden 6000 Flaschen vernichtet, um ein «Risiko der Täuschung der Konsumenten» zu vermeiden.
Die Familie Rouvinez beteuerte am Montag, sie habe in guter Absicht gehandelt. Die Schwester und die beiden Brüder erklärten, sie hätten die Normen für die Herkunftsbezeichnung (Appellation d’Origine Contrôlée, AOC) unterschiedlich ausgelegt und fühlten sich dabei nach wie vor im Recht.
Erläuterungen des RTS-Journalisten zum Weinkrieg im Wallis:
Trotzdem hat sich die Familie dem Willen der Behörden gebeugt, ohne Rekurs einzulegen. Sie wollte damit vermeiden, dass diese Angelegenheit an die Öffentlichkeit gelangt, was fast sicher einen Reputationsschaden zur Folge gehabt hätte. Inzwischen heisst es, man habe das Verfahren zur Verzuckerung des Traubenmosts angepasst.
«Instrumentalisierung»
Aber die Kellerei hat die Pressekonferenz am Montag auch genutzt, um «Lügen» und eine «Instrumentalisierung» anzuprangern. Dabei geht es um Vorwürfe des Önologen Xavier Bagnoud. Dieser wirft dem Haus Rouvinez vor, fast alle seine Weine mit einem verbotenen Produkt zu zuckern.
Bagnoud stützt diesen Vorwurf auf eine Analyse von 400 Weinen. Er erstattete Strafanzeige bei verschiedenen Staatsanwaltschaften und der Eidgenössischen Weinkommission.
Die Familie Rouvinez bestreitet die Vorwürfe. Sie fühlt sich seit Jahren Destabilisierungsversuchen ausgesetzt. Als sie von RTS erfuhr, dass sie nun Gegenstand von Strafanzeigen ist, beschloss sie, denjenigen öffentlich anzuprangern, der ihrer Ansicht nach der Ursprung von all dem ist: den Winzer Dominique Giroud.
«Wir stehen am Vorabend neuer Prozesse über betrügerische Angelegenheiten in der Schweizer Weinbranche», sagte Philippe Rouvinez, «und wir fragen uns wirklich, ob gewisse Akteure nicht gerade dabei sind, Gegenfeuer zu legen, um ein wenig den Eindruck zu erwecken, dass alle in diesem Bereich mehr oder weniger das Gleiche tun und dass es am Ende vielleicht gar nicht so schlimm ist».
Bevorstehende Prozesse
Die erwähnten künftigen Prozesse betreffen einen Vertrauten von Dominique Giroud, der beim Bundesgericht Beschwerde gegen seine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 45 Monaten eingelegt hat. Ihm wird vorgeworfen, er habe spanischen Wein mit Walliser Wein vermischt.
Dominique Giroud könnte ebenfalls auf der Anklagebank landen, weil er möglicherweise zwischen 2010 und 2014 Wein verschnitten hat. Ausserdem ist eine Anzeige gegen ihn bei der Schweizerischen Weinkontrolle hängig, in der ihm vorgeworfen wird, er habe 2022 ausländischen Wein als Schweizer Wein vermarktet. Die Anzeige wurde erstattet – von der Familie Rouvinez.
Auf Anfrage von RTS wollte sich Dominique Giroud nicht äussern. Sein Anwalt, Laurent Fischer, bestreitet jeglichen «Kreuzzug gegen die Familie Rouvinez».